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VCI-Forschungspressekonferenz Forschungsetat der Chemieindustrie steigt auf Rekordniveau

Redakteur: Tobias Hüser

Der Forschunsetat der chemisch-pharmazeutischen Industrie hat 2012 mit 9,6 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht. Das ist ein Plus von über 6 % gegenüber dem Vorjahr, berichtete der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt und bezieht sich dabei auf aktuelle Zahlen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Auch im Jahr 2013 soll das Forschungsbudget nochmal steigen. Die Poltik forderte der VCI indes auf, mehr Tempo in der steuerlichen Forschungsförderung aufzunehmen.

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Dr. Andreas Kreimeyer mahnt die Politik, die lange überfällige steuerliche Forschungsförderung einzuführen.
Dr. Andreas Kreimeyer mahnt die Politik, die lange überfällige steuerliche Forschungsförderung einzuführen.
(Bild: VCI / Gerald Fuest)

Frankfurt – Der VCI hat auf seiner Forschungspressekonferenz in Frankfurt angekündigt, dass die chemisch-pharmazeutische Industrie die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im laufenden Jahr auf etwa 10 Milliarden ausweiten wolle. Damit gehört die Branche nach dem Fahrzeugbau und nur knapp nach der Elektroindustrie weiterhin zum Spitzentrio: Über 17 % der FuE-Ausgaben der deutschen Industrie werden von Chemie- und Pharmaunternehmen erbracht. „Im Branchenvergleich ist die Chemie- und Pharmaindustrie unverändert gut positioniert“, bewertete Dr. Andreas Kreimeyer, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI, die Forschungsanstrengungen.

Positiv hat sich ebenfalls die Zahl der F&E-Beschäftigten entwickelt: Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 ist ihre Zahl seit 2005 kontinuierlich auf jetzt 43 000 gewachsen. 10 % der Chemie-Beschäftigten arbeiten in den Forschungslaboren der Branche. „Die große Bedeutung der Forschung für unsere Unternehmen spiegelt sich damit auch in der Personalstruktur wider“, betonte der Vorsitzende des VCI-Forschungsausschusses. Die Branche stellt jährlich etwa 600 Hochschulabsolventen aus Chemiestudiengängen ein; davon rund 500 promovierte Chemiker und Biochemiker sowie etwa 100 Ingenieure von Fachhochschulen.

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In internationalen Vergleich folgt die Bundesrepublik nach den USA, Japan und China auf Platz 4: Fast 7 % der weltweiten Forschungsausgaben kommen aus Deutschland. Die hohen Investitionen mahen sich laut Kreimeyer bezahlt: Das zeigt sich in neuen Produkten und Technologien und damit auch an Patenten. Mit ihren Innovationen erzielt die Chemie sogar mehr Einnahmen als jede andere Branche mit ihren Einnahmen aus Innovationen.

Denn neuartige Materialien und Vorprodukte sowie das nötige Know-how der Chemie werden von zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen im In- und Ausland benötigt. Der Außenhandelssaldo mit forschungsintensiven Chemiewaren ist mit 10 Milliarden Euro deutlich positiv. Jedes sechste Chemiepatent (16,1 %) stammt aus Deutschland.

Mehr Tempo in der Forschungspolitik notwendig

Die positiven Kennzahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der globale Konkurrenzdruck weiter gestiegen ist. Angesichts dieser Herausforderungen sei die bisherige Forschungspolitik aus Sicht Kreimeyers zu zögerlich. Er mahnte deshalb mehr Tempo nach der Bundestagswahl an, damit der Produktions- und Forschungsstandort Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibe: „Um die Innovationspotenziale der Chemie voll nutzen zu können, brauchen wir ein innovationsförderndes Umfeld und Akzeptanz neuer Technologien. Wir müssen uns jetzt um die geeigneten Rahmenbedingungen kümmern, um Forschung und Entwicklung noch mehr auszuweiten und ihre Hebelwirkung optimal zu entfalten“, forderte Kreimeyer.

Er drängte auf die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung, die in Deutschland schon lange überfällig sei. „In den meisten OECD-Staaten werden F&E in der Wirtschaft durch steuerliche Anreize intensiv gefördert – zum Nutzen der jeweiligen Volkswirtschaften“, hob er hervor.

Nanotechnologie leiste als Schlüsselindustrie bedeutende Beiträge zu Klimaschutz, Energiewende und Ressourcenschutz, sagte Kreimeyer weiter und forderte eine Regulierung der Nanotechnologie mit Augenmaß, die nicht über das Ziel hinausschießen sollte. Zum Gelingen der Energiewende müsse noch mehr geforscht werden, deshalb sollte laut Kreimeyer die Energieforschung künftig vollständig aus dem Bundeshaushalt gefördert werden. Er betonte: „Eine Förderung der FuEProgramme durch den Energie- und Klimaschutzfonds ist eine Förderung nach Kassenlage, die man sich bei diesem wichtigen Thema nicht leisten könne.“

Zudem sei für Deutschlands Chemieindustrie eine international wettbewerbsfähiges Hochschulsystem von zentraler Bedeutung. So müsse die Finanzierung der Hochschulen als Eckpfeiler des gesamten Wissenschafts- und Forschungssystems langfristig verlässlich gesichert werden. „Das mit der Föderalismusreform beschlossene Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildung ist ein Bremsklotz für die Beteiligung des Bundes an der Finanzierung der Hochschulen.“ Umso wichtiger sei es, dass die nächste Bundesregierung dieses Kooperationsverbot so rasch wie möglich aufhebt.

(ID:42262207)