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Internationaler Forschungspreis Für Forschung an RNA-Molekülen ausgezeichnet

| Redakteur: Doris Popp

Prof. Dr. Ingrid Grummt vom Deutschen Krebsforschungszentrum wurde vom französischen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung Inserm mit dem „Prix International“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie erforscht die Rolle von RNA-Molekülen, die steuern, welche Gene in der Zelle abgelesen werden können.

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Prof. Dr. Ingrid Grummt vom Deutschen Krebsforschungszentrum wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Prof. Dr. Ingrid Grummt vom Deutschen Krebsforschungszentrum wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
(Bild: Tobias Schwerdt, DKFZ)

Heidelberg – Prof. Dr. Ingrid Grummt erforscht zelluläre Prozesse, die auf das Erbgut einwirken und darüber entscheiden, welche DNA-Bereiche abgelesen werden können und welche stillgelegt sind. Die Zellbiologin konzentrierte sich besonders auf die so genannten nichtkodierende RNA-Moleküle: Etwa 70 Prozent unserer Erbinformation werden in RNA umgeschrieben, jedoch nur etwa zwei Prozent dieser RNA trägt den Code zum Bau von Proteinen. Die übrigen, als „nichtkodierend“ bezeichneten RNA-Moleküle regulieren eine Vielzahl lebenswichtiger Prozesse der Zellen – unter anderem steuern sie auch, wann welche Gene abgelesen werden können.

Als Prof. Dr. Grummt begann, sich für die nichtkodierende RNA zu interessieren, waren deren Funktionen in der Zelle noch gänzlich unbekannt. Ihre Arbeit trug dazu bei, dass inzwischen eine Vielzahl von Aufgaben dieser geheimnisvollen Moleküle verstanden wird, die als Steuermann der Genaktivität wirken. So weiß man heute, dass Alterungsvorgänge oder das fatale Geschehen bei Krebs und bei einigen Erbkrankheiten auf das Konto von nichtkodierenden RNAs gehen. Inserm, das französische Institut national de la santé et de la recherche médicale, zeichnet die weltweit renommierte Forscherin für diese wissenschaftliche Lebensleistung mit dem Prix International aus.

„Die Kontrolle der Genaktivität durch nichtkodierende RNAs ist eine wichtige Schaltstelle, über die wir möglicherweise einmal gezielt in zelluläre Prozesse eingreifen können. Ich sehe meine Forschung daher als Grundlage, auf der die Entwicklung neuartiger Medikamente aufbauen kann“, beschreibt Grummt selbst die Bedeutung ihres Forschungsgebiets.

Grummt begann ihre wissenschaftliche Karriere in der ehemaligen DDR an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. 1972 floh sie mit Mann und Kind in den Westen. Nach beruflichen Stationen am Max-Planck-Institut für Biochemie in München und an der Universität Würzburg kam sie 1990 nach Heidelberg, als erste Abteilungsleiterin im Deutschen Krebsforschungszentrum. Seit 2012 setzt Grummt ihre Forschung über die Pensionsgrenze hinaus fort und leitet für drei weitere Jahre eine Arbeitsgruppe am Deutschen Krebsforschungszentrum. Ermöglicht wird dies durch eine „Helmholtz-Professur“, ein Förderinstrument der Helmholtz-Gemeinschaft.

Die Zellbiologin wurde mit einer Reihe hochkarätiger wissenschaftlicher Preise ausgezeichnet, darunter 1990 der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis oder 2010 der „Women in Science Award“. 2008 erhielt Ingrid Grummt einen „Advanced ERC-Grant“, eine hochkompetitive Förderung vom Europäischen Forschungsrat.

Die Preisverleihung fand am 3. Dezember 2012 im Collège de France in Paris statt. Neben dem Prix International verlieh Inserm bei dieser Festveranstaltung vier weitere Auszeichnungen an französische Forscher: den „Grand Prix“, eine Ehrenauszeichnung sowie je einen Preis für Forschungs- und für Innovationsleistungen.

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