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Genomanalyse Genomsequenzdaten soll Rinderzucht verbessern

| Autor/ Redakteur: Patrick Regan, Barbara Wankerl / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Zuchtbullen zeugen während ihres Lebens hunderttausende Nachkommen. Um Erbgutdefekte zu verringern und das Wohlergehen der Tiere zu steigern, können auch bioanalytische Daten herangezogen werden. Forscher der Technischen Universität München haben hierzu jetzt gemeinsam mit internationalen Kollegen das Gesamtgenom von 234 verschiedenen Zuchtbullen analysiert.

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Prof. Ruedi Fries (r.) und Dr. Hubert Pausch überprüfen Sequenzierdaten von Zuchtrindern.
Prof. Ruedi Fries (r.) und Dr. Hubert Pausch überprüfen Sequenzierdaten von Zuchtrindern.
(U. Benz/TUM)

München – Mit einem internationalen Kooperationsprojekt, dem „1000-Bullen-Genom-Projekt“, soll die Züchtung spezifischer Merkmale bei Fleisch- und Milchrindern vereinfacht werden, um damit Gesundheit, Wohlergehen und Produktivität der Tiere zu verbessern. Die Resultate der ersten Projektphase – basierend auf der Sequenzierung der Gesamtgenome von 234 verschiedenen Zuchtbullen mit einer zweistelligen Millionenanzahl an Nachkommen – wurden jüngst veröffentlicht.

Wie die Forscher erläutern, könnten Zuchtprogramme von diesen Daten profitieren, weil damit Erbgutdefekte verringert oder ausgeschlossen werden können, was nicht nur den Ertrag in der Milch- und Fleischerzeugung verbessert, sondern auch das Wohlergehen der Tiere fördert.

Individualisierte Genomanalyse für den Bauernhof

Die Zuchtbullen, deren Genome sequenziert und analysiert wurden, decken die vier kommerziell wichtigsten Rassen in der Rinderzucht ab. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) steuerten Daten von 43 Zuchttieren der Fleckvieh-Rasse bei, die sich von ihrem Ursprung im Bayerischen Alpenraum inzwischen auf allen Kontinenten ausgebreitet hat. Weltweit wird die Fleckvieh-Population bei Milchkühen auf 40 Millionen geschätzt.

In der Population der weit verbreiteten Holstein-Friesian-Rinder analysierten die Projektmitarbeiter die Genome von 129 Zuchtbullen, von denen mehr als sechs Millionen Rinder in Milchviehbetrieben abstammen. Die Rasse Jersey war mit den Sequenzdaten von 15 Bullen vertreten. Auch bereits veröffentlichte Genomdaten von 47 Angus-Rindern flossen mit in die Analyse ein.

Mit den Methoden moderner Tierzucht und den Fortschritten in der Genomsequenzierung und Bioinformatik ist es inzwischen möglich, Erbgutdefekte anhand der Genomdaten einer relativ geringen Anzahl an Individuen einfach und kostengünstig vorherzusagen. In der Rinderzucht ist die Auswahl von Zuchttieren ein aufwändiges Verfahren.

Durch den weit verbreiteten Einsatz der künstlichen Besamung ist es nicht ungewöhnlich, dass einzelne männliche Zuchttiere hunderttausend Nachkommen hervorbringen. Mit den Genomdaten dieser Zuchttiere bekommen die Züchter nun Referenzwerte an die Hand, um daraus mithilfe bereits verfügbarer DNA-Chip-Technologien Sequenzinformationen zu zahlreichen Nachkommen extrapolieren zu können.

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