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Multiresistente Keime in Gewässern Macht 4. oder 5. Reinigungsstufe resistenten Keimen den Garaus?

| Autor / Redakteur: Hans-Jürgen Bittermann* / Wolfgang Ernhofer

Multiresistente Keime werden zum ernsthaften Problem. In deutschen Gewässern finden sich die tödlichen Keime mittlerweile häufig. Sogar die World Health Organization (WHO) bezeichnet das Problem mittlerweile als eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Antibiotikagabe für Mensch und Tier muss auf jeden Fall eingeschränkt werden, aber auch technische Möglichkeiten spielen eine wichtige Rolle bei der Beseitigung der resistenten Keime.

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Im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm werden Methoden zur verbesserten Elimination von antibiotikaresistenten Bakterien erprobt.
Im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm werden Methoden zur verbesserten Elimination von antibiotikaresistenten Bakterien erprobt.
(Bild: Zweckverband Klärwerk Steinhäule)

Ein Mann stürzt 2017 in einen Bach und stirbt anschließend im Krankenhaus, weil er sich mit multiresistenten Keimen infiziert hatte – das Bachwasser führte auch Abflusswasser aus einer Kläranlage. Ein tragischer Einzelfall?

Mitnichten, wie eine Recherche des NDR-Nachrichtenmagazins Panorama in Niedersachsen ergab: Die in zwölf Gewässern entnommenen Wasserproben wurden von der TU Dresden und dem Universitätsklinikum Gießen positiv auf multiresistente Keime untersucht. Als Keim-Quellen wurden Kliniken, Altenheime und Geflügelzuchtbetriebe identifiziert.

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Auch Forscher des Robert-Koch-Instituts fanden in Wasserproben multiresistente Keime. Dr. Tim Eckmanns, Leiter des Fachbereichs Surveillance und Facharzt für Krankenhaushygiene des RKI, spricht von alarmierenden Ergebnissen. Zwar sei durchaus bekannt, dass antibiotikaresistente Erreger in der Umwelt zu finden sind und sich dort ausbreiten können. Doch das Ausmaß überrasche: In der Art und Vielzahl hatte sie vorher niemand erwartet. In allen überprüften Gewässern waren auch Erreger nachweisbar, bei denen selbst Reserveantibiotika nicht mehr wirken.

Was passiert scheint klar: Wo Antibiotika im Übermaß eingesetzt werden, entstehen resistente Erreger. Regelmäßig in Abwasserkanäle und Kläranlagen eingebrachte Antibiotika bringen auf Dauer entsprechend resistente Keime hervor – die Evolution lässt grüßen.

Nachdem es in Deutschland gelungen war, durch das Reinigen der Industrieabwässer Rhein und Ruhr wieder badefähig zu machen, kommt es nun durch das Fehlverhalten der Bürger (Entsorgung von Arzneimitteln über das Klo) und die kurzsichtige Sorglosigkeit in der Landwirtschaft (massive Antibiotikagabe an Tiere) zu neuen Gefahren – in offenbar allen Gewässern, also Flüssen, Bächen und Seen. Und belastet damit auch unsere Trinkwasserressourcen.

Untersuchung von Klärschlamm und Gülle

Das ist beileibe kein rein nationales Thema: Die weltweite Zunahme antibiotikaresistenter Bakterienstämme wird von der World Health Organization (WHO) als eine der derzeit größten Herausforderungen für die Menschheit angesehen. Um die Einträge von Antibiotika bzw. antibiotikaresistenten Keimen in die Umwelt zu minimieren, soll entsprechend der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (Dart) zukünftig der Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin reduziert werden.

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Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamts, zeigt sich besorgt, sieht große Risiken. Insbesondere Abwässer von Kliniken und Altenheimen sollten stärker überwacht werden. Auch sei es dringend erforderlich, Klärschlamm und Gülle auf das Vorkommen von Antibiotika und resistente Keime zu untersuchen. Und: Zumindest die Großkläranlagen sollten nach Auffassung des UBA mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausgestattet werden. Doch: Wie zielführend kann das mit Blick auf resistente Keime sein?

Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser, ist da eher skeptisch: „Uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass eine vierte Reinigungsstufe multiresistente Keime entfernen kann. Erste Forschungsergebnisse legen eher die Vermutung nahe, dass eine vierte Reinigungsstufe solche Erreger nicht entfernen kann.“

5. Reinigungsstufe soll für Entfernung sorgen

Das vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderte Verbundprojekt Hy-Re-KA erforscht seit 2016 bereits die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien durch Abwasser. Nicht nur theoretisch: Im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm werden Methoden zur verbesserten Elimination von antibiotikaresistenten Bakterien erprobt. Die vierte Reinigungsstufe dient dem Rückhalt von Antibiotikaresten. Eine fünfte Reinigungsstufe ist in Planung; diese soll antibiotikaresistente Bakterien entfernen.

* * Der Autor ist freier Mitarbeiter der PROCESS-Redaktion.

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