Suchen

EHEC

Häufung des lebensbedrohlichen, durch EHEC-Infektionen verursachten hämolytisch-urämischen Syndroms

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Seit einigen Wochen erkranken vor allem in Norddeutschland immer mehr Menschen an bakteriellen Darminfektionen mit so genannten enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC). Auffallend viele Patienten sind erwachsen und entwickeln dabei eine lebensbedrohliche Komplikation, das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Da bislang noch keine eindeutige Infektionsquelle identifiziert ist, gilt es, wichtige Empfehlungen zum Schutz und zur Behandlung von EHEC-Infektionen einzuhalten.

Firmen zum Thema

Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) -Zelle auf einer Darmzelle. (Quelle: HZI/idw-online)
Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) -Zelle auf einer Darmzelle. (Quelle: HZI/idw-online)

zur Bildergalerie: EHEC unter dem Elektronenmikroskop

Berlin – Seit der zweiten Maiwoche sind vermehrt Personen an blutigem Durchfall und dem so genannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt. Die Fälle traten vor allem in Norddeutschland auf, es gibt aber auch vorläufige Meldungen aus Süd- und Ostdeutschland. Das HUS ist eine schwere, unter Umständen tödliche Komplikation, die bei bakteriellen Darminfektionen mit so genannten enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) auftreten kann. Das Vollbild des HUS ist charakterisiert durch akutes Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einen Mangel an Blutplättchen.

Die Zahl der schweren Verläufe (über 40 HUS-Fälle) in einem kurzen Zeitraum ist sehr ungewöhnlich, auch die betroffenen Altersgruppen sind untypisch. Aktuell sind vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen, betroffen. Zu anderen Zeiten entwickeln vorwiegend Kinder dieses schwere Krankheitsbild: Im Jahr 2010 zum Beispiel wurden dem Robert Koch-Institut 65 HUS-Fälle übermittelt, sechs Betroffene waren älter als 18 Jahre.

In diesem Zusammenhang gibt das RKI folgende Empfehlungen:

  • Bisher konnte kein konkretes Lebensmittel als Infektionsquelle identifiziert werden. Verbraucher können das Risiko einer EHEC-Infektion aber minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr ausreichend erhitzen (Kerntemperatur mindestens 70°C für 10 Minuten). Im Übrigen gelten die generellen Empfehlungen zur Vermeidung lebensmittelbedingter Infektionen.
  • Alle Personen mit Durchfall sollten darauf achten, dass strikte Hände-Hygiene eingehalten wird, insbesondere gegenüber Kleinkindern und immungeschwächten Personen.
  • Personen mit blutigem Durchfall sollten umgehend einen Arzt aufsuchen.
  • Ärzte sollten bei diesen Patienten einen EHEC-Nachweis (im Stuhl) anstreben, sie im Hinblick auf die mögliche Entwicklung eines HUS eng beobachten und bei ersten Anzeichen eines HUS an geeignete Behandlungszentren überweisen. Symptome von EHEC-assoziierten HUS-Erkrankungen beginnen innerhalb einer Woche nach Beginn des Durchfalls. Der Zeitraum zwischen der Infektion und den ersten Durchfallsymptomen beträgt durchschnittlich drei bis vier Tage.
  • Diagnostizierende Laboratorien sollten bei Erregernachweis geeignete Proben an das Nationale Referenzzentrum für Salmonellen und andere Enteritiserreger am RKI (Standort Wernigerode) zu senden. Labore und Ärzte sind nach Infektionsschutzgesetz verpflichtet, sowohl mikrobiologisch nachgewiesene EHEC-Infektionen, als auch das Krankheitsbild des HUS (auch bereits bei Krankheitsverdacht) unverzüglich an das örtliche Gesundheitsamt zu melden.

Artikelfiles und Artikellinks

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 27441670)