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Hätten Sie es gewusst? Gefahrstoffe international: Anforderungen in Deutschland, Europa und weltweit

Autor / Redakteur: Sven Sievers* / Dr. Ilka Ottleben

Andere Länder, andere Sitten – diese Redewendung gilt auch bei der Lagerung von Gefahrstoffen. Erstrebenswert wären jedoch weltweit einheitlich hohe Standards. Was ist bei der Gefahrstofflagerung derzeit Stand der Technik in Deutschland, Europa und weltweit? Was gilt es zu beachten?

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Abb. 1: Die sichere Gefahrstofflagerung sollte nicht unterschätzt werden – deren Handhabung erfolgt derzeit weltweit jedoch recht unterschiedlich.
Abb. 1: Die sichere Gefahrstofflagerung sollte nicht unterschätzt werden – deren Handhabung erfolgt derzeit weltweit jedoch recht unterschiedlich.
(Bild: Asecos)

Weltweit gibt es viele unterschiedliche Ansätze und Konzepte der Gefahrstofflagerung. Im ungünstigsten Falle erhält das Thema Arbeitssicherheit im Umgang mit Chemikalien jedoch immer noch wenig bis gar keine Beachtung. Umso wichtiger ist es, mittelfristig weltweit einheitlich (hohe) Sicherheitsstandards anzustreben und Aufklärungsarbeit zu leisten. Asecos setzt dazu als Hersteller von Sicherheitsschränken sein Know-how aus Forschung, Entwicklung und Mitarbeit in der Produktnormung nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit ein.

In der modernen Arbeitswelt sind chemische Stoffe häufig ein wichtiger Bestandteil in zahlreichen Fertigungsprozessen. Sie werden auf vielfältige Weise produziert und kommen in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen, Konzentrationen und Mengen in fast allen Arbeitsbereichen und Industriezweigen, aber auch im privaten Bereich vor. Erst die Möglichkeit zur direkten Lagerung von Gefahrstoffen am Arbeitsplatz macht viele Prozesse effizient. In Deutschland ist heute eine dezentrale Lagerung von Chemikalien Stand der Technik.

Um Mensch und Umwelt bestmöglich vor den Risiken im Umgang mit Gefahrstoffen zu schützen, entwickelte Asecos vor über 20 Jahren den weltweit ersten Sicherheitsschrank mit 90 Minuten Feuerwiderstandsfähigkeit. Diese Entwicklung war damals eine Branchenrevolution – heute gehört die Typ-90-Technologie zum weit verbreiteten Standard in vielen Ländern Europas. Die Verwendung von Sicherheitsschränken wird in Deutschland über diverse unterschiedliche Gesetze, Verordnungen und Technische Regeln definiert (siehe LP-Info-Kasten).

Hoher europäischer Sicherheitsstandard

Europa ist in Sachen sichere Gefahrstofflagerung federführend. Im Zuge der europäischen Harmonisierung wurde 2004 die Europäische Norm EN 14470-1 für „Feuerwiderstandsfähige Lagerschränke“ in Kraft gesetzt. In Deutschland ersetzte sie die nationale Vorgängernorm DIN 12925-1 aus den Jahren 1988 bzw. 1998. Ziel der Europäischen Normen ist es, einheitliche Anforderungen an die beschriebenen Produkte festzulegen – sie sind dann zeitnah von allen EU-Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in nationale Normen zu überführen.

Ergänzendes zum Thema
LP-Info: Live-Demonstration von Gefahren

Die Sonderschau Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit auf der diesjährigen Analytica – vom 10. bis 13. Mai in München – informiert Sie täglich darüber, wie schnell es zu einer Gefährdung oder einem Unfall im Labor kommen kann und wie Sie sich und Kollegen davor schützen können. Der Live-Experimentalvortrag von Asecos veranschaulicht die Risiken im Umgang mit Gefahrstoffen in Industrie, Werkstatt und Labor. In der Liveschau lernen Sie, Gefahren im Vorfeld zu erkennen und durch sachgerechten Umgang unerwünschte Reaktionen zu vermeiden. Zudem werden Schutz- und Präventivmaßnahmen, die Kennzeichnung von Gefahrstoffen sowie rechtliche Grundlagen erörtert. Der Vortrag dauert ca. 30 min. und findet täglich zu folgenden Zeiten statt:

  • 11:00 Uhr – Experimentalvortrag in Deutsch
  • 14:00 Uhr – Experimentalvortrag in Englisch
  • 15:00 Uhr – Experimentalvortrag in Deutsch

Die Produktnorm DIN EN 14470-1 beschreibt Kriterien für die Bauweise und Beschaffenheit des Sicherheitsschrankes, wie beispielsweise die Selbstschließung der Türen im Brandfall, die Bestimmungen zum Mindestauffangvolumen der Bodenauffangwanne oder die Anforderungen an die Feuerwiderstandsfähigkeit des Schrankes.

