Suchen

Flugzeugabsturz MH 370 Krebstier-Bewuchs soll Aufschlüsse über Flugzeugabsturz bringen

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Wrackteile der vermissten Malaysia Airline MH 370 wurden am 29. Juli an der Küste der französischen Insel Reunion im westindischen Ozean gefunden. Um die Absturzstelle der Boeing 777-200 besser eingrenzen zu können, soll nun der Bewuchs der Wrackteile mit Meerestieren genauer untersucht werden.

Firmen zum Thema

Verbreitung der Krebstiere der Art "Lepas australis"
Verbreitung der Krebstiere der Art "Lepas australis"
(Bild: NHM Wien )

Wien/Österreich – Warum der Flug Malaysia Airline MH 370 am 8. März 2014 abstürzte ist nach wie vor ungeklärt. Das kürzlich auf der Insel Reunion gefundene Wrackteil ist mehrheitlich als Teil (Steuerruder) des vermissten Flugzeugs interpretiert worden und soll nun dabei helfen, die Absturzstelle bsser zu lokalisieren.

Driftrouten sollen besser erklärt werden

Dieses Wrackteil ist überkrustet und befallen mit Krebstieren der Gruppe Lepas, pelagischen “Gänse”-Rankenfußkrebsen. Larven dieser gestielten Krebstiere besiedeln Hartgründe wie Driftholz, Schiffsrümpfe oder auch driftende und flotierende Wrackteile an der Meeresoberfläche. Das Studium dieser Krebstiere könnte helfen die Verdriftungsgeschichte der Flugzeugtrümmer zu rekonstruieren. Im Speziellen könnte es möglich sein, die Driftrouten von der potentiellen Absturzstelle im Indischen Ozean bis zur Insel Reunion, 4500 km von Australien, nachzuverfolgen. Meeresströmungen, wie der nordwärts gerichtete West-Australische-Strom, und darauf folgend, der westwärts gerichtete Süd-Äquator-Strom könnten das Flugzeug Wrackteil auf eine Bahn in Richtung Reunion gezwungen haben.

Entwicklungsstadien der Kolonien ermöglichen Rückschluss auf Zeitspanne

Zusätzlich können die Entwicklungsstadien der aufgewachsenen Kolonien und der Einzelindividuen dieser Krebstiere helfen die Zeitspanne der Verdriftung zu bestimmen. „Der Befall und die Kolonialisierung geschahen sofort nachdem das Objekt in den Ozean gefallen war“, sagt Alexander Lukeneder, Paläontologe am Naturhistorischen Museum in Wien (Österreich). Meeresoberflächenströmungen und Winde zwangen das Wrackteil dann auf eine Route gegen den Uhrzeigersinn über den gesamten Indischen Ozean.

Verschiedene Gebiete im Indischen Ozean sind von unterschiedlichen Arten der „Muschel”-artigen und gestielten Krebstiere bewohnt. Die Arten Lepas anatifera, Lepas anserifera und Lepas pectinata sind beinahe kosmopolitische Arten, wohingegen Lepas indica auf nördliche Teile des Indischen Ozeans (Bengalisches Meer, Südchinesisches Meer) und Lepas australis auf die südlichen Teile des Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozeans beschränkt ist. „Wenn die auch im Indischen Ozean westlich von Australien vorkommende Lepas australis auch das Boeing Steuerruder überwuchert hat, kann das weitläufige Gebiet, in welchem das Flugzeug auf den Indichen Ozean prallte, besser eingegrenzt werden“, sagt Alexander Lukeneder. Eine detaillierte taxonomische Untersuchung der aufgewachsenen, marinen Organismen sei dabei von entscheidender Wichtigkeit. Andere überkrustende marine Taxa, wie auch Bryozoen (Moostierchen), würden helfen, diese Hypothesen zu belegen. Der Grund für den Flugzeugabsturz von Malaysia Airline MH 370 ist bis heute nicht geklärt und das Suchgebiet 1500-2500 km westlich von Perth ist spekulativ.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43546382)