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Yersinia pestis Genom des Schwarzen Todes vollständig rekonstruiert

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Ein internationales Forscherteam hat das Genom des historischen Erregers des Schwarzen Todes entschlüsselt. Veränderungen in der Evolution und der Virulenz des Yersinia pestis-Pathogens lassen sich dadurch zurückverfolgen. Die Studie könnte auf diese Weise auch zu einem besseren Verständnis der Evolution moderner Infektionskrankheiten führen.

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Abdeckungs-Plots für die sequenzierten genomischen Regionen (Ausschnitt) ... (Bild: Bos et al)
Abdeckungs-Plots für die sequenzierten genomischen Regionen (Ausschnitt) ... (Bild: Bos et al)

Tübingen, Hamilton/Kanada – Ein internationales Forscherteam – angeführt von Wissenschaftlern der Universität Tübingen und der McMaster University in Kanada – hat das Genom des Erregers des Schwarzen Todes entschlüsselt, einer der verheerendsten Epidemien der Menschheitsgeschichte. Es gelang den Forschern damit erstmalig das komplette Genom eines historischen Krankheitserregers zu rekonstruieren. Dadurch kann man nun Veränderungen in der Evolution und der Virulenz des Pathogens zurückverfolgen. Die Studie könnte zu einem besseren Verständnis der Evolution moderner Infektionskrankheiten führen.

Die Genetiker Johannes Krause und Verena Schünemann von der Universität Tübingen kooperierten in diesem Projekt mit Hendrik Poinar, Kirsten Bos und Brian Golding von der McMaster University, Kanada, sowie Hernán A. Burbano und Matthias Meyer vom Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Sharon DeWitte von der University of South Carolina, USA.

In einer weiteren kürzlich publizierten Studie beschreibt das Team einen neuen methodischen Ansatz, winzige DNA-Fragmente des Krankheitserregers der Pest aus mittelalterlichen Skeletten anzureichern (laborpraxis.de berichtete am 30.08.2011). Sie konnten damit bestätigen, dass Yersinia pestis-Bakterien für den Schwarzen Tod verantwortlich waren. Bei dieser Epidemie kam im Mittelalter in nur fünf Jahren, zwischen 1347 und 1351, die Hälfte aller Europäer ums Leben.

Gesamtes Erbgut des mittelalterlichen Pesterregers entschlüsselt

„Um zu verstehen warum die mittelalterliche Pest so katastrophale Auswirkungen hatte, entschlüsselten wir nun das gesamte Erbgut des mittelalterlichen Pesterregers mithilfe neuester DNA-Sequenziermethoden“, erklärt Johannes Krause, Juniorprofessor an der Universität Tübingen und Spezialist für Paläogenetik. „Die genetischen Informationen zeigen uns, dass der mittelalterliche Peststamm der Vorläufer aller heute noch vorkommenden Pestbakterien ist. Jeder heutige Pestausbruch auf der Erde geht auf einen direkten Nachfahren der mittelalterlichen Pest zurück“, fügt Hendrik Poinar hinzu, einer der Hauptautoren dieser Studie. „Mit einem besseren Verständnis und direkten Blick in die Evolution dieses tödlichen Krankheitserregers betreten wir eine neue Ära der Erforschung von Infektionskrankheiten.“ Die direkten Nachfahren der mittelalterlichen Beulenpest existieren bis heute und töten etwa 2000 Menschen jährlich.

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