Sicherheitsschränke werden dabei, je nach Konstruktionsweise und immer in Verbindung mit einer erfolgreichen Brandprüfung (Brandkammertest), in die Typklassen 15, 30, 60 oder 90 eingeteilt. Die Typklasse beschreibt die Zeitspanne, in der im Brandfall im Innenraum des Schrankes, z. B. ausgehend von einer Starttemperatur von 20 °C, keine Temperaturerhöhung auf mehr als 200 °C stattfindet. Die von Asecos entwickelte maximale Feuerwiderstandsfähigkeit von 90 Minuten bietet also eineinhalb Stunden Schutz, um die Mitarbeiter aus den Gefahrenzonen zu bringen und Rettungskräfte dort gefahrlos arbeiten zu lassen.

Internationaler Blick auf die Gefahrstofflagerung

In den USA setzt beispielsweise Sachversicherer FM Global, einer der weltweit führenden Sachversicherer, maßgeblich den Sicherheitsstandard. Das FM-Geschäftsmodell beruht auf Risikoanalyse und -management für Unternehmenswerte. Vertreten in über 130 Ländern, ist der Geschäftszweig FM-Approvals ein weltweit qualifizierter Prüfservice für Anlagen und Produkte mit höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Auch für den Einsatz von Brandschutzprodukten, die dann nach eigenen Richtlinien entwickelt und geprüft werden, gibt FM Approvals Empfehlungen.

Die Anforderungen an Lagerschränke für entzündliche Flüssigkeiten sind in der FM-Norm 6050 definiert. Ein Sicherheitsschrank muss nach FM-Standard 6050 so beschaffen sein, dass bei einem Brand die Innentemperatur des Schrankes über die Dauer von lediglich 10 Minuten nicht über 163 °C ansteigt. Dies gilt in den USA in Verbindung mit einer geforderten Sprinkler-Anlage als ausreichend, um notwendige Evakuierungsmaßnahmen einzuleiten. Zusätzlich werden technische Leistungsanforderungen im Bereich Belastung, Flammendurchschlagsicherung sowie Auffang- und Verriegelungsvorrichtungen definiert. FM-Approvals fordert ergänzend eine mindestens jährliche Prüfung und Zertifizierung der Produktionsstätten. Zwischen FM-Standard 6050 und den Anforderungen für Sicherheitsschränke nach DIN EN 14470-1 gibt es somit gravierende Unterschiede.

Der FM-Standard findet heute in vielen Ländern Anwendung. Um international tätig zu sein, ist es für Hersteller von Sicherheitsschränken wichtig, länderspezifische Standards zu kennen, zu beachten und entsprechend geprüfte Produkte bereit zu stellen. Trotzdem werden in vielen Betrieben auch heute noch unzählige, nicht brandgeschützte Stahlblechschränke ohne Zulassung zur Lagerung von entzündbaren Flüssigkeiten genutzt.

Schrittmacher in Sachen Sicherheit

Die Geschichte des Typ-90-Schrankes zeigt, dass Aufklärung und Weiterentwicklung sich in einem höheren Sicherheitsverständnis bzw. Gefährdungsbewusstsein auszahlen. Asecos macht es sich stetig zur Aufgabe, nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch international Aufklärungsarbeit zum Thema „Gefahrstofflagerung und -handling“ zu leisten. In vielen Ländern der Welt wird dem Thema Sicherheit für Mensch und Umwelt noch zu wenig Bedeutung zuteil. Ziel ist es daher, Gesetzgebung, Industrie und Arbeiternehmer für den Umgang mit Gefahrstoffen zu sensibilisieren. Dies geschieht beispielsweise über gezielte Experimental-Vorträge mit Gefahrstoff-Kleinmengen auf nationalen und internationalen Messen (s. LP-Tipp-Kasten) und in Schulungen direkt im Unternehmen. Neben dieser Sensibilisierung der Mitarbeiter spielt die Anpassung der Produkte an die länderspezifischen Märkte eine große Rolle. So sind alle Asecos-Sicherheitsschränke der Modellgruppe Q-Classic-90 nicht nur EN 14470-1, sondern auch nach FM-Prüfstandard 6050 geprüft. Alle Neuprodukte werden künftig gemäß EN- und FM-Standard entwickelt und zertifiziert. n

* S. Sievers: asecos GmbH Sicherheit und Umweltschutz, 63584 Gründau

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