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MRSA Kampf gegen MRSA-Erreger aus dem Schweinestall

| Redakteur: Doris Neukirchen

Jüngste Untersuchungen weisen darauf hin, dass in Nutztieren kursierende MRSA, auch auf den Menschen übertragen werden können. Der neue bundesweite Forschungsverbund „MedVetStaph“ untersucht jetzt die Übertragung der MRSA von Tieren auf Menschen.

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Privatdozent Dr. Markus Bischoff vom Homburger Uniklinikum (rechts) zusammen mit seinem Mitarbeiter, dem Diplombiologen Philipp Jung, am Rasterkraft-Mikroskop. (Bild: Uni)
Privatdozent Dr. Markus Bischoff vom Homburger Uniklinikum (rechts) zusammen mit seinem Mitarbeiter, dem Diplombiologen Philipp Jung, am Rasterkraft-Mikroskop. (Bild: Uni)

Saarbrücken – Obwohl schon seit langem bekannt ist, dass auch Tiere den MRSA-Erreger in und auf sich tragen und daran erkranken können, galten bisher der Mensch und seine unmittelbare Umgebung als Hauptreservoir. Jüngste Untersuchungen weisen nun jedoch darauf hin, dass in Nutztieren kursierende MRSA, so genannte „La-MRSA“ („Livestock-associated“ MRSA), auch auf den Menschen übertragen werden und dort Infektionen auslösen können. Diese Beobachtung ist von großer Bedeutung, da Forscher MRSA mittlerweile in 70 Prozent der Schweine-haltenden Betriebe in Deutschland nachgewiesen haben. Der neue bundesweite Forschungsverbund „MedVetStaph“ untersucht jetzt die Übertragung der MRSA von Tieren auf Menschen. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit insgesamt 2,5 Millionen Euro. 250 000 Euro davon gehen an die Universität des Saarlandes: Privatdozent Dr. Markus Bischoff und Professor Mathias Herrmann vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum in Homburg sind mit ihrem Team an diesem Forschungsverbund beteiligt.

„Wir wollen nun herausfinden, wie und warum einzelne La-MRSA diese Spezies-Barriere überwinden können“, erklärt Dr. Markus Bischoff vom Homburger Uniklinikum. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universitäten Münster und Würzburg, der Freien Universität Berlin, des Robert-Koch-Instituts, des Bundesinstituts für Risikobewertung und des Friedrich-Loeffler-Instituts erforscht er, wie breit La-MRSA in Landwirtschaft und Gesellschaft verbreitet sind und welche Eigenschaften der Erreger haben muss, um erfolgreich vom Tier auf den Menschen überspringen zu können. „Unser Augenmerk richtet sich hierbei insbesondere auf die Aspekte ‚Adhäsion’ als erster Schritt einer erfolgreichen Besiedlung des Menschen sowie ‚Phagozytose’ als frühes und bedeutendes Element der Immunabwehr des Menschen“, erklärt Dr. Bischoff. Phagozyten sind die so genannten „Fresszellen“ des Immunsystems, die in den Organismus eingedrungene Fremdkörper erkennen, aufnehmen und abbauen können.

Weitere Ziele der Homburger Forschergruppe sind Genom-weite Transkriptionsanalysen der Bakterien während der Ansiedlung beziehungsweise Infektion beim Menschen. So wollen sie herausfinden, wann und welche Virulenzfaktoren des Bakteriums während der frühen Phasen einer Infektion produziert werden. „Wir hoffen, mit unseren Untersuchungen wertvolle Informationen über das Risikopotenzial dieses Erregertyps zu liefern, die für Behandlungsstrategien sowohl im Veterinär- als auch im Humanbereich von Bedeutung sind“, erklärt Dr. Bischoff. Über die Transkriptionsanalysen identifizierte Virulenzdeterminanten von La-MRSA stellen zudem potenzielle Zielmoleküle für die Impfstoff- und/oder Antibiotika-Entwicklung dar, die für die entsprechenden Industriepartner von großem Interesse sein können. Eine solche Entwicklung hätte auch Einfluss auf die Wirtschaft, denn MRSA-Infektionen belasten die europäischen Gesundheitssysteme derzeit mit jährlichen Zusatzkosten im dreistelligen Millionenbereich.

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