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Analytikdienstleister Im Dienste der Analytik

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Laboranalysen sind ein zentraler Faktor bei der Entwicklung und Zulassung von Produkten. Warum es Sinn macht, hier auf die Expertise eines Analytikdienstleisters zurückzugreifen, beantwortet Dr. Wolfgang Kreiß, Leiter Chromatographie und Spektroskopie Currenta-Services Analytik, im LP-Exklusivinterview.

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LaborPraxis: Herr Dr. Kreiß, Currenta ist ein neuer Name an bekanntem Ort: Was verbirgt sich hinter Currenta und was sind Ihre Kernkompetenzen?

Dr. Kreiß: Currenta ist als Joint Venture der Bayer AG und der Lanxess AG Manager und Betreiber des Chemparks mit den drei deutschen Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Mit rund 3700 Mitarbeitern und fünf Geschäftsfeldern sichert Currenta den Partnern optimale Rahmenbedingungen durch vielfältige Produktverbünde und ein umfassendes Service-Portfolio. Dazu zählen unter anderem Energieversorgung, Umweltdienstleistungen, Sicherheit, Analytik, Ausbildung sowie weitere Serviceleistungen innerhalb des Chempark. Teile dieser Leistungen bieten wir auch externen Kunden an.

LaborPraxis: Wie sehen konkret Ihre Dienstleistungen im Bereich der Analytik aus?

Dr. Kreiß: Im Fokus unseres Angebots stehen industriespezifische Analytikleistungen. Das Methodenspektrum reicht von standardisierten Qualitätsprüfungen bis zur Strukturaufklärung. Basismethoden wie Elementanalytik und Chromatographie werden ergänzt durch moderne Kopplungstechniken sowie durch spezielle Verfahren, z.B. der Oberflächenanalytik. Darüber hi-naus führen wir brandtechnologische Untersuchungen durch. Unsere Serviceanalytik für die Industrie bleibt nicht auf Messung von Stoffdaten begrenzt. Wir unterstützen auch bei regulatorischen Themen wie GMP und GLP. Ökologische Zusammenhänge bewerten wir nach den Kriterien des Chemikaliengesetzes und vertreten die Resultate in Gremien und vor Behörden.

LaborPraxis: Welche Analysen bietet Currenta für die organische Spurenanalytik an?

Dr. Kreiß: In der organischen Spurenanalytik setzen wir im großen Umfang die Kopplungstechniken GC/MS und LC/MS ein. Damit erfassen wir ein weites Feld organischer Analyte, von Lösemitteln über Halogenaromaten bis zu Fluortensiden. Für die Nitrosamin-Analytik nutzen wir GC/MS und Chemolumineszenzdetektion. Bei der Spurenbestimmung von Monomeren wenden wir HPLC-Derivatisierungsmethoden zur Messung freier Isocyanate an. Neben klassischen umweltanalytischen Aufgaben untersuchen wir in der Spurenanalytik zunehmend die Emission und Migration von Substanzen aus Polymeren. Damit unterstützen wir die Entwicklung und Zulassung von Produkten. Entscheidend für den Erfolg spurenanalytischer Arbeiten sind Anreicherungen und Probenvorbereitungen. Die Qualität dieser Schritte stellen wir durch konsequente Kalibrierung und Ermittlung von Wiederfindungen sicher. Dabei verwenden wir in vielen Fällen isotopenmarkierte Standards und stützen uns auf langjährige Erfahrung aus der Dioxinanalytik.

LaborPraxis: Trotz ihres für die Analytik vergleichsweise hohen Alters sind chromatograpische Methoden aus den Labors nicht wegzudenken. Gibt es spezielle Techniken, die Sie einsetzen?

