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Reptilien passen sich an Klimawandel an

Hitze macht Geckos nichts aus, Dürre dafür umso mehr

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Lebewesen? Wissenschaftler des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) haben jetzt am Beispiel australischer Geckos entdeckt, dass diese Reptilien die wärmer werdenden Temperaturen sogar für einen stärkere Vermehrung nutzen. Warum sie aber trotzdem ein Problem mit dem Klimawandel haben werden, beschreibt dieser Beitrag.

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Ein ausgewachsener Gecko mit einem kleinen Rucksack, in dem ein Passivsender am Körper des Tieres angebracht wurde. Dieser kann den Aufenthaltsort und die Körpertemperatur übermitteln.
Ein ausgewachsener Gecko mit einem kleinen Rucksack, in dem ein Passivsender am Körper des Tieres angebracht wurde. Dieser kann den Aufenthaltsort und die Körpertemperatur übermitteln.
(Bild: UFZ / Annegret Grimm-Seyfarth)

Leipzig – In der Welt der Reptilien gibt es sicher spektakulärere Arten als Gehyra variegata. Und doch ist es diesem kleinen, nachtaktiven Gecko gelungen, die Diskussion um die ökologischen Folgen des Klimawandels um ein paar ganz neue Facetten zu bereichern. Die etwa fünf Zentimeter großen Tiere mit der grauen oder bräunlichen Haut leben in den Wüsten Australiens. Für sie sind die hohlen Stämme von Eukalyptusbäumen die perfekten Refugien. Nachdem sie die Nacht über auf Insektenjagd gegangen sind, verbringen sie dort die heißen Tage, an denen die Temperaturen leicht auf mehr als 40 Grad Celsius klettern können.

Gerade in solchen heißen Wüsten aber erwarten Klimaforscher in Zukunft noch extremere Bedingungen. Weltweit soll es dort noch heißer und trockener werden. Wie aber wird die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt dieser Ökosysteme auf diese neuen Herausforderungen reagieren? Am Beispiel des kleinen Geckos, der stellvertretend für andere nachtaktive Wüstenbewohner steht, sind die Forscher dieser Frage nachgegangen.

Langzeituntersuchungen bereits vor 30 Jahren begonnen

Prof. Klaus Henle, der am UFZ das Department Naturschutzforschung leitet, hat schon in den 1980er Jahren begonnen, Daten über Gehyra variegata zusammenzutragen. Im Kinchega Nationalpark im Osten Australiens haben er und seine Kollegen über 30 Jahre lang immer wieder Reptilien gefangen, vermessen, zu Identifikationszwecken fotografiert und – dann mit einer Markierung versehen – wieder freigelassen. Diese Informationen haben die UFZ-Forscher nun in Beziehung zu den Witterungsverhältnissen vor Ort, aber auch zu globalen Klimaphänomenen gesetzt - und sind dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. „Wir hatten erwartet, dass sich sowohl höhere Temperaturen als auch größere Trockenheit negativ auf die Tiere und ihre Bestände auswirken würden“, sagt Biologin Annegret Grimm-Seyfarth. Schließlich brauchen Reptilien ein gewisses Maß an Feuchtigkeit, damit zum Beispiel die Eientwicklung und die Häutung richtig funktionieren. Wenn die Tiere austrocknen, wird es für sie lebensgefährlich. Und das Gleiche gilt auch, wenn sie infolge zu hoher Temperaturen überhitzen.

Reptilienpopulation wächst in besonders heißen Jahren

„Bei unseren Geckos haben wir aber festgestellt, dass sie gerade in heißen Jahren besonders gut wachsen und überleben“, sagt die Forscherin. „Sie sind dann also in besserer Verfassung und der Bestand nimmt eher zu als ab.“ Woran aber kann das liegen? Um das herauszufinden, hat Annegret Grimm-Seyfarth das Verhalten der Reptilien beobachtet und ihre Körpertemperatur gemessen. Nachts hat sie die jagenden Tiere dazu mit einem Infrarot-Thermometer angepeilt, das aus der Entfernung die Temperatur bestimmen kann. Um die Geckos auch in ihren Tages-Ruheplätzen aufspüren zu können, kamen zudem kleine Passivsender zum Einsatz, wie sie zum Beispiel auch als Identifikations-Chips für Hunde verwendet werden. Normalerweise werden diese unter die Haut implantiert. Doch ein fünf Zentimeter langer Reptilien-Zwerg ist dafür einfach nicht groß genug. Also haben die Forscher den Tieren kleine Rucksäcke gebastelt, in denen der Chip nahe am Körper lag. Mit einer Radiofrequenzantenne ließ er sich dann anpeilen. Dabei verriet er nicht nur den Aufenthaltsort, sondern auch die Temperatur des jeweiligen Kandidaten.

Dabei zeigte sich, dass Geckos trotz der Wüstenhitze nicht etwa besonders kühle Stellen wählen. 30 bis 35 Grad Celsius sollte das Refugium schon haben. „Diese hohen Temperaturen brauchen die Tiere, um ihre Nahrung richtig verdauen zu können“, erklärt die Forscherin. Also krabbeln sie mitunter gezielt in besonders sonnenexponierte Äste. In einem eher kühlen Jahr hat die UFZ-Mitarbeiterin zu ihrer Verblüffung sogar beobachtet, dass die Geckos ihren Baum verließen und Sonnenbäder nahmen. Diese Suche nach genügend Wärme aber kostet Energie. Und wenn sie nicht erfolgreich ist, funktioniert die Verdauung nicht optimal. Das könnte der Grund dafür sein, dass sich kühle Jahre eher negativ auf die Geckos auswirken.

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