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Forum Laborbau

Koordination ist alles: Wie ein neues Labor entsteht

| Autor: Christian Lüttmann

Die Arbeit in chemischen Laboren ist oft spannend. Nicht weniger aufregend ist die Entstehung solcher moderner Arbeitsstätten. Denn hier stoßen Vorschriften auf Nutzerwünsche, Sicherheitskonzepte auf flexible Einsatzmöglichkeiten. Einen Einblick in die Welt der Laborplanung hat LABORPRAXIS auf dem Forum Laborbau erhalten.

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Zur Besichtigung des LLBB wurden die Teilnehmer in sechs Gruppen eingeteilt.
Zur Besichtigung des LLBB wurden die Teilnehmer in sechs Gruppen eingeteilt.
(Bild: LABORPRAXIS, C. Lüttmann)

Berlin – Bei der Planung und dem Bau eines neuen Labors gilt es vieles zu beachten. Und je größer das Projekt, desto komplexer ist das Gewirr von Interessenvertretern, Entscheidern, Beratern und weiteren direkt oder indirekt „Betroffenen“ (die im Englischen treffender mit dem wertneutralen Begriff Stakeholder bezeichnet werden). Ein Beispiel für solch ein Großprojekt ist der Neubau des Landeslabors Berlin-Brandenburg (LLBB). Dort trafen sich am 26. und 27. September 2019 über 50 Planer, Architekten und Laborbauer zum Erfahrungsaustausch und zur Besichtigung der neuen Laborplätze.

Laborbau „nebenbei“

Schon 2013 erstellten die Verantwortlichen des Landeslabors ein erstes Anforderungsprofil, in dem die Grundlagen für den späteren Neubau geschaffen wurden. Der Plan: Für rund 370 Mitarbeiter aus Berlin, Potsdam und Kleinmachnow sollte in Berlin Adlershof eine neue Analytikzentrale entstehen. Von den ersten Entwürfen bis zum Einzug der einzelnen Abteilungen im März 2019 vergingen gut fünf Jahre – in den Augen der Planung eine durchaus knappe Zeit, die hier eingehalten wurde. „Möglich war dies nur durch die enge Zusammenarbeit der Beteiligten“, betont Norbert Buchholz, der als Leiter des Verwaltungsbereiches die wissenschaftlichen Anforderungen in der Planungsphase vertrat.

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Seine Aufgabe war es, in den Planertreffen die Anforderungen der Laboranten zu vermitteln und Rückfragen durch die Laborplaner und Architekten termingerecht – manchmal in nur wenigen Tagen – abzustimmen und zu kommunizieren. Unterstützt wurde Buchholz dabei von einem Team engagierter Mitarbeiter, die sich parallel zum laufenden Laborbetrieb mit den zusätzlichen Aufgaben aus der Bauplanung befassten. „Am Anfang wusste von denen noch keiner, was da wirklich an Arbeit auf sie zukommt. Aber unsere Angestellten waren hochmotiviert. Und die enge Beteiligung an dem Projekt förderte ihren Antrieb noch.“

Der Organisationsaufwand war beträchtlich: In der heißen Phase der Planung standen durchschnittlich sieben bis acht Meetings pro Monat auf der Agenda, wobei nicht an jedem Treffen alle Beteiligten involviert waren. „Es ist aber wichtig, dass Fachleute aus den Laborbereichen miteinbezogen werden, sonst läuft die Planung am Ende an den Anforderungen der Nutzer vorbei“, sagt Buchholz.

Offene, modulare Labore

Schlussendlich blickt der Leiter des Verwaltungsbereiches jetzt zufrieden auf das Projekt zurück, auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist. „Bestimmte Dinge stellt man erst fest, wenn man einzieht. Bis Ende 2019 sollten aber auch die letzten kleinen Baustellen beseitigt sein“, sagt Buchholz. In den modular angelegten neuen Laboren läuft der Betrieb bereits auf Hochtouren. Der Übergang verlief trotz großer Probenlast ohne größere Einbrüche, lediglich eine kleine Delle in der Bearbeitungszeit habe es gegeben. Und das bei geschätzt 30.000 Proben pro Jahr, allein im Bereich der Lebensmittelanalytik.

Die offenen Labore sind ein Feature, über das der verantwortliche Laborplaner Dr. Christoph Heinekamp besonders stolz ist. In dem derzeitigen Raumkonzept liegen die Laborbereiche direkt an Büroarbeitsplätzen – einer Dokumentationszone. Diese ist durch eine Glaswand mit Schiebetüren vom Laborbereich getrennt. Ein ständiger Luftstrom von der Büro- in Richtung Laborfläche verhindert eine Kontamination der Büroplätze über die Luft. Die Kittel sollen Anwender vorm Betreten des Schreibarbeitsplatzes am nahegelegenen Garderobenständer ablegen. Wie streng dies im Laboralltag tatsächlich eingehalten wird, liegt dann nicht mehr in der Hand der Planer.

Die Sicherheit der Labornutzer

Letztlich ist der Nutzer selbst für die Sicherheit im Labor verantwortlich. „Anwender gehen oft fälschlich davon aus, dass ein Laborgebäude prinzipiell alles können muss. Tatsächlich ist es aber stets für einen bestimmten Zweck ausgelegt. Wenn sich die Nutzung später ändert, müssen die Anwender sicherstellen, dass das Gebäude diesen neuen Bedingungen ebenfalls genügt“, betont Heinekamp. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn mit anderen Gefahrstoffen gearbeitet wird, für die die Abluftanlage nicht getestet wurde. In der Realität sind sich wohl die wenigsten dieser Verantwortung bewusst. Dabei wäre dies gerade in Forschungseinrichtungen relevant, da sich dort die Belegung und die Nutzung der Labore häufiger ändert.

Das Landeslabor Berlin Brandenburg hat zumindest bestmöglich für wandelnde Anforderungen in der Nutzung vorgesorgt. Dank des modular angelegten Laborkonzepts sind in Zukunft leichte und damit kostengünstige Umgestaltungen möglich –egal ob im Bereich der Laborplätze oder der Dokumentationszonen. „Die Büros sind z.B. mit Trockenbau angelegt, in den Wänden ist also kein einziges Kabel verlegt. Wenn wir in neue Bürowelten eintauchen wollten, könnten wir die Raumgestaltung also leicht verändern. Und ich denke, in fünf bis spätestens zehn Jahren wird das auch der Fall sein“, sagt Buchholz.

Ergänzendes zum Thema
Das Landeslabor Berlin Brandenburg (LLBB)

Seit zehn Jahren arbeiten die Länder Berlin und Brandenburg zusammen und bieten mit ihren Laborkapazitäten Leistungen in vielen Bereichen der Analytik. Von gesundheitlichem Verbraucherschutz über das Monitoring von Tierseuchen bis zur Umweltüberwachung und sogar der Gefahrenabwehr durch Bioterrorismus deckt das LLBB ein breites Aufgabenspektrum ab. Insgesamt arbeiten rund 500 Mitarbeiter die einkommenden Proben an den bis dato sechs Standorten Berlin, Potsdam, Kleinmachnow, Oranienburg und Frankfurt an der Oder (2x) ab. Die ersten drei Standorte sind nun in dem Neubau in Berlin Adlershof vereint.

Erst Analytiklabor, dann Großwäscherei?

Und auch für die ferne Zukunft ist vorgesorgt. Denn das LLBB ist nur in den Neubau eingemietet. Wenn es nach 30 Jahren Vertragslaufzeit weiterzieht, gibt es bereits Szenarien zu einer Folgenutzung des über 22.000 Quadratmeter großen Gebäudes. „Am Besten würde man später eine Wäscherei, hieraus machen, weil dies den großen Raum, den das Gebäude bietet, am effizientesten nutzen würde. Aber wir haben auch Pläne für die Nutzung als Bürogebäude durchgespielt“, sagt der zuständige Architekt Eric Mertens.

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Über den Autor

 Christian Lüttmann

Christian Lüttmann

Volontär, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG