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Geschichte des Dieselpartikelfilters

Können unsere Diesel sauberer sein?

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Diskutiert wurde auch, welche Abgas-Bestandteile gesundheitsschädlich sind. Nur das hoch toxische Kohlenmonoxid (CO) ist emissionsseitig begrenzt, krebsäuslösende Stoffe wie Benzol oder Benzo(a)pyren sind nicht beschränkt obwohl die EU Außenluft-Grenzwerte im Gesetz verankert hat. Ist Stickstoffmonoxid (NO) oder Stickstoffdioxid (NO2) giftiger? Oder sind es die nanometerkleinen Rußpartikel, die bei einem Grenzwert von 600 Milliarden Partikel/km immer noch zahlreich freigesetzt werden? Rußpartikel besitzen eine große spezifische Oberfläche, auf der Krebs erregende Verbrennungsrückstände anhaften und an den körpereigenen Abwehrsystemen vorbei bis in die Lungenbläschen geraten können. Sie wirken also wie ein Trojanisches Pferd.

„Partikelfilter und DeNOx-Systeme sind Chemiefabriken.“

Welche Verbrennungsrückstände auf den Rußpartikeln haften, weiß Norbert Heeb, Chemiker der Empa und seit 20 Jahren in der Abgasforschung tätig. In seinem Vortrag erläuterte er, welche toxischen Bestandteile in Verbrennungsabgasen aus Erdölprodukten vorkommen. Besonders heikel sind teilweise verbrannte Kohlenwasserstoffe, die in DeNOx-Systemen und Rußpartikelfilter längere Zeit verweilen. Die Kombination aus Reaktionshitze, Sauerstoff, Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen kann zu neuen Krebs-erregenden Produkten führen, weiß Heeb. „Das ist eine veritable Chemiefabrik“.

Doch nicht nur im heißen Auspufftrakt bilden sich giftige Stoffe. Bestimmte Schadstoffe, sogenannte „Sekundärschadstoffe“ bilden sich auch nach dem Mischen der heißen Abgase mit kühler Umgebungsluft. Darunter sind etwa bodennahes Ozon oder sekundäre Kondensate und Feinstaubpartikel, die an ihrer Oberfläche ebenfalls Krebs-erregende Verbrennungsrückstände absorbieren. Weitere Messungen sind – so waren sich die Experten einig – in jeder Hinsicht angebracht. „Jeder zehnte Partikelfilter ist defekt“, sagt etwa Jan Czerwinski von der Berner Fachhochschule Biel in seinem Vortrag und forderte: „Wir müssen diese defekten Filter finden.“

Schädigung menschlicher Zellen durch Abgase

Die Forderung ist auch aus toxikologischer Sicht angebracht – Hinweise auf Gesundheitsschäden durch Abgase gibt es inzwischen zuhauf: Mehrere Experten, darunter Tina Bürki von der Empa, Barbara Rothen-Rutishauser vom Adolphe Merkle Institute oder Marianne Geisser und Loretta Müller von der Universität Bern, präsentierten Versuchsreihen, in denen menschliche Zellkulturen Diesel- oder Benzinmotorabgasen ausgesetzt wurden. Die biologischen Reaktionen dieser Zellkulturen lassen auf gesundheitsschädigende Effekte für Menschen schließen.

Zugleich entwickelten sich auch die Filter- und DeNOx-Technologie weiter. Neu entwickelte Nachrüstfilter bringen Nutzfahrzeuge vom Euro-2 bis Euro-5 auf den Euro-6-Standard. In Shenzen (China) und Teheran (Iran) sollen ganze Bus-Flotten nachgerüstet werden, Behörden in Israel denken über eine landesweite „Low-Emission-Zone“ nach, das Israelische Parlament hat soeben die flächendeckende Nachrüstung der Busflotte mit Filtern beschlossen. Und in Europa wächst die Zahl der Umweltzonen, in die älteren Diesel-Fahrzeugen die Einfahrt verwehrt wird. Die Zahl der Zonen ist inzwischen so unübersichtlich, dass die Website einer Consulting-Agentur Abhilfe schaffen muss. Hier sind alle Fahrverbote Europas mit ihren jeweiligen Vorschriften aufgeführt.

Die Abgasdebatte ist also auch 20 Jahre nach der Einführung von VERT-Filtertests noch lange nicht vorbei.

* R. Klose, Empa, 8600 Dübendorf/Schweiz

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