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Neutronen Forschungszentrum Jülich stärkt seine Zusammenarbeit mit der Neutronenquelle FRM II

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Mit einem umfassenden Kooperationsvertrag zwischen dem Forschungszentrum Jülich, der Technischen Universität München, dem Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wird die Neutronenforschung in Deutschland entscheidend gestärkt.

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Das magnetische Feld eines Dipolmagneten, sichtbar gemacht mithilfe von polarisierten Neutronen. (Quelle: Hahn-Meitner-Institut Berlin)
Das magnetische Feld eines Dipolmagneten, sichtbar gemacht mithilfe von polarisierten Neutronen. (Quelle: Hahn-Meitner-Institut Berlin)
( Archiv: Vogel Business Media )

Jülich, Garching – Zukünftig werden die beteiligten Großforschungszentren der Helmholtz Gemeinschaft rund 30,3 Millionen Euro jährlich für Neutronenforschung aufwenden. Neben dem Forschungszentrum Jülich werden auch die Helmholtz-Zentren in Berlin und Geesthacht neue Instrumente entwickeln, ihre Experimente ausbauen sowie das wissenschaftliche und technische Personal aufstocken. Das Forschungszentrum Jülich wird seinen Instrumentenpark bis 2013 von derzeit fünf auf elf wissenschaftliche Geräte erweitern und auf dem neusten Stand der Forschung halten. Die Helmholtz-Zentren Berlin und Geesthacht betreiben zusammen drei Geräte. Insgesamt stehen am FRM II dann 30 Großgeräte zur Verfügung. Aus ihren Budgets tragen die Zentren rund 10,5 Millionen Euro im Jahr bei, das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Zentren sowie die wissenschaftliche Infrastruktur des FRM II mit weiteren 19,8 Millionen Euro jährlich, wovon 16,7 Millionen Sonderförderung und 3,1 Millionen Verbundsforschungsförderung sind.

„Neutronen sind eine Schlüsseltechnologie für Wissenschaftler auf fast allen Gebieten“, sagt Prof. Sebastian M. Schmidt, Mitglied des Vorstands des Forschungszentrums Jülich. „Unser Engagement an der Neutronenquelle FRM II wird Spitzenforschung ermöglichen und dazu beitragen, biologische und chemische Prozesse aufzuklären und elektronische und magnetische Phänomene zu verstehen.“

„Mit diesem Vertrag ist es gelungen, die universitäre und außeruniversitäre Forschung zusammenzuführen“, erklärt Dr. Ulrich Krafft, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, bei der Vertragsunterzeichnung. „Die Zusammenarbeit wird zur nachhaltigen Stärkung der deutschen Spitzenforschung beitragen.“

Neutronen ermöglichen Blick ins Innere von Materie

Mit Neutronen kann man tief ins Innere von Materie blicken. Dabei lässt sich nicht nur erkennen, wie Atome und Moleküle angeordnet sind, sondern auch, wie sie sich bewegen und wie sie miteinander wechselwirken. Neutronen als Bausteine der Atomkerne sind die idealen Sonden, um Kristalle, Membranen oder andere Systeme auf der Ebene von Atomen zu untersuchen. Forschung mit Neutronen bereitet den Weg für die Entwicklung magnetischer Materialien für die Computerspeicher von morgen, von umweltfreundlichen Reinigern für Industrie und Haushalt, für die Stromgewinnung aus der Abwärme von Motoren oder das bessere Verständnis biomolekularer Vorgänge in Zellen. Darüber hinaus öffnet sie den Blick auf die Komplexität solcher Systeme und treibt den Paradigmenwechsel in der heutigen Wissenschaft voran: weg von der Betrachtung von Ausschnitten und Einzelteilen hin zu Prozessen wie Selbstorganisation, Kollektivität, Biomimetik und funktionellen Materialien.

Neutronen sind elektrisch neutrale Bausteine der Atomkerne. Sie werden in Forschungsreaktoren oder Spallationsquellen erzeugt und auf die zu untersuchenden Proben gelenkt. An den Atomen und Molekülen der Proben „prallen“ sie ab; dabei können sie ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. Die Art dieser „Streuung“ gibt Auskünfte über die Anordnung und Bewegung der Atome in der Probe, die Methoden wie Röntgen oder Elektronenmikroskopie verborgen bleiben. Mit Neutronen untersuchen Jülicher Forscher beispielsweise magnetische Materialen für die Informationstechnologie oder die sogenannte „Weiche Materie“, zu der industriell wichtige Kunststoffe oder medizinisch interessante Eiweißstoffe zählen.

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