Schnelltest für Entzündungen

Kaugummi-Schnelltest zeigt Entzündungen im Mund an

| Autor / Redakteur: Robert Emmerich* / Dr. Ilka Ottleben

An einem Kaugummi, mit dem man Entzündungen im Mund aufspüren kann, arbeiten Forscher der Universität Würzburg.
An einem Kaugummi, mit dem man Entzündungen im Mund aufspüren kann, arbeiten Forscher der Universität Würzburg. (Bild: Uni Würzburg)

Künftig sollen Menschen mit Zahnimplantaten schnell und kostengünstig feststellen können, ob sich in ihrem Mund eine Entzündung anbahnt: mit einem Kaugummi-Schnelltest, den ein Pharmazie-Forschungsteam der Universität Würzburg entwickelt hat.

Würzburg – Zahnimplantate ziehen bisweilen Komplikationen nach sich: Bei sechs bis fünfzehn Prozent der Patienten entsteht in den Jahren nach dem Setzen des Implantats eine Entzündung. Verursacht wird sie von Bakterien; schlimmstenfalls zerstört sie das weiche Gewebe und den Knochen rund um das Implantat.

Künftig sollen Patienten mit Zahnimplantaten schnell und kostengünstig feststellen können, ob sich in ihrem Mund eine solche Entzündung anbahnt: mit einem Kaugummi-Schnelltest, den ein Pharmazie-Forschungsteam der Universität Würzburg entwickelt hat.

Entzündungen im Mund – Bei bitterem Geschmack zum Zahnarzt

Praktisch funktioniert das so: Liegt im Mundraum eine Entzündung vor, wird beim Kauen des Kaugummis ein bitterer Geschmackstoff freigesetzt. Der Patient geht dann zu seinem Zahnarzt, der die Diagnose bestätigt und die Entzündung behandelt. Diese Art von Früherkennung sollte helfen, schwerwiegende Komplikationen wie Knochenschwund zu verhindern.

„Jeder kann dieses neue diagnostische System überall und jederzeit und ohne technisches Equipment einsetzen“, sagt Professor Lorenz Meinel, Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Universität Würzburg. Er hat das neue Diagnosemittel mit Dr. Jennifer Ritzer und ihrem Team entwickelt.

Enzyme setzen Bitterstoff frei

Die wissenschaftliche Grundlage: Bei Entzündungen werden im Mund spezifische protein-abbauende Enzyme aktiviert. Innerhalb von nur fünf Minuten zerschneiden sie auch einen speziellen Inhaltsstoff des Kaugummis. Dadurch wird ein Bitterstoff frei, der vorher nicht zu schmecken war.

Den Nachweis, dass das Konzept funktioniert, hat Meinels Team erbracht. Erste Studien mit dem Speichel von Patienten wurden an der Zahnklinik Merli in Rimini durchgeführt.

Gründung einer Firma geplant

Um das Kaugummi auf den Markt bringen zu können, plant Meinels Team die Gründung einer Firma. Der Professor geht davon aus, dass bis zur Marktreife noch zwei bis drei Jahre nach Gründung der Firma vergehen werden.

Kaugummi-Schnelltests für weitere medizinische Anwendungen befinden sich in der Entwicklung. „Wir hoffen, dass sich damit auch andere Krankheiten adressieren und frühestmöglich behandeln lassen“, erklärt Meinel.

Originalpublikation: J. Ritzer, T. Lühmann, C. Rode, M. Pein-Hackelbusch, I. Immohr, U. Schedler, T. Thiele, S. Stübinger, B. v. Rechenberg, J. Waser-Althaus, F. Schlottig, M. Merli, H. Dawe, M. Karpíšek, R. Wyrwa, M. Schnabelrauch & L. Meinel: Diagnosing peri-implant disease targeting the tongue as 24/7 detector, Nature Communications, 15. August 2017, DOI 10.1038/s41467-017-00340-x

* R. Emmerich: Universität Würzburg, 97070 Würzburg

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