Suchen

Finanzierung Fördermittel für den deutschen Mittelstand

| Autor / Redakteur: Bernd Christophersen / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

In Zeiten dauerhafter Niedrigzinsen sind Förderkredite scheinbar für Unternehmen wenig lohnend. Doch der Schein trügt – denn die Förderbanken haben sich auf die neue Situation eingestellt. Auch 2015 stehen für mittelständische Unternehmen attraktive Fördermittel zur Verfügung.

Firmen zum Thema

Fördernittel ermöglichen es Unternehmen, sich den historisch niedrigen Zins über die gesamte Kreditlaufzeit von bis zu 20 Jahren zu sichern.
Fördernittel ermöglichen es Unternehmen, sich den historisch niedrigen Zins über die gesamte Kreditlaufzeit von bis zu 20 Jahren zu sichern.
( © vege - Fotolia)

Die Industrie steht vor großen Herausforderungen: Unter dem Schlagwort Industrie 4.0 verändert die Digitalisierung Produktionstechniken und -abläufe. Aufgrund der Ressourcenknappheit kommt der Erhöhung der Material- und Energieeffizienz sowie der Nutzung erneuerbarer Energien eine herausragende Bedeutung zu. Gleichzeitig verlagert sich das Weltwirtschaftswachstum von den Industrie- in die Schwellen- und Entwicklungsländer. Unternehmen der produzierenden Industrie haben zum Teil beträchtlichen Investitionsbedarf, wollen sie sich auf die Entwicklungen einstellen. Aktuell ist die dafür erforderliche Finanzierung für die Unternehmen meist gut darstellbar. Einerseits verfügen sie über ausreichend Liquidität, andererseits sind die Kreditzinsen niedrig und werden es mittelfristig wohl auch bleiben. Haben Förderkredite damit an Attraktivität eingebüßt?

Fördermittel weiter attraktive Ergänzung

Nein, Fördermittel bleiben langfristig attraktiv, auch wenn wir uns weiterhin in einem Niedrigzinsumfeld bewegen: Sie ermöglichen es Unternehmen, sich den historisch niedrigen Zins über die gesamte Kreditlaufzeit von bis zu 20 Jahren zu sichern. Darin enthalten sind bis zu drei tilgungsfreie Anlaufjahre, die gerade bei Sprunginvestitionen liquiditätsschonend wirken. Viele Förderbanken passen überdies ihre Programme an, um diese für Unternehmen und durchleitende Banken noch attraktiver zu gestalten. So übernehmen sie zum Beispiel mehr Risiken und erhöhen so den Anreiz für Geschäftsbanken, Förderprogramme anzubieten. Auch der Förderzweck ist am Bedarf der Unternehmen ausgerichtet.

Bildergalerie

Angesichts langfristig steigender Energiepreise und der forcierten deutschen Energiewende entstanden in den vergangenen Jahren vor allem Förderprogramme zur Energieeffizienzfinanzierung im gewerblichen und privaten Bereich. Die Programme fördern eine frühe oder über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Erfüllung von Vorgaben. Einige Kredite zugunsten von Energieeffizienzinvestitionen – inklusive dem Bauen und Sanieren im gewerblichen Bereich – zählen zu den zinsgünstigsten Förderprogrammen im KfW-Angebot. Unternehmen, die Gebäudeinvestitionen andenken, sollten sich zeitnah entscheiden: Die Energieeinsparungsverordnung (EnEV) und damit auch die Förderbedingungen werden 2016 verschärft.

KFW fördert Ressourceneffizienz

Ein anderes großes Förderthema sind Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz. Schätzungen zufolge entfallen bis zu 45 % der Betriebskosten von Unternehmen im produzierenden Gewerbe auf Materialkosten. Modernere Fertigungstechnik kann hier laut dem VDI Zentrum Ressourceneffizienz bis zu 20 % einsparen – und so die Kosten erheblich verringern. Die KfW fördert über ihr Umweltprogramm entsprechende Maßnahmen. Aber auch Landesförderinstitute, wie NRW.Bank und L-Bank bieten mit ihren „Effizienzkrediten“ sehr attraktive Programme.

Das jüngste Produkt aus der KfW-Förderlandschaft ist der „Unternehmerkredit Plus“, der im Dezember 2014 eingeführt wurde. Er wird deutlich unter Kapitalmarktniveau verzinst und kann von innovativen Unternehmen sowohl für Investitionen als auch für Betriebsmittel beantragt werden. Zudem wird das Kreditrisiko zwischen der Hausbank und der KfW geteilt. Für Unternehmen bedeutet dies, dass ihre Sicherheitenbasis geschont wird, ohne dass sie hierfür einen Zinsaufschlag zahlen müssen. Die Kreditzusagen werden außerdem tendenziell höher ausfallen können, da das durchleitende Kreditinstitut nur die Hälfte des Risikos trägt.

Die Möglichkeiten für Unternehmen, über Fördermittel ihren Finanzierungsmix noch besser auszubalancieren, werden 2015 sogar weiter steigen: Gemäß dem „Juncker-Plan“, der im Sommer 2015 in Kraft treten soll, will die Europäische Kommission einen Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) mit einem Volumen von 21 Mrd. Euro gründen. Das Investitionsprogramm soll Geschäftsbanken einen weiteren Anreiz bieten, ihre Kunden mit zinsgünstigen Krediten zu unterstützen.

Grundsätzlich gilt: Die Konditionen von Förderprogrammen bleiben auch 2015 attraktiv, vor allem für die Förderschwerpunkte Forschung und Entwicklung sowie Steigerung von Energie- und Ressourceneffizienz. Unternehmen sollten stets mit ihren Hausbanken prüfen, ob und welche Fördermittel sie bei ihren Investitionsvorhaben in Anspruch nehmen können. Dabei sollte die Hausbank frühzeitig eingebunden werden, da der Antrag in der Regel vor Beginn des Vorhabens zu stellen ist.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke MM Maschinenmarkt.

* Bernd Christophersen ist Leiter Öffentliche Förderkredite bei der HSBC in Düsseldorf, Tel. (02 11) 91 00, CMB.Foerderkredite@hsbc.de

(ID:43261333)