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Lebensmittelüberwachung Lebensmittel-Importe zuverlässig überwachen

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Obst, Gemüse, Milchprodukte oder Fleisch – Lebensmittel, die in Deutschland gekauft werden, haben häufig bereits eine lange Reise hinter sich. Auf der Rangliste der weltweit größten Agrarimporteure rangiert Deutschland auf Platz zwei hinter den USA. Welche besonderen Anforderungen sich daraus für eine zuverlässige Lebensmittelüberwachung ergeben, erläutert Dr. Werner Nader, Geschäftsführer der Eurofins Global Control, im LP-Interview.

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Abb. 1: Die Beprobung von Reis vor Ort in seinem Ursprungsland.
Abb. 1: Die Beprobung von Reis vor Ort in seinem Ursprungsland.
( Bild: Eurofins Global Control )

LaborPraxis: Herr Dr. Nader, immer mehr Lebens- und Futtermittel werden aus Ländern importiert, in denen zum Teil weniger strenge Lebensmittelgesetze als in der EU gelten. Ist das nicht problematisch?

Dr. Nader: In der Tat sind in den letzten Jahren die Importe insbesondere aus Asien stark angestiegen. China hat seine Lebensmittelimporte nach Deutschland seit 2003 bis heute auf über eine Milliarde Euro verdoppelt und sich hinter Brasilien auf Platz zwei der Länder außerhalb der EU platziert, die Deutschland mit Lebensmitteln versorgen. Alle Lebensmittelimporte werden sehr streng kontrolliert. Falls in einem EU-Land Abweichungen von den gesetzlichen Vorgaben festgestellt werden, veröffentlicht diese direkt das Schnellwarnsystem der EU, das RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed). Eurofins betreibt in fast allen EU-Staaten Labore. Die dort arbeitenden Lebensmittelchemiker kennen sowohl die EU-Regelungen wie auch länderspezifische Vorgaben, um die Importeure zu beraten und deren Waren gezielt auf Abweichungen von den gesetzlichen Normen hin zu prüfen. Zudem baut Eurofins zur Zeit sein globales Netzwerk von Laboratorien in Ländern wie China, USA, Brasilien aber auch der Türkei oder Indien aus.

LaborPraxis: Wäre es nicht sinnvoll, die Produkte vor Ort in den Ursprungsländern zu prüfen, bevor sie in die EU verschifft werden?

Dr. Nader: Genau da setzt unser neuestes Angebot an: Das am 1. April dieses Jahres neu etablierte Geschäftsfeld der Eurofins Global Control in Hamburg. Wenn unsere Kunden ihre Produkte einmal in der EU haben und die Qualitätsabweichungen erst hier entdeckt werden, dann ist der Schaden immens. Es ist nicht nur schwierig, das Geld vom Lieferanten zurückzubekommen, sondern der Transport muss bezahlt und die Produkte müssen auch noch sachgerecht entsorgt werden. Deshalb bietet Global Control so genannte Warenstromkontrollen an, bei denen die Produkte möglichst am Ursprung beprobt und analysiert werden.

LaborPraxis: Nach welchen Vorgaben läuft die Beprobung der Produkte vor Ort in den Ursprungsländern ab?

Dr. Nader: Die gezogene Probe muss repräsentativ für das Warenlot sein. Durch Versiegelung des Lots wird späteren Manipulationen an der Ware vorgebeugt. Es wird erst verschifft, wenn die Untersuchungsergebnisse die Qualität belegen. Die Beprobung selber erfolgt je nach Kundenwunsch gemäß Methoden, die entweder von der EU-Kommission für die offizielle Lebensmittelbeprobung vorgeschrieben sind oder die vom Codex Alimentarius empfohlen werden. Die jeweilig anzuwendende Methode richtet sich nach dem Produkt und den Hauptrisikofaktoren, auf die analysiert werden soll. Dies sind zum Beispiel Pestizide, Lagerpilzgifte, gentechnisch veränderte Organismen und andere.

LaborPraxis: Kommen im Rahmen der Lebensmittelüberwachung und der weltweiten Warenstromkontrolle auch neue laboranalytische Verfahren zum Einsatz?

