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Anstieg um 60 Prozent Fast zehn Millionen Liter Gülle im Jahr 2015 bei Unfällen in Anlagen freigesetzt

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Jauche und Gülle sind willkommener und günstiger Dünger für Landwirte. Gelangen sie allerdings unkontrolliert in die Umwelt können sie zu einer ernsten Gefahr werden. Im vergangenen Jahr sind bei solchen Unfällen 9,6 Millionen Liter Jauche in Gülle ausgetreten.

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Nicht nur kontrolliert, wie hier im Bild zu sehen, wurde Gülle im Jahr 2015 in die Umwelt eingebracht.
Nicht nur kontrolliert, wie hier im Bild zu sehen, wurde Gülle im Jahr 2015 in die Umwelt eingebracht.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Wiesbaden – Im Jahr 2015 traten bei 92 Unfällen in Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen rund 9,6 Millionen Liter Jauche, Gülle und Silagesickersaft sowie vergleichbare in der Landwirtschaft anfallende Stoffe (JGS) unkontrolliert in die Umwelt aus. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, entspricht dies einer Zunahme um rund 2,8 Millionen Liter oder 41 % gegenüber dem Vorjahr. Hauptursache bei diesen JGS-Unfällen war menschliches Fehlverhalten (60%).

Gülle und Jauche bilden Hauptanteil bei Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 2.600 Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen registriert, 61 Unfälle mehr als 2014. Sie ereigneten sich beim Transport sowie beim Lagern, Abfüllen und Umschlagen (LAU-Anlagen), beim Herstellen, Behandeln und Verwenden (HBV-Anlagen) sowie beim innerbetrieblichen Befördern von wassergefährdenden Stoffen. Die insgesamt freigesetzte Menge lag mit 15,5 Millionen Litern um 31% höher als 2014. Davon konnten rund 9,4 Millionen Liter (61%) nicht wiedergewonnen werden, rund 6,1 Millionen Liter wurden zum Beispiel durch Umpumpen oder Umladen in andere Behälter zum Schutz der Umwelt zurückgewonnen.

Bei der nicht wiedergewonnenen Menge handelte es sich zu 61% (rund 5,7 Millionen Liter) um JGS. JGS sind nicht in Wassergefährdungsklassen eingestuft. Bei entsprechend großen freigesetzten Mengen oder besonderen örtlichen Verhältnissen können sie jedoch zu einer Gefahr für Gewässer und Boden werden.

Der überwiegende Teil der Schadstoffe (14,9 Millionen Liter) wurde 2015 bei insgesamt 786 Unfällen in Anlagen freigesetzt. 164 Unfälle (2,1 Millionen Liter freigesetzte Menge) ereigneten sich in Anlagen, die einer wiederkehrenden Prüfpflicht unterliegen, 398 Unfälle (9,5 Millionen Liter) in Anlagen ohne wiederkehrende Prüfpflicht, und bei 224 Unfällen (3,2 Millionen Liter) war keine Angabe über eine wiederkehrende Prüfpflicht der Anlage möglich.

In 32% der Unfälle in Anlagen waren Materialmängel wie zum Beispiel Korrosion von metallischen Anlageteilen, Alterung von Anlageteilen aus sonstigen Werkstoffen sowie das Versagen von Schutzeinrichtungen die Hauptursache.

1.814 Unfälle wurden 2015 beim Transport wassergefährdender Stoffe gezählt, die meisten davon mit Straßenfahrzeugen (1.690 beziehungsweise 93%). Insgesamt wurden beim Transport rund 609 000 Liter wassergefährdende Stoffe freigesetzt, darunter 174 000 Liter JGS.

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