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Belastung mit Blei und Cadmium Gesundheitsrisiko durch billigen Schmuck

| Autor / Redakteur: Nina Banspach* / Christian Lüttmann

Man sollte beim Thema Modeschmuck besonders aufmerksam einkaufen – denn Billigprodukte haben mitunter erhöhte Schwermetallgehalte. Davor warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das Schmuck auf Blei und Cadmium untersuchte. Woher die belasteten Produkte überwiegend kommen und wo Sie sich über aktuelle Warnungen informieren können, lesen Sie hier.

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Billiger Modeschmuck ist häufiger mit giftigen Schwermetallen belastet, wie das BVL nachgewiesen hat (Symbolbil).
Billiger Modeschmuck ist häufiger mit giftigen Schwermetallen belastet, wie das BVL nachgewiesen hat (Symbolbil).
(Bild: ©Sunnydays - stock.adobe.com)

Berlin – Bereits 2015 haben die Behörden in den Bundesländern Modeschmuck auf die Schwermetalle Blei und Cadmium untersucht. Sie konzentrierten sich bei ihrer Analyse auf preiswerte Modeschmuckartikel, vorwiegend Importware aus China, die im Straßenverkauf auf Märkten angeboten wird. Dabei wurden bei 12% der Proben Grenzwertüberschreitungen für Blei und bei 10% der Proben Überschreitungen für Cadmium festgestellt. Diese Befunde bestätigten die Überwachungsbehörden der Länder in den folgenden Jahren.

So ergaben im Jahr 2018 Analysen von preiswertem Modeschmuck ein ähnliches Bild: In jedem achten untersuchten Schmuckstück (12,6%) wurde der zulässige Grenzwert für Blei bzw. Cadmium überschritten

Schmuckanalysen aus dem Jahr 2018 fanden in jeder achten Probe erhöhte Cadmium- bzw. Bleiwerte.
Schmuckanalysen aus dem Jahr 2018 fanden in jeder achten Probe erhöhte Cadmium- bzw. Bleiwerte.
(Bild: VCG)

Einige der insgesamt 296 untersuchten Schmuckstücke bestanden fast ausschließlich aus Blei oder Cadmium: Der Schwermetallanteil lag dort bei über 90%. Insgesamt wurden 257 Proben auf ihren Bleigehalt und 286 auf ihren Cadmiumgehalt hin untersucht. Jeweils ca. 8% dieser Proben überschritten die jeweiligen Grenzwerte.

Grenzwerte und gesundheitliche Folgen

Die Verwendung von Blei und Cadmium in Schmuck ist im Chemikalienrecht stark reglementiert. Die Grenzwerte für Schmuckwaren liegen für Cadmium bei 0,01% und für Blei bei 0,05%, jeweils auf das Gewicht des Gesamterzeugnisses bzw. einheitliche Teile davon bezogen.

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Die längerfristige Aufnahme hoher Schwermetallmengen kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Blei kann unter anderem das Nervensystem schädigen und zu Unfruchtbarkeit führen. Cadmium und Cadmiumoxid sind als krebserzeugend eingestuft. Cadmium kann weiterhin Knochen- und Nierenschäden verursachen.

Besonders gefährlich wird es, wenn Kinder solche belasteten Schmuckanhänger oder Ketten beim Spielen in den Mund nehmen, an ihnen lecken, lutschen oder auch verschlucken. Da eine längerfristige Aufnahme hoher Schwermetallmengen zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen kann, rät das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zur Vorsicht beim Kauf von billigem Modeschmuck.

Informationsportal für Produktwarnungen

Aktuelle Warnmeldungen über bedenkliche Produkte sind über das Europäische Schnellwarnsystem für Verbraucherprodukte (RAPEX) einzusehen. Hier tauschen sich die zuständigen Behörden in der EU Informationen über gefährliche oder potenziell gefährliche Produkte aus, in Bereichen wie Kosmetik, Kleidung und Spielzeug. Die durch amtliche Labore ermittelten hohen Blei- und Cadmiumgehalte in Modeschmuck spiegeln sich auch in den RAPEX-Meldungen der vergangenen Jahre wider.

Zu Cadmium in Schmuck wurden 2015 bis 2019 insgesamt 150 RAPEX-Meldungen erstellt. Für 78% dieser Meldungen wurde das Ursprungsland China angegeben. Im selben Zeitraum wurden zu Blei in Schmuck insgesamt 62 RAPEX-Meldungen veröffentlicht. Auch dort war bei mehr als der Hälfte (58%) der Fälle ein Produkt aus China betroffen.

Wer haftet für die Produktsicherheit?

Für jedes in der Europäischen Union verkaufte Produkt trägt eine in der EU ansässige Firma die Verantwortung. Diese muss die Sicherheit und Rechtskonformität des Produkts gewährleisten und auf der Produktverpackung namentlich genannt werden. Bei Produkten, die nicht in der EU hergestellt wurden, wäre dies der EU-Importeur, der mit seiner EU-Adresse angegeben sein muss. Fehlt diese Angabe, entspricht das Produkt nicht den rechtlichen Anforderungen der Europäischen Union.

Aktuelle Warnungen zu Non-Food-Produkten finden Sie auch auf dem Verbraucherportal der Europäischen Kommission (englischsprachig).

* N. Banspach, BVL Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 10117 Berlin

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