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Zoonosen-Monitoring

Hähnchenfleisch stellt nach wie vor ein Problem dar

| Redakteur: Marc Platthaus

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bringt jedes Jahr den Bericht zum Zoonosen-Monitoring heraus (im Bild der Berliner Dienstsitz).
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bringt jedes Jahr den Bericht zum Zoonosen-Monitoring heraus (im Bild der Berliner Dienstsitz). (Bild: BVL / Heimberg)

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BVL Bundesamt für Verbraucher- schutz und Lebensmittelsicherheit Dienststelle Berlin-Mitte

Im Zoonosen-Monitoring werden repräsentative Daten zum Vorkommen von Zoonoseerregern bei den wichtigsten Lebensmittel liefernden Tierarten und Produkten gewonnen, die es ermöglichen, das Infektionsrisiko für Verbraucher durch den Verzehr von Lebensmitteln abzuschätzen. Die jährlich vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit durchgeführte Untersuchung zeigt, dass gerade bei Hähnchenfleisch Handlungsbedarf besteht.

Berlin – Die Ergebnisse des repräsentativen Zoonosen-Monitorings 2013, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im März 2015 veröffentlicht hat, zeigen, dass bei der Verringerung von Campylobacter-Bakterien bei Masthähnchen und in frischem Hähnchenfleisch in den letzten fünf Jahren keine Fortschritte erzielt wurden. Auch antibiotikaresistente Keime wie MRSA und ESBL-bildende Bakterien wurden häufig in der Hähnchenfleischkette nachgewiesen. Hohe Kontaminationsraten der Schlachtkörper von etwa 50% mit potenziell krankmachenden Keimen verdeutlichen, dass die Geflügelschlachthygiene umfassend verbessert werden muss. Die Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen zeigen gegenüber den Vorjahren einen leichten Rückgang der Resistenzen, wobei bei Masthähnchen vorkommende Bakterien allgemein höhere Resistenzraten aufweisen als Bakterien aus der Lebensmittelkette Mastrind.

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Hintergrund: Was sind Zoonosen

Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings 2013 wurden insgesamt 5.669 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen und von den Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer auf das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger untersucht. Dabei wurden 3.515 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse sind (Auf Seite 2 kann der komplette Bericht heruntergeladen werden):

Campylobacter

Die Kontaminationsrate der Schlachtkörper von Masthähnchen mit Campylobacter spp. (52,3% positive Halshautproben) hat sich im Vergleich zum Zoonosen-Monitoring 2011 (40,9% positive Halshautproben) noch deutlich erhöht. Auch frisches Hähnchenfleisch war mit 37,5% positiver Proben wiederholt häufig mit Campylobacter spp. belastet. Etwa 20% der Schlachtkörperproben wiesen Keimzahlen oberhalb des in der EU diskutierten Grenzwertes für Campylobacter spp. von 1.000 KbE/g auf. Angesichts der hohen Zahl an Erkrankungen des Menschen an einer Campylobacter-Infektion besteht aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes Handlungsbedarf. Die Anstrengungen zur Einhaltung guter Hygienepraktiken bei der Geflügelschlachtung müssen intensiviert werden.

MRSA

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden auf etwa der Hälfte der Masthähnchenschlachtkörper (49,0% positive Halshautproben) und in rund 20% der Proben von frischem Hähnchenfleisch nachgewiesen. Die Schlachtkörper von Mastrindern (5,0% positive Proben) und frisches Rindfleisch (5,5% positive Proben) waren im Vergleich dazu deutlich seltener mit MRSA kontaminiert. Bei den nachgewiesenen MRSA-Typen handelte es sich überwiegend um sogenannte „Nutztier-assoziierte“ MRSA-Stämme, so dass von einer Übertragung der Keime von den Tieren auf die Lebensmittel im Zuge der Lebensmittelgewinnung auszugehen ist. Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ist der Verzehr oder die Handhabung von mit MRSA kontaminierten Lebensmitteln nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, durch diese Bakterien besiedelt oder infiziert zu werden. Ein solches Risiko besteht dagegen für Menschen, die einen häufigen Kontakt zu Tierbeständen haben, wie Landwirte und Tierärzte.

ESBL/AmpC-bildende E. coli

ESBL/AmpC-bildende E. coli wurden in über 60% der Proben von frischem Hähnchenfleisch nachgewiesen. Die Bedeutung der unterschiedlichen Übertragungswege von ESBL/AmpC-bildenden E. coli ist Gegenstand intensiver Forschung. Nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist aber davon auszugehen, dass ESBL/AmpC-bildende E. coli auch über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können.

Salmonellen

Erstmalig wurden im Zoonosen-Monitoring auch Futtermittel untersucht. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass durch die Verfütterung von Rapspresskuchen (2,1% positive Proben) an Lebensmittel liefernde Tiere ein Eintrag von Salmonellen in die Lebensmittelkette möglich ist. Dies verdeutlicht, dass höchste Anforderungen an die Qualität der eingesetzten Saaten und die Hygiene in den Anlagen gestellt werden müssen, um salmonellenfreie Futtermittel herzustellen.

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