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Wasserqualität Kläranlage Wien testet neue Erfindung zur Identifikation von Fäkalkeimen

| Redakteur: Jörg Kempf

Eine neue Methode des österreichischen Startup-Unternehmens Vienna Water Monitoring (VWM) stellt 190-fach schneller als die Standardmethode fest, ob Wasser mit Fäkalkeimen belastet ist.

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Dank der Unterstützung des universitären Gründerservice INiTS konnten die ersten Coliminder-Messgeräte hergestellt werden, die nun in einem gemeinsamen Projekt mit der TU Wien und der Hauptkläranlage der Stadt Wien getestet werden. Die Messung kann via Internet gesteuert und verfolgt werden.
Dank der Unterstützung des universitären Gründerservice INiTS konnten die ersten Coliminder-Messgeräte hergestellt werden, die nun in einem gemeinsamen Projekt mit der TU Wien und der Hauptkläranlage der Stadt Wien getestet werden. Die Messung kann via Internet gesteuert und verfolgt werden.
(Bild: INiTS)

Herkömmliche Untersuchungen im Labor auf Fäkalkeime (E. coli) dauern bis zu 48 Stunden, der von VVM entwickelte Coliminder schafft es in gerade einmal 15 Minuten – Belastungen von Wässern jeder Art (Abwasser, Badewasser, Wasser zur Bewässerung, Trinkwasser) werden damit frühzeitig erkannt. Weil die Ergebnisse so rasch vorliegen, kann zügig auf Veränderungen des Bakteriengehalts im Wasser reagiert werden – das spart Strom, Chemikalien, Zeit und somit Kosten.

Die Ergebnisse des Coliminder sind nicht nur schnell abrufbar, sondern auch sehr präzise, da hier ein neuer Zugang zur Messung gefunden wurde. Im Gegensatz zu Labormethoden, bei denen Bakterien erst gezüchtet werden müssen, basiert das neue Verfahren auf der Messung des Stoffwechsels der Bakterien (Enzymaktivität). Dazu wird eine Wasserprobe mit Reagenzien vermischt, die nur von Enzymen von E. coli verarbeitet werden, wodurch die Enzymaktivität und folglich die Zahl der im Wasser vorhandenen Bakterien ermittelt werden kann. Da die Enzymaktivität ein wissenschaftlich genau definierter Parameter ist, kann jedes auf diesen Enzymen basierende Messsystem geeicht werden, was standardisierte und exakte Ergebnisse hervorbringt.

Acht Coliminder in unterschiedlichen Ausführungen (Laborgerät, Industriegerät, Messstation und mobiles Gerät) sind derzeit an verschiedenen Orten im Einsatz. Unter anderem werden zwei Geräte im Zuge eines Versuchsprojekts der TU Wien in der Hauptkläranlage der Stadt Wien getestet. Die Versuchsanlage überprüft neue Methoden der Reinigung und Desinfektion der Abwässer, die in die Donau geleitet werden. Die beiden Coliminder liefern Informationen über die Wirksamkeit der Versuchsanlage hinsichtlich der Desinfektion. Die Messwerte der Coliminder werden mit den Ergebnissen eines laufenden Monitorings und mikrobiologischen Referenzanalysen zusammengeführt und stellen eine wesentliche Ergänzung zu den bestehenden Untersuchungen an der Versuchsanlage dar.

Das universitäre Gründerservice INiTS trug maßgeblich zum schnellen Erfolg des Coliminder bei. Durch dessen intensive Beratung und die finanziellen Mittel konnte der Prototyp des Coliminder gebaut und schließlich zum Patent angemeldet werden.

Die Einsatzmöglichkeiten des Coliminder sind vielfältig. So können die Messwerte der mikrobiologischen Wasserqualität nicht nur für Monitoring- und Frühwarnsysteme, sondern auch zur Prozesssteuerung verwendet werden. Beispiele hierfür sind die Auswahl von Wasserquellen zur Trinkwasseraufbereitung, die Bestimmung der Dosierwerte von Desinfektionsmitteln oder die Überwachung von Badewasser beziehungsweise die Bewässerung in der Landwirtschaft.

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