Dr. Kreiß: Der hohe Entwicklungsstand von MS-Kopplungen hat insbesondere bei der HPLC dazu geführt, dass die Detektion eine zunehmend wichtige Rolle einnimmt, während die chromatographische Separation eher standardisiert erfolgt. In der GC wenden wir die Kopplung mit hochauflösender MS für zahlreiche Aufgaben an und profitieren dabei von hoher Nachweisempfindlichkeit und valider Komponenten-Identifizierung. Für die LC/MS-Kopplung nutzen wir Single-Quad-, TOF- und Ion-Trap-Geräte sowie mehrere Tandemsysteme (Triple-Quad, Q-TOF). Darüber hinaus setzen wir ein höchstauflösendes FTICR-Massenspektrometer für HPLC-Kopplungen ein. Die hier erreichte Präzision der Massenbestimmung erlaubt die eindeutige Bestimmung von Bruttoformeln. Damit steht uns ein ausgesprochen leistungsfähiges Werkzeug für die Aufklärung unbekannter Substanzen in Pharmawirkstoffen oder Naturstoffrohextrakten zur Verfügung. Für bestimmte Fragestellungen behalten spezielle chromatographische Techniken weiter ihre Bedeutung. Dies sind z.B. HPLC-Ionenpaar-Verfahren für ionische Analyte sowie Gelchromatographie für oligomere und auch niedermolekulare Substanzen. Unter den speziellen GC-Techniken möchte ich die Thermodesorption hervorheben, die erhebliche Bedeutung für die Analytik flüchtiger Spurenkomponenten besitzt.

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LaborPraxis: Arbeiten Sie auch selbst an Weiterentwicklungen solcher Methoden?

Dr. Kreiß: Als Anbieter industrieller Serviceanalytik betreiben wir keine Technologie-Entwicklung, die wir eher als Domäne der Gerätehersteller und Hochschulen ansehen. Unsere Entwicklungsaktivitäten richten sich gezielt auf Applikationen und Validierung neuer Methoden. Dabei nutzen wir den umfassenden analytischen Methodenverbund von Currenta. Hier stehen uns neben klassischen Analysentechniken auch die Elementanalytik (ICP/OES, ICP/MS) und zusätzlich die quantitative NMR-Spektroskopie zur Verfügung. Die unter GMP ausgeführte NMR-Quantifizierung wird inzwischen zur Validierung von Kalibriersubstanzen für die Pharmaanalytik breit genutzt.

LaborPraxis: Gibt es Substanzgruppen, die besonders schwierig zu analysieren sind?

Dr. Kreiß: Bei unseren Arbeiten treffen wir immer wieder auf „schwierige“ Substanzen. Klassische Problemfälle sind unlösliche Produkte und Biomakromoleküle. Auch Standardprodukte, wie Tenside, können zu schwer lösbaren analytischen Aufgaben führen. In diesen Fällen präzisieren wir gemeinsam mit den Auftraggebern die Fragestellung und wenden dann geeignete Methoden oder Methodenkombinationen an. So können Pigmente mittels Röntgendiffraktometrie oder RFA charakterisiert werden, während sich spezielle MS-Techniken für Biomoleküle und auch Tenside gut eignen. Generell begegnen wir diesen Herausforderungen mit dem bei Currenta-Analytik vorhandenen umfassenden Produkt- und Methoden-Know-how.

LaborPraxis: Wie sieht Ihr Verhältnis als „Analytik-Dienstleister“ zur Forschung aus?

Dr. Kreiß: Die in der Forschung stattfindende Produktentwicklung beinhaltet einen hohen Anteil von Analytik, die auf die stoffliche Basis von Wirkung und Anwendungsverhalten zielt und vielfach Strukturuntersuchungen sowie Analysen von Stoffgemischen einschließt. Als Analytikdienstleister bieten wir professionelle Unterstützung bei den Großgerätetechniken der Spektroskopie und der Röntgenstrukturanalyse wie auch bei speziellen Analysenverfahren. Hier sehen wir die Currenta-Analytik als leistungsfähigen Partner, der durch arbeitsteilige Kooperation mit Forschungsabteilungen die effiziente Projektbearbeitung fördert und damit zum Forschungserfolg beiträgt.

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