Dr. Nader: Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang ist Basmati Reis aus Indien und Pakistan. Bei Basmati bestehen für die Importeure drei Hauptrisiken: die Verfälschung von echtem Basmati mit billigeren Reissorten, der Eintrag von Pilzgiften wie Aflatoxinen durch unsachgemäße Prozessierung sowie Rückstände von Pflanzen- und Lagerschutzmitteln, die in Europa in den gefundenen Konzentrationen nicht zulässig sind. Weniger in Deutschland jedoch im Vereinigten Königreich wird der genetische Fingerabdruck insbesondere zur Prüfung der Echtheit von Basmatireis eingesetzt. In Deutschland wird das Verfahren von den Zollbehörden angewendet, um zu prüfen, ob Basmatireis unter die Zollbefreiung fällt oder nicht. Weitere Anwendungen für dieses in der Lebensmittelanalytik relativ neue Verfahren sind denkbar, wie zum Beispiel bei der Echtheitsbestimmung von hochwertigen Fleischsorten wie Angus-Beef oder zur Rückverfolgung von Rindfleisch auf das jeweilige Schlachttier.

LaborPraxis: Gibt es weitere Beispiele?

Dr. Nader: Die gibt es in der Tat. Bei Olivenölen beispielsweise prüfen wir jede Produktionscharge am Ursprung auf ihre Qualität, mögliche Kontaminanten und Rückstände. Zusätzlich bestimmen wir noch die Identität des Öls mit dem chemischen Fingerabdruck, da sich jede Produktionscharge individuell in ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheidet. Der chemische Fingerabdruck setzt sich zusammen aus dem Fettsäure- und Triglycerid-Spektrum des Öls. Die Analyse erfolgt gaschromatographisch mit dem Flammenionisationsdetektor. In den Märkten ziehen wir dann Stichproben und können über den chemischen Fingerabdruck prüfen, ob die Chargenangaben auf der Flasche mit der ursprünglich analysierten und für gut befundenen Produktionscharge übereinstimmt. Wenn nicht, ist die Warenstromkette nicht geschlossen und es wurde Öl einer anderen Charge eingebracht. Selbst eine geographische Herkunftsbestimmung der unterschiedlichen Produkte ist analytisch über das Isotopenverfahren der Eurofins möglich. Das ist wichtig, da nach der neuen EU-Verordnung die Hersteller ihr natives Olivenöl ab 1. Juli 2009 verpflichtend mit einer Herkunftsangabe versehen müssen.

LaborPraxis: Können Sie unserem Leser die geographische Herkunftsbestimmung von Produkten mithilfe der Isotopenanalyse etwas genauer erläutern?

Dr. Nader: Ein Verfahren zur geographischen Herkunftsbestimmung über Isotopenanalyse, die SNIF- (Site-specific Natural Isotopic Fractionation) NMR, war der Ausgangspunkt für die Gründung der Eurofins 1987 in Nantes. Die schweren stabilen Isotope des Wasserstoffs (Deuterium) und Sauerstoffs (18O) im Wasserdampf in der Atmosphäre werden über die Zentrifugalkraft der Erde zu den Polen hin abgereichert. Außerdem regnen die schwereren Wassermoleküle früher ab als die leichteren, wodurch sie mit steigender Höhenlage ebenfalls abgereichert werden. Jede Region hat also ein spezifisches Verhältnis der schweren zu den leichten Isotopen im Wasser. Für die stabilen Isotope des Kohlenstoffs, Stickstoffs und Strontiums gelten andere Gesetzmäßigkeiten der Ungleichverteilung, wie zum Beispiel geologische Gegebenheiten, die bevorzugte Fixierung von Kohlendioxid mit dem leichteren Kohlenstoffisotop 12C- durch C3-Pflanzen und andere. Aus der Kombination aller Informationen können Rückschlüsse auf die geographische Herkunft, aber auch auf die Fütterung von Tieren mit besonderen Futtermitteln oder die Düngung von Pflanzen geschlossen werden. Das Verhältnis der leichten zu den schweren Isotopen wird als Summenparameter für das jeweilige Element über Massenspektrometrie ermittelt oder es wird das Verhältnis von Wasserstoff zu Deuterium über die Deuterium-Kernspinresonanzspektroskopie spezifisch an der jeweiligen Position im Molekül bestimmt. Letzteres Verfahren war von den Gründern der Eurofins entwickelt worden. Nach seinem Namen – SNIF-NMR – wurde übrigens die Eurofins benannt: SNIF ergibt umgekehrt FINS.

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