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Malaria-Wirkstoff Artemisin Malaria-Wirkstoff-Resistenz vor allem in Südost-Asien

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Resistenzen gegen klassische Therapieformen sind eine Gefahr bei vielen Infektionskrankheiten. Eine groß angelegte Studie hat jetzt die Resistenzen des wichtigsten Malaria-Wirkstoffes Artemisin analysiert. Lesen Sie in diesem Beitrag, in welchen Regionen nach Alternativmethoden gesucht werden muss.

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Die Grafik zeigt die Verteilung der Resistenzen gegen Artemisinin auf der Welt. „Dunkelgrün“ bedeutet, dass faktisch alle Parasiten "normal" (und somit nicht resistent gegenüber Artemisininen) sind, rot (primär in SO-Asien), dass ein sehr hoher Prozentsatz eine Mutation (so genannte K13-Polymorphismen) trägt, die mit Artemisininresistenz verbunden ist (Klicken zum Vergrößern).
Die Grafik zeigt die Verteilung der Resistenzen gegen Artemisinin auf der Welt. „Dunkelgrün“ bedeutet, dass faktisch alle Parasiten "normal" (und somit nicht resistent gegenüber Artemisininen) sind, rot (primär in SO-Asien), dass ein sehr hoher Prozentsatz eine Mutation (so genannte K13-Polymorphismen) trägt, die mit Artemisininresistenz verbunden ist (Klicken zum Vergrößern).
(Bild: Meduni Wien)

Wien/Österreich – Praktisch alle derzeit verfügbaren Malaria-Therapien basieren in irgendeiner Form auf einem Verwandten von Artemisinin, einem Pflanzenstoff, der in den Blüten und Blättern des Einjährigen Beifußes vorkommt. Immer mehr Malaria-Parasiten sind aber resistent gegen Artemisinin – insbesondere in Südostasien. Um die weltweite Verbreitung der Resistenz exakt aufzuzeigen, hat eine internationale Forschergruppe aus mehr als 50 Ländern – unter Leitung des Institut Pasteur in Phnom Penh (Kambodscha) – eine Landkarte der Resistenzen erstellt. An der veröffentlichten Studie waren auch die Meduni Wien unter der Leitung von Harald Noedl und Michael Ramharter sowie die Vetmeduni Vienna (Hans-Peter Fuehrer) beteiligt.

Untersucht wurden insgesamt rund 14.000 Proben, davon insgesamt rund 700 aus den Forschungsgebieten von Michael Ramharter (Universitätsklinik für Innere Medizin I, klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin) in Gabun bzw. von Harald Noedl (Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin) in Bangladesch bzw. Äthiopien. Es ist eines der größten länder- und fächerübergreifenden Projekte in der Geschichte der Malaria-Forschung.

Die Gefahr: Artemisin-restistenter Erreger in Afrika

Das zentrale Ergebnis: „Die Artemisinin-Resistenz ist derzeit ausschließlich auf Südostasien konzentriert, afrikanische Gebiete sind davon noch nicht betroffen. „Noch nicht“, betonen die Meduni-Wien-Forscher. Das genau ist aber bereits seit Jahren die größte Bedrohung in Sachen Malaria: Dass sich in Afrika ein resistenter Erreger entwickelt und weiter fortpflanzt. Ramharter: „Die Nachfahren dieser Parasiten sind wie Klone. Ist einer einmal resistent, sind es praktisch auch alle anderen.“

Die Ausbreitung nach Afrika ist jedoch weiterhin sehr wahrscheinlich, da die Resistenz auf einer genetischen Veränderung basiert, wie frühere Studien gezeigt haben. Vor rund zehn Jahren war man in der Malaria-Forschung noch davon ausgegangen, dass gegenüber Artemisininen dank ihrer neuen Wirkmechanismen und weil sie in Kombination mit anderen Medikamenten verabreicht werden, keine Resistenzen auftreten würden. Noedl: „Das war wohl zu optimistisch gedacht.“ In einer im Jahre 2008 ebenfalls im NEJM erschienen Publikation hatte der Meduni-Wien-Forscher erstmals die Existenz klinischer Resistenz gegenüber Artemisininen nachgewiesen.

Mithilfe der neuen Landkarte der Artemisinin-Resistenz ist es nun möglich, die weitere Entwicklung genau zu beobachten, Verschiebungen schneller zu erkennen und die Kontrolle einer der tödlichsten Seuchen der Menschheit zu optimieren, betonen die Wissenschaftler.

Wichtigster Punkt: Einhaltung der Therapie-Vorgaben

Am wichtigsten bei der Malaria-Therapie ist nach wie vor die strikte Einhaltung der Therapie-Vorgaben. Das ist aber nicht nur in Afrika immer noch ein Problem. Noedl erklärt: „Wenn jemand das Medikament über drei Tage nehmen soll, aber nach ein oder zwei Tagen damit aufhört, weil die Symptome weg sind und es ihm gut geht, dann bleiben Erreger übrig, die nicht eliminiert werden konnten. Das ist das Umfeld, in dem Resistenzen entstehen.“ In Südostasien ist die Resistenz vermutlich auch deswegen entstanden, weil es viel weniger Malaria-Fälle gibt und der Selektionsdruck daher größer ist. Ramharter: „Einem resistenten Parasiten unter 100 fällt es eben leichter, sich durchzusetzen und das Resistenz-Gen weiterzugeben, als einem unter vielen Tausenden.“

Originalpublikation: „A Worldwide Map of Plasmodium falciparum K13-Propeller Polymorphisms.“; Didier Menard, H. Noedl, M. Ramharter, H.P. Fuehrer et al. N Engl J Med 2016;374:2453-64. DOI: 10.1056/NEJMoa1513137.

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