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Quartalszahlen Merck rechnet mit leichtem Umsatzwachstum im laufenden Jahr

Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Im ersten Quartal 2015 ist Merck in allen drei Unternehmensbereichen – Healthcare, Life Science und Performance Materials – gewachsen. Die Regionen Asien-Pazifik und Lateinamerika trugen hauptsächlich dazu bei.

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Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Merck-Geschäftsleitung: "Wir werden 2015 in erheblichem Maß in die Immunonkologie inverstieren."
Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Merck-Geschäftsleitung: "Wir werden 2015 in erheblichem Maß in die Immunonkologie inverstieren."
(Bild: Merck (Harald Nägele))

Darmstadt – Merck hat im ersten Quartal des Jahres 2015 ein starkes Umsatzwachstum erzielt. Auch das EBITDA vor Sondereinflüssen des Unternehmens, das auf Healthcare, Life Science und Performance Materials spezialisiert ist, stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal an.

„Wir freuen uns, dass alle drei Unternehmensbereiche trotz eines herausfordernden Umfelds gewachsen sind“, sagte Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Merck-Geschäftsleitung, bei der Vorstellung der Unternehmensdaten. „Auch für das Gesamtjahr 2015 rechnen wir unverändert mit einem leichten organischen Umsatzwachstum.“

Die Umsatzerlöse des Merck-Konzerns stiegen im ersten Quartal 2015 um 15,7 % auf 3,0 Milliarden Euro – in ersten Quartal 2014 waren es 2,6 Milliarden. Die Umsätze wuchsen um 1,3 %. Außer deutlich spürbaren positiven Währungseffekten in Höhe von 8,9 % seien auch Portfolioeffekte aufgrund der Integration von AZ Electronic Materials in Höhe von 5,5 % zum Tragen gekommen, heißt es.

Alle drei Unternehmensbereiche des Konzerns erzielten Umsatzsteigerungen. Dabei trieb Kley zufolge vor allem das Geschäft in den Berichtsregionen Asien-Pazifik und Lateinamerika das Umsatzwachstum an.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen, die wichtigste Ertragskennzahl des Konzerns, stieg – getragen von der guten operativen Entwicklung und dem günstigen Währungsumfeld – um 5,7 % auf 853 Millionen Euro – im ersten Quartal 2014 waren es 807 Millionen Euro.

Als dämpfend erweisen sich höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, die vor allem aus der intensivierten Forschung im Bereich der Immunonkologie herrühren. Auch höhere Aufwendungen für Marketing und Vertrieb sowie der Wegfall von Lizenzerlösen, die bereits im zweiten Quartal des Vorjahres ausgelaufen waren, wirkten sich negativ auf das EBITDA vor Sondereinflüssen aus.

Das EBIT des Konzern stieg um 2,5 % auf 480 Millionen Euro. Das Konzernergebnis fiel in den ersten drei Monaten des Jahres um 13,4 % auf 282 Millionen Euro. Es wurde den Angaben zufolge belastet durch die Finanzierungskosten im Vorfeld der geplanten Sigma-Aldrich-Akquisition.

Unter Berücksichtigung des 2014 erfolgten Aktiensplits belief sich das Ergebnis je Aktie vor Sondereinflüssen im ersten Quartal 2015 auf 1,12 Euro – im ersten Quartal 2014 war es 1,15 Euro. Die Nettofinanzverbindlichkeiten konnten zum 31. März 2015 auf 78 Millionen Euro gesenkt werden. Am 31. März 2015 beschäftigte Merck weltweit 39.842 Mitarbeiter.

Umsatzerlöse stiegen um 7,4 %

Der Unternehmensbereich Healthcare erzielte im ersten Quartal 2015 ein Umsatzwachstum von 0,3 %. Unter Berücksichtigung positiver Währungseffekte in Höhe von 7,1 % stiegen die Umsatzerlöse insgesamt um 7,4 % auf 1,7 Milliarden Euro. Zum Wachstum trugen vor allem die Medikamente zur Behandlung von Diabetes (Glucophage) und von Herz-Kreislauferkrankungen (Concor) bei.

Unter Berücksichtigung positiver Währungseffekte wuchsen die Umsätze auf 164 Millionen Euro. Höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, die besonders in Projekte der Immunonkologie flossen, ausgelaufene Lizenzerlöse und die Rückgänge beim Multiple-Sklerose-Medikament Rebif – einem wichtigen Umsatzträger – überwogen positive Währungseffekte, sodass das EBITDA vor Sondereinflüssen des Unternehmensbereichs Healthcare im ersten Quartal 2015 um 3,8 % auf 461 Millionen Euro zurückging.

„Wir werden 2015 in erheblichem Maß in die Immunonkologie investieren und gemeinsam mit Pfizer auf diesem noch jungen Forschungsgebiet eine starke Position aufbauen. Avelumab zur Behandlung von nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom ist vor kurzer Zeit in die klinische Phase III gegangen. Bis zu fünf weitere zulassungsrelevante Studien sollen dieses Jahr noch starten, unter anderem für Magenkrebs und Blasenkrebs“, sagte Kley.

Gute Entwicklung von Process Solutions

Der Unternehmensbereich Life Science verzeichnete im ersten Quartal 2015 ein moderates Umsatzwachstum von 3,4 %, das hauptsächlich von der guten Geschäftsentwicklung von Process Solutions getragen sein soll. Besonders erfreulich habe sich der Umsatz in Nordamerika entwickelt, heißt es. Unter Berücksichtigung deutlich positiver Währungseffekte in Höhe von 9,8 % und des Verkaufs des Geschäftsfelds Discovery and Development Solutions stiegen die Umsatzerlöse um 12,4 % auf 738 Millionen Euro.

Die Geschäftseinheit Process Solutions, die Vorprodukte für die Arzneimittelherstellung herstellt, erwirtschaftete einen Umsatzzuwachs von 5,4 %. Haupttreiber sei die steigende Nachfrage aus der Biotechnologie-Branche nach Einweglösungen sowie Produkten zur Aufreinigung gewesen, heißt es.

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Die Geschäftseinheit Lab Solutions erzielte mit ihrem breiten Spektrum an Produkten für die Forschung und wissenschaftliche Labore ein Umsatzwachstum von 2,2 %. Die Geschäftseinheit Bioscience, die hauptsächlich Produkte und Dienstleistungen für akademische und pharmazeutische Forschungslabors anbietet, verzeichnete ein Umsatzwachstum von 0,5 %.

Flüssigkristall-Technologien blieben robust

Die Umsatzerlöse des Unternehmensbereichs Performance Materials, dem Spezialchemikaliengeschäft von Merck, wuchsen im ersten Quartal 2015 sehr stark um 53,4 % auf 617 Millionen Euro – im ersten Quartal 2014 waren es 402 Millionen. Die wesentlichen Ursachen dafür waren Merck zufolge der zusätzliche Umsatzbeitrag durch die AZ-Akquisition (37,0 %) sowie deutliche Währungseffekte (14,8 %). Zum Anstieg des Umsatzes um 1,6 % trugen alle Geschäftseinheiten bei.

Die neu geschaffene Geschäftseinheit Display Materials, bestehend aus dem erfolgreichen Flüssigkristallgeschäft von Merck und den komplementären AZ-Geschäft mit Display-Materialien, profitierte besonders von der energiesparenden UB-FFS-Technologie, die in Flüssigkristall-Displays mobiler Endgeräte der neuesten Generation eingesetzt wird. Auch die etablierten Flüssigkristall-Technologien zeigten sich den Angaben zufolge jedoch robust und profitierten von der Nachfrage nach hochwertigen Fernsehern, zum Beispiel Ultra-HD-Geräten mit immer größerer Bildschirmdiagonale.

Die umbenannte Geschäftseinheit Pigments & Functional Materials (vorher Pigments & Cosmetics) erzielte im ersten Quartal 2015 ein leichtes Umsatzwachstum. Wachstumsträger waren Pigmente für Lackanwendungen und dabei vor allem die Xirallic-Produktfamilie, die insbesondere in Automobillacken zum Einsatz kommt.

In der Geschäftseinheit Integrated Circuit (IC) Materials ist das AZ-Geschäft mit Materialien für die Produktion integrierter Schaltkreise gebündelt. Die Umsätze mit IC-Materialien wiesen gegenüber den vergleichbaren Vorjahresdaten einen moderaten Anstieg auf. Aufgrund gestiegener Nachfrage nach OLED-Displays und LED-Phosphoren wuchs laut Merck auch die Geschäftseinheit Advanced Technologies organisch.

Positive Währungseffekte erwartet

Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen unverändert mit einem leichten organischen Umsatzwachstum und einem leichten Portfolioeffekt aufgrund der Berücksichtigung von AZ über ein volles Geschäftsjahr. Diese Entwicklung werