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3D-Druck

Ich druck mir die Welt, wie sie mir gefällt

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Die Macht in den Händen der Falschen

Jede Technologie ist nur so edel, hilfreich und gut wie die Menschen, die sie bedienen. Mit Sicherheit muss das Potenzial des 3D-Drucks reguliert werden, denn die ersten Schusswaffen wurden schon gedruckt. Militärs wollen den Waffenbau direkt am Einsatzort etablieren. Braucht die Truppe dort dringend eine bestimmte Waffe, wirft sie für einige Stunden den Drucker an, anstatt nach der Order tagelang abzuwarten.

Diese Möglichkeit passt einem jungen Amerikaner hervorragend in sein anarchisches Weltbild. Von staatlicher Regulierung hält er nicht allzu viel. Stattdessen fordert er das Recht auf eine Waffe für jeden Bürger. Um sein Projekt zu beschleunigen, hatte er 2013 kurzerhand einen Bauplan ins Internet gestellt, der in 3D-Drucker eingespeist werden kann. Die Knarre als Open-Source Projekt sozusagen. Zwar konnte die Regierung die Erstveröffentlichung löschen, wer aber intelligent danach sucht, muss feststellen, dass das Internet tatsächlich nichts vergisst.

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Rosige Aussichten

Es tut sich sehr viel auf dem Gebiet. Neben der laufenden Forschung arbeiten viele Startups auf unterschiedlichen Ebenen an der Kommerzialisierung und Weiterentwicklung der Möglichkeiten. Denn die Aussichten sind gut. Die Technologie ist zwar schon mehr als 20 Jahr alt, macht aber erst jetzt deutliche Fortschritte, da die Drucker den Massenmarkt erreichen. Immer mehr Einsatzgebiete werden erschlossen. Industriell sind Rapid Tooling und Rapid Manufacturing auf dem Vormarsch: Werkzeuge oder gleich die Produktion selbst wird mit 3D bewältigt.

Die Bildungslandschaft zieht nach und schafft neue Studiengänge. In Würzburg und an drei weiteren führenden Universitäten der Welt wird der Master-Studiengang in Tissue Engineering geschaffen, der sich mit dem Einsatz von biologischen Geweben in der Medizin beschäftigt. Aussichtsreich sind auch Projekte, die auf die Nachbildung von Knochenteilen, Prothesen oder Zähnen mit herkömmlichen Materialien abzielen. Passgenaue Hörgeräte für die individuelle Ohranatomie oder individuelle Gipsverbände können den Tragekomfort erheblich verbessern.

Die Zukunft ganz nah

Einzig die Logistikbranche würde von der Durchsetzung des 3D-Drucks nicht profitieren. Dass sie gänzlich überflüssig würde, steht hingegen nicht zu befürchten, schließlich müssen die Materialien auch zum Drucker transportiert werden, solange das Materialrecycling nicht ebenso massentauglich ist. Dennoch könnte das Transportvolumen bei Fertigprodukten abnehmen. Davon profitierte immerhin die Umwelt.

Im April hat ein Forscher aus Taiwan eine mutige Voraussage gewagt, seinen wissenschaftlichen Aufsatz aber inzwischen zurückgezogen. Er hatte verkündet, dass es schon in 20 Jahren möglich sein werde, mit einem Drucker Moleküle zu erstellen. Der Drucker wäre mit reinen chemischen Elementen bestückt und könnte selbst komplexe Verbindungen etwa für Medikamente an praktisch jedem Ort der Welt herstellen.

Die benötigten riesigen Datenmengen dafür würden in einer Datencloud gespeichert und von einem beliebigen Computer aus abgerufen. Auch wenn der prognostizierte Zeitraum zu optimistisch ist, wird die Forschung früher oder später tatsächlich ein Gerät hervorbringen, das praktisch alles ausgeben kann. Wenn es so weit ist, können wir uns wirklich schon ein bisschen wie auf einem Raumschiff fühlen.

„Tee, Earl Grey, heiß."

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