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Tuberkulose Meeressäuger brachten die Tuberkulose in die Neue Welt

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Meeressäuger wie Robben und Seelöwen haben die Tuberkulose von Afrika an die Küsten Perus getragen. Und das deutlich vor der Ankunft der Europäer in der Neuen Welt. Das zeigt eine Studie, in der Wissenschaftler 1000-jährige menschliche Skelette aus Peru analysierten und Hinweise auf eine frühe Übertragung der Infektion von Robben auf Menschen entdeckten. Diese Erkenntnisse könnten die zukünftige Entwicklung von Impfstoffen gegen die Tuberkulose beeinflussen.

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Bereits vor den spanischen Eroberern, brachten Meeressäuger wie Seelöwen und Robben die Tuberkulose nach Amerika.
Bereits vor den spanischen Eroberern, brachten Meeressäuger wie Seelöwen und Robben die Tuberkulose nach Amerika.
(Bildquelle: goruma.de)

Tübingen – Die Tuberkulose ist offenbar nicht von den spanischen Eroberern, sondern zuvor bereits von Meeressäugern nach Amerika eingeschleppt worden. Wie ein internationales Forscherteam, koordiniert durch Professor Johannes Krause vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen, feststellen konnte, kam der Erreger deutlich vor der Ankunft der Europäer in die Neue Welt. Wahrscheinlich wurden die ersten Tuberkulosebakterien von Seelöwen und Robben auf Menschen in Südamerika übertragen. Darauf deutet die Analyse von rund 1.000 Jahre alten Skeletten hin. Darüber hinaus fanden die Forscher Hinweise darauf, dass sich die gefährliche Infektionskrankheit vermutlich erst vor rund 6.000 Jahren entwickelte.

Tuberkulose – jeder dritte Mensch infiziert sich

An der Tuberkulose sterben auch heute noch jedes Jahr ein bis zwei Millionen Menschen weltweit. Jeder dritte Mensch infiziert sich mit dem Erreger der Krankheit. Die Infektion ist schwer einzudämmen, da zahlreiche mehrfach resistente Bakterienstämme auftreten. Über den Ursprung der Krankheit wurde lange diskutiert. Wissenschaftler nahmen bisher an, dass sich die Tuberkulose parallel zur Evolution des Menschen in Afrika entwickelte und vor Zehntausenden von Jahren über dessen Hauptwanderrouten ausbreitete. Heutige Tuberkulosestämme aus der Neuen Welt sind eng mit europäischen Formen verwandt. Dies ließ vermuten, dass die Bakterien über den Kontakt mit spanischen Eroberern nach Amerika kamen. Allerdings zeigen mehr als 1.000 Jahre alte Skelette und Mumien aus Nord- und Südamerika charakteristische Veränderungen am Knochen, die darauf hinweisen, dass die Infektion bereits mehrere Hundert Jahre vor der Eroberung durch die Europäer aufgetreten sein muss.

Die Tübinger Forscher untersuchten zusammen mit Kollegen von der Arizona State University, dem britischen Wellcome Trust Sanger Institute und dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut drei mehr als 1.000 Jahre alte Tuberkuloseopfer aus Peru. Dabei analysierten sie das gesamte Genom der Krankheitserreger, die aus den sterblichen Überresten isoliert werden konnten. „Wir sind aufgrund der Veränderungen an diesen Skeletten und neueren molekularen Nachweisen davon ausgegangen, dass es sich dabei um eine Form der Tuberkulose handelte“, sagt Jane Buikstra von der Arizona State University. „Wie jedoch diese älteren Tuberkulosestämme mit den aktuell auf dem amerikanischen Kontinent zirkulierenden Stämmen zusammenhängen, lag völlig im Dunkeln“, erklärt Anne Stone, Professorin der Anthropologie an der gleichen Universität.

Hinweise auf frühe Übertragung der Tuberkulose von Robben auf Menschen

Die Forscher stellten fest, dass die engsten Verwandten dieser alten Erregerstämme heute bei Robben und Seelöwen vorkommen. Außerdem ergaben ihre Analysen, dass die Tuberkulose in der Form, wie wir sie heute kennen, viel jünger sein könnte als ursprünglich angenommen. Sie trat möglicherweise erst vor etwa 6.000 Jahren auf. „Die Verwandtschaft zwischen den alten Erregern aus Menschen und den Bakterien in Seelöwen ergab sich völlig unerwartet“, kommentiert Sebastien Gagneux vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut die Ergebnisse. „Dieser Stamm löst heute bei Menschen noch Erkrankungen aus, aber er ist sehr selten und sicherlich nicht für die üblichen Tuberkuloseinfektionen beim Menschen verantwortlich.“

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