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Inhaltsstoff Parabene Hautcremes machen den Nachwuchs dicker

| Autor / Redakteur: Susanne Hufe* / Christian Lüttmann

In der Schwangerschaft haben die werdenden Mütter gleich für die Gesundheit von Zwei zu sorgen. Dass schon die Wahl der Hautcreme hier relevant sein kann, zeigt eine aktuelle Studie. Demnach erhöhen bestimmte Inhaltsstoffe in manchen Hautcremes das Risiko auf Übergewicht des ungeborenen Kindes. Die Wissenschaftler geben auch Empfehlungen, wie sich dies vermeiden lässt.

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Aufgepasst in der Schwangerschaft: Bestimmte Cremes können das Risiko erhöhen, dass der Nachwuchs an Übergewicht leidet. Das legt eine Studie des UFZ nahe (Symbolbild).
Aufgepasst in der Schwangerschaft: Bestimmte Cremes können das Risiko erhöhen, dass der Nachwuchs an Übergewicht leidet. Das legt eine Studie des UFZ nahe (Symbolbild).
(Bild: ©Tobif82 - stock.adobe.com )

Leipzig – Damit Kosmetika lange halten, werden sie mit Konservierungsmitteln versetzt. Dazu gehört die Stoffgruppe der Parabene (z.B. Methylparaben, Propylparaben, Butylparaben), die in Cremes oder Körperlotionen gegen Keime schützt. Diese Substanzklasse kann jedoch einen schwerwiegenden Nebeneffekt haben, und zwar wortwörtlich. „Nehmen Schwangere Parabene über die Haut auf, kann dies zu Übergewicht bei ihren Kindern führen“, sagt der Umweltimmunologe Dr. Tobias Polte vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Mutter-Kind-Studie als Datengrundlage

Ausgangspunkt der Untersuchungen war die Mutter-Kind-Kohorten-Studie LINA, eine Langzeitstudie des UFZ, in der die Bedeutung von Umweltbelastungen in sensiblen kindlichen Entwicklungsphasen für das spätere Auftreten von Allergien und Atemwegserkrankungen oder Übergewicht erforscht werden.

„Zunächst wollten wir wissen, ob die im Urin von Schwangeren aus der Mutter-Kind-Kohorte gefundenen Parabene einen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung ihrer Kinder haben“, schildert Prof. Irina Lehmann, die heute am Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité - Universitätsmedizin Berlin tätig ist. „Wir entdeckten dabei einen positiven Zusammenhang zwischen den Konzentrationen von Butylparaben im Urin der Mütter und einem erhöhten Body-Mass-Index der Kinder – insbesondere der Töchter – bis hin zum achten Lebensjahr.“

Kosmetika mit Parabenen

Um herauszufinden, woher die Butylparabene im Urin der Schwangeren überhaupt stammen, suchten die Forscher in den Fragebögen der LINA-Studienteilnehmerinnen nach Angaben zu benutzten Kosmetikprodukten während der Schwangerschaft. „Mithilfe der App Tox Fox des BUND konnten wir schnell und einfach prüfen, ob in den jeweiligen Kosmetika Parabene unter den Inhaltsstoffen waren“, sagt Polte. Und tatsächlich zeigte die Auswertung, dass die hohe Konzentrationen von Parabenen im Urin der Mütter einherging mit der Nutzung parabenhaltiger Kosmetika – insbesondere solcher, die lange auf der Haut verbleiben, wie etwa Cremes oder Körperlotionen."

Gestörte Hungerregulation

Doch wie kann Hautcreme, die eine werdende Mutter aufträgt, das Gewicht des späteren Kindes beeinflussen? Um den zugrundeliegenden Mechanismen zwischen parabenhaltigen Cremes und dem Übergewicht des Kindes auf die Spur zu kommen, untersuchte das Team um Polte und Lehmann zunächst in Zellkulturen, ob Fettzellen selbst auf erhöhte Konzentrationen von Butylparaben reagieren. „Butylparaben führte weder zur Vergrößerung der Fettzellen, noch lagerten diese mehr Fett ein als sonst. Die Fettzelldifferenzierung wurde durch die Parabene also offenbar nicht beeinflusst“, berichtet die Epigenetik-Forscherin Lehmann.

Die Wissenschaftler setzten ihre Suche nach einer Erklärung im Mausmodell fort, wo sie eine Parabenbelastung während der Schwangerschaft und Stillzeit nachstellten. Dabei wurden Mäuse über die Haut Butylparaben ausgesetzt. „Wie in der LINA-Studie zeigten auch hier die weiblichen Nachkommen eine erhöhte Gewichtsentwicklung. Und sie fraßen auch deutlich mehr als die Nachkommen von Mäusen aus der Kontrollgruppe“, sagt Polte. Daher vermuteten die Forscher, dass Parabene möglicherweise einen Einfluss auf die Hungerregulation im Gehirn haben könnten und nahmen Schlüsselgene im Hypothalamus der Mausnachkommen genauer unter die Lupe.

Epigenetik als vermutete Ursache

Es zeigte sich, dass ein für die Steuerung des Hungergefühls maßgebliches Gen namens Proopiomelanocortin (POMC) im Gehirn der jungen Mäuse herunterreguliert war. Weitere Untersuchungen auf genetischer Ebene ergaben, dass hierfür eine epigenetische Veränderung verantwortlich war, die verhinderte, dass das entsprechende POMC-Gen abgelesen werden konnte. „Unter dem Einfluss von Parabenen während der Schwangerschaft entstehen bei den Nachkommen offensichtlich epigenetische Veränderungen, die die Regulation des natürlichen Sättigungsgefühls langfristig stören. Dadurch nehmen diese dann mehr Nahrung auf“, erklärt Polte.

Die Parabene aus den Cremes seien natürlich nicht die alleinige Ursache von Übergewicht, wie die Forscher betonen. Sie scheinen aber in der Schwangerschaft ein Risikofaktor für die Entstehung von Übergewicht zu sein.

Dossier Übergewicht & Ernährung In unserem Dossier „Übergewicht & Ernährung“ haben wir für Sie weitere Forschungsvorhaben und -erkenntnisse zum Thema Ernährung zusammengefasst.

Empfehlung: Parabenfreie Kosmetik in der Schwangerschaft

Wie stabil die epigenetischen Veränderungen sind, und ob sie weitervererbt werden können, gilt es noch herauszufinden. Doch Lehmann formuliert eine klare Empfehlung: „Werdende Mütter sollten während der sensiblen Phasen von Schwangerschaft und Stillzeit mit Blick auf die künftige Gesundheit ihre Kindes unbedingt auf parabenfreie Produkte zurückgreifen.“

Viele Kosmetika sind bereits als parabenfrei deklariert oder können mit einem Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe als solche identifiziert werden. Hier helfe auch die App Tox Fox des BUND weiter, wie die Forscher sagen. Sie suchen in Folgestudien nach weiteren möglichen Wirkungen von Parabenen. „Epigenetische Veränderungen, die die Regulation des Sättigungsgefühls betreffen, sind natürlich nur ein möglicher Endpunkt“, sagt Polte. „Generationenübergreifende Effekte von Umweltfaktoren werden bislang häufig unterschätzt. Wir hoffen, dass wir mit unserer Forschung dazu beitragen können, dass diese künftig mehr in den Fokus genommen werden.“

Originalpublikation: Beate Leppert, Sandra Strunz, Bettina Seiwert, Linda Schlittenbauer, Rita Schlichting, Christiane Pfeiffer, Stefan Röder, Mario Bauer, Michael Borte, Gabriele I. Stangl, Torsten Schöneberg, Angela Schulz, Isabell Karkossa, Ulrike E. Rolle-Kampczyk, Loreen Thürmann, Martin von Bergen, Beate I. Escher, Kristin Junge, Thorsten Reemtsma, Irina Lehmann, Tobias Polte: Maternal paraben exposure triggers childhood overweight development, Nature Communications volume 11, Article number: 561 (2020); DOI: 10.1038/s41467-019-14202-1

* S. Hufe, UFZ Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, 04318 Leipzig

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