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Zellulose Forscher wollen Chemie mit gelöster Zellulose voranbringen

| Redakteur: Sonja Beyer

Was im Labor bereits gelingt, das wollen Wissenschaftler in Jena nun zur industriellen Reife bringen, nämlich Zellulose aufzulösen und weiterzuverarbeiten.

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Eine Chemielaborantin der Universität Jena arbeitet im Labor mit gelöster Zellulose. (Bild: Jan-Peter Kasper/Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Eine Chemielaborantin der Universität Jena arbeitet im Labor mit gelöster Zellulose. (Bild: Jan-Peter Kasper/Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Jena – Zu den Produkten, die aus dem nachwachsenden Rohstoff Zellulose hergestellt werden können, zählen nicht nur Papiertaschentücher, sondern auch Bildschirme für Plasma-Fernsehgeräte, Spezial-Textilien und intelligente Wundverbände. „Gemeinsam ist all diesen Produkten, dass der Rohstoff Zellulose als Feststoff umgewandelt wird“, sagt Prof. Dr. Thomas Heinze von der Universität Jena. Im Gegensatz dazu biete jedoch die homogene Zellulosechemie, bei der der Rohstoff gelöst vorliegt, noch ganz andere Chancen.

Im Labor lässt sich die Zellulose schon jetzt auflösen und weiterverarbeiten. Doch die Jenaer Wissenschaftler wollen gemeinsam mit Industriepartnern in einem neuen Projekt in andere Dimensionen vorstoßen. Der Startschuss für das auf zwei Jahre angelegte Verbundvorhaben ist zu Jahresbeginn gefallen. „Unser Ziel ist es, am Beispiel zweier Verwertungsketten die homogene Zellulosechemie technisch zu etablieren“, sagt Dr. Tim Liebert. Der Chemiker von der Uni Jena gehört zu den Koordinatoren der Thüringer Applikationsplattform für homogene Polysaccharidchemie (TAP), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,2 Millionen Euro gefördert wird. Beteiligt sind daran das Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung am Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Uni Jena, die Jenaer Hautklinik und die Ostthüringer Material Prüfgesellschaft für Textil und Kunststoffe in Rudolstadt sowie zwei Industriepartner, durch die sich das Budget auf 1,6 Millionen Euro erhöht.

Die Hürde, die es zu meistern gilt, ist die Überführung des Prozesses aus dem Labor in die industrielle Reife. „Es muss gelingen, die Zellulose kostengünstig und nachhaltig in Lösung zu bringen“, erklärt Heinze. Bislang fehlen nichttoxische preiswerte Medien, um Zellulose effizient zu lösen. Außerdem sind die verfügbaren komplexen Lösungsmittel-Systeme – eingesetzt werden vorrangig organische Salzschmelzen – derzeit noch nicht wiederverwendbar. Das Interesse der Industrie ist groß, weil gelöste Zellulose zu Produkten mit antibakterieller Wirkung oder zu oberflächenaktiven Verbindungen umgesetzt werden kann und Zellulose-Derivate kosmetische Cremes oder Lotionen haltbarer machen. Außerdem ließe sich die antibakterielle Wirkung medizinisch nutzen: Bei Entzündungen, speziell an sensiblen Körperpartien, versprechen die neuen Inhaltsstoffe Linderung und sind im besten Falle natürlichen Ursprungs.

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