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CO2-neutrales Baumaterial Häuser aus Popcorn? – ein Ansatz für umweltschonendes Bauen

Von Melanie Epp*

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Von der Snackbar im Kino zur Trockenbau-Abteilung im Baumarkt? Forscher der Universität Göttingen haben eine neue Verwendung für Popcorn etabliert: Sie machen aus dem Biomaterial einen CO2-neutralen Baustoff.

Aus Popcorngranulat stellen Wissenschaftler der Uni Göttingen umweltschonende Paneele für den Trockenbau von Häusern her.
Aus Popcorngranulat stellen Wissenschaftler der Uni Göttingen umweltschonende Paneele für den Trockenbau von Häusern her.
(Bild: Udo Schmidt/Smarter Habitat)

Göttingen, München – Bezahlbarer Wohnraum aus umweltschonendem und CO2-neutralem Baumaterial? Mit der richtigen Idee, soll das möglich sein: Wissenschaftler der Universität Göttingen haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Paneele aus Hanf, Flachs und Popcorngranulat herstellen lassen. Großer Vorteil dieses Granulats: Es ist eine biobasierte, umweltschonende und nachhaltige Alternative zu den bisher in der Industrie verwendeten Produkten auf Erdölbasis oder Gips. Das Material besitzt laut den Entwicklern hervorragende Dämmeigenschaften und bietet guten Brandschutz. Über die kommerzielle Nutzung hat die Universität Göttingen einen weltweiten exklusiven Lizenzvertrag mit der Firma Smarter Habitat abgeschlossen.

Ein Kinosnack für den Trockenbau

Nachhaltiges Bauen ist in Anbetracht von Wohnraummangel, steigenden Baupreisen und der hohen Luftverschmutzung durch Zementherstellung und Bauwirtschaft ein zentrales internationales Thema. Speziell im Trockenbau dominiert die Anwendung von Gipskartonplatten mit all ihren Nachteilen: Schmutz beim Einbau, Probleme mit Feuchtigkeit, keine Möglichkeit der Wiederverwertung und aufwändige Entsorgung als Bauschutt.

Die Arbeitsgruppe „Chemie und Verfahrenstechnik von Verbundwerkstoffen“ an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen forscht schon seit Jahren im Bereich nachwachsender Rohstoffe. Als Verbundwerkstoff mit Laminaten aus Hanf und Flachs soll der bisher für Paneele benutzte PU-Schaum künftig durch das nachhaltige und leistungsfähige Produkt aus Popcorn ersetzt werden. Vertragspartner Smarter Habitat möchte damit Paneele für den Trockenbau und weitere Anwendungen bis hin zu tragenden Außenwänden herstellen und unter dem Namen „Ecohab“ vertreiben. Weil das Material wiederverwendbar, recyclebar und kompostierbar, hat es eine besonders gute Umweltbilanz

„Mit diesem neuen an die Kunststoffindustrie angelehnten Verfahren lassen sich nunmehr mit reinen Naturprodukten kosteneffizient Paneele für viele Bereich des Bauens im Industriemaßstab herstellen“, erklärt der Leiter der Forschungsgruppe, Prof. Dr. Alireza Kharazipour.

Mediator zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Den Lizenzvertrag zwischen Universität und Smarter Habitat hat die MBM Science Bridge GmbH vermittelt, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Georg-August-Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts. Die Patentverwertungsagentur agiert für insgesamt neun niedersächsische Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen: Sie prüft wissenschaftliche Erfindungen auf die Möglichkeit einer Patentanmeldung und auf wirtschaftliches Potenzial. Anschließend kümmert sie sich um die weltweite Vermarktung sowie die Verhandlung, Betreuung und Überwachung von Lizenzverträgen. Das aktuelle Portfolio enthält Projekte aus der Biomedizin, Medizintechnik, Messtechnik, Chemie, Physik und den Forst- sowie Agrarwissenschaften.

* M. Epp, Smarter Habitat, 81379 München

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