English China

HIV

Junge tolerieren HIV besser als Ältere

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Verhältnis von Immunzellen zu Virus massgebend

Regös benutzte für seine Analysen einerseits die Zahl bestimmter Immunzellen, der CD4+-Zellen, andererseits die Virenlast während der Latenzphase der Infektion. Diese ist für die Forscher ein wichtiges Mass in Zusammenhang mit HIV-Infektionen. Sobald sich jemand mit dem Virus infiziert, vermehrt es sich rasch und stark, ehe das Immunsystem dessen Zahl auf ein gewisses Niveau reduziert. Von da an hat das Immunsystem den Erreger während langer Zeit relativ gut im Griff. Die Zahl der CD4+-Zellen sinkt aber bis zu einem kritischen Punkt hin laufend ab. Fällt die Zahl dieser Immunzellen unter 200 Stück pro Millionstel Liter Blut, bricht AIDS aus. Aus dem Verhältnis zwischen der Rate, mit der die CD4+-Zellen abfallen, und der Virenlast während der Latenzphase berechneten die Forschenden die Toleranz von HIV-Infizierten gegenüber dem Virus.

Toleranzbasierte Therapien gegen HIV?

Toleranz und Resistenz sind alternative, aber komplementäre Verteidigungsstrategien, mit denen sich ein Wirt gegen Pathogene zur Wehr setzt. Bei der Toleranz steht nicht die Vernichtung des Gegners und damit der Verringerung der Erregerlast im Vordergrund, sondern die Milderung der negativen Auswirkungen, die die Infektion für den Wirt hat. Dies kommt nicht einer Kapitulation gleich. Die Strategie verspricht vielmehr, dass sich der evolutive Wettlauf zwischen den Parteien abkühlt. „Es läuft in die Richtung Kommensalismus“, sagt Regös. Dies sei eine Art Waffenstillstand zwischen zwei ungleichen Partnern. Die beiden Strategien haben jedoch unterschiedliche evolutive Konsequenzen: Während die Toleranz die Bildung von Anpassungen eher unterdrückt, fordern Resistenzen die Flexibilität von Viren geradezu heraus, was in ein evolutives Wettrüsten der Gegner mündet.

„Auf lange Sicht könnte man versuchen, diesen Waffenstillstand therapeutisch zu nutzen“, sagt der ETH-Forscher. Toleranz-basierte Therapiestrategien könnten interessante Alternativen sein, da man von ihnen erwarte, dass sie nicht zu behandlungsresistenten Pathogenen führen.

Originalpublikation: Regoes RR, McLaren PJ, Battegay M, Bernasconi E, Calmy A, et al. (2014) Disentangling Human Tolerance and Resistance Against HIV. PLoS Biol 12(9): e1001951. doi:10.1371/journal.pbio.1001951

(ID:42953426)