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Supercomputer Kunst machen mit Supercomputern

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Das Ergebnis einer ungewöhnlichen Begegnung von Kunst und Supercomputing ist von morgen an in Gent zu sehen. Das Museum für zeitgenössische Kunst (S.M.A.K.) zeigt eine Ausstellung zum Thema „Licht“. Teil davon ist eine Reihe von Fotogrammen, die in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich entstanden. Von September an wird die Ausstellung auch in der Kunsthalle Düsseldorf gezeigt.

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Ein Bild aus der Serie Fotogramme (Ausschnitt)
Ein Bild aus der Serie Fotogramme (Ausschnitt)
(Bild: VG-Bildkunst, Bonn 2104)

Jülich, Gent/Belgien – Fotogramme sind ursprünglich fotografische Bilder in schwarz-weiß, die ohne Kamera in der Dunkelkammer entstehen. Dabei werden Gegenstände auf lichtempfindlichem Papier arrangiert und belichtet. Künstler wie Man Ray oder Lázló Moholy-Nagy hatten schon in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit dieser Technik experimentiert. Der Künstler Thomas Ruff überführte die Fotogramme ins digitale Zeitalter: Er gestaltet Gegenstände, Licht und Fotopapier mit einem Computerprogramm. „Diese virtuelle Dunkelkammer hat drei Vorteile“, erklärt er, „die Bilder sind nicht auf die Größe des Fotopapiers beschränkt, am Computer kann ich schnell und einfach Gegenstände sowie Lichtquellen verändern, und es entstehen im Gegensatz zur analogen Welt farbige Fotogramme.“

18 Terabyte Daten pro Bild

Bei Ruffs neuartigen und abstrakten Fotogrammen fallen jedoch große Datenmengen an. Der Künstler verwendet im Schnitt drei virtuelle Lichtquellen pro Fotogramm, bei einer Bildgröße von 2,20 Meter mal 1,64 Meter entsteht so ein Datenvolumen von jeweils mindestens 18 Terabyte. Als Ruff sich um Rechenzeit bewarb, wurde am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) die Herausforderung erkannt und angenommen: „Für uns waren die hohen Anforderungen an Datenhaltung, Datenraten und lokale Rechenleistung ideal, um kontrolliert wichtige Charakteristiken für das Design des Nachfolgerechners von JUROPA zu testen“, erläutert Prof. Thomas Lippert, Leiter des JSC, die wissenschaftlichen Hintergründe der Zusammenarbeit.

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Damit die insgesamt 20 Bilder mit einer Auflösung von bis zu 23.500 mal 17.600 Pixeln in Jülich gerechnet werden konnten, passte Wolfgang Frings vom JSC die von Ruff verwendete Software an JUROPA an. Dieser Rechner besteht aus 2208 Rechnerknoten; jeder Knoten verfügt über zwei Prozessoren mit jeweils vier Rechenkernen und besitzt 24 GB Speicher. Für ein Bild rechneten 1000 Knoten von JUROPA bis zu 15 Stunden – Ruffs Rechner hätte dafür mehr als ein Jahr gebraucht. Frings und seine Kollegen entwickelten auch ein neues Tool, um die Auslastung des Rechners besser beobachten zu können: Es zeigt farblich codiert Temperatur sowie Auslastung von Hauptspeicher und Knoten an und steht jetzt allen Nutzern zur Verfügung.

„Bei den Fotogrammen ist es wie bei anderen wissenschaftlichen Fragestellungen: Supercomputing ermöglicht es, in Größenordnungen vorzudringen, die sonst nicht erreichbar wären“, zieht Frings Bilanz. Und Thomas Lippert ist sicher, dass sich durch die Zusammenarbeit Menschen für das Thema High Performance Computing interessieren werden, die nicht zur üblichen Klientel des JSC gehören. Thomas Ruff schließlich ist vom Resultat der Zusammenarbeit begeistert: „Die Unterschiede alleine bei Kontrasten und den feinteiligen Strukturen sind im Vergleich zu den im Atelier gerechneten Bildern eminent, die Auflösung ist traumhaft.“

Die Serie der Fotogramme mit dem Titel „Phg“ für „Photograms“ ist im S.M.A.K. bis zum 24. August zu sehen.

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