English China
Suchen

BASF-Schaumstoff für Laufschuh Kleine Perlen für große Distanzen

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Adidas hat mithilfe eines neuen Schaumstoffs von BASF einen neuen Laufschuh, mit ganz besonderen Federungs- und Dämpfungseigenschaften entwickelt. Eine Besonderheit ist vor allem das hohe Rückprallvermögen des Materials.

Firmen zum Thema

Mithilfe eines neuen BASF-Schaumstoffs hat adidas einen grundlegend neuen Laufschuh entwickelt.
Mithilfe eines neuen BASF-Schaumstoffs hat adidas einen grundlegend neuen Laufschuh entwickelt.
(Bild: adidas)

Ludwigshafen – Die heutigen Laufschuhe sind im Vergleich zu früher wahre Hightech-Produkte: Die vielfältigen Materialien, aus denen die Schuhe hergestellt werden, machen diese leicht und stabil. Zudem können die Schuhe durch die Materialien exakt an den jeweiligen Lauftyp, die Ansprüche des Kunden und die Laufdisziplinen angepasst werden. Die Hersteller suchen dabei permanent nach den neuen Technologien und Werkstoffen. Auch adidas entwickelt seine Laufschuhe immer weiter. Unterstützt wird das Unternehmen dabei seit mehr als 20 Jahren von den Materialexperten der BASF.

Mithilfe des neuen BASF-Schaumstoffs Infinergy hat adidas nun einen grundlegend neuen Laufschuh entwickelt, der ganz spezielle Federungs- und Dämpfungseigenschaften aufweist. Der Clou ist die Mittelsohle, das zentrale Element eines jeden Laufschuhs. Sie besteht aus dem neuen Kunststoff, der den Aufprall des Fußes beim Joggen dämpft und gleichzeitig abfedert. Dieses hohe Rückprallvermögen des Materials, soll laut Herstellerangaben zu einem deutlichen Energiegewinn für die Läufer führen.

Ovale Schaumperlen mit winzigen, geschlossenen Gasblasen im Innern

Infinergy besteht aus einem so genannten expandierten thermoplastischen Polyurethan, kurz E-TPU. „Um E-TPU herzustellen, wird das Ausgangsmaterial, ein TPU-Granulat, aufgeschäumt“, erläutert Dr. Uwe Keppeler, Material- und Verfahrensentwickler bei BASF. „Nach einer Vorbehandlung mit Druck und Hitze lassen sich die einzelnen bis zu fünf Millimeter großen Körnchen ähnlich wie ein Maiskorn aufpoppen.“ Dabei verzehnfacht sich ihr Volumen und es entstehen ovale Schaumperlen mit winzigen, geschlossenen Gasblasen im Innern. „Diese geschlossenen Luftzellen machen die leichten Schaumperlen sehr elastisch und sorgen für den gewünschten Rückpralleffekt. Man muss sich die einzelnen Perlen wie kleine Bälle vorstellen: Je mehr Luft darin enthalten ist, umso besser springen und prallen sie zurück“, sagt der BASF-Forscher Dr. Frank Prissok.

2.500 Schaumperlen stecken im Laufschuh

Für jede Mittelsohle benötigt adidas etwa 2.500 Schaumperlen. Um diese in die gewünschte Form zu bringen, werden sie mit heißem Wasserdampf behandelt. Dabei schmilzt die äußerste Schicht geringfügig an und sie verkleben zu einer stabilen Form. Die innere Luftzellen-Struktur bleibt davon unberührt.

Die Mittelsohle aus Infinergy lässt sich extrem zusammenpressen: bei einem Druck von zwei Bar um etwa die Hälfte des Volumens. Diese Eigenschaft dämpft den Aufprall des Fußes besonders gut. Sobald der Druckimpuls nachlässt, kehrt der Schaumstoff blitzschnell wieder in seine alte Form zurück. Die Sohle nimmt somit die Energie des Läufers zwar auf, gibt sie zu einem Großteil aber wieder zurück. Ein weiterer Vorteil des BASF-Spezialschaumstoffs: Er ist nicht nur leicht, sondern das Material bleibt auch über ein großes Temperaturfenster elastisch. Die Perlen sorgen dafür, dass der Schuh seine positiven Eigenschaften auch bei minus 20 Grad Celsius behält.

Neuer Werkstoff für den unplattbaren Reifen

Sehr leicht und elastisch – diese besonderen Eigenschaften machen Infinergy zu einem Werkstoff mit einem breiten Anwendungsspektrum. Einige mögliche Anwendungen befinden sich gerade in der Testphase. Andere sind zwar noch Zukunftsmusik, aber durchaus denkbar: Der BASF-Schaumstoff könnte beispielsweise den unplattbaren Fahrradreifen, den Traum vieler Radfahrer, ermöglichen. Auch als Bodenbelag für Laufbahnen kommt der Werkstoff in Frage. Und für die Automobilindustrie, die stets auf der Suche nach leichten und robusten Materialien ist, könnte der Spezialschaumstoff der BASF ebenfalls neue Spielräume eröffnen.

(ID:42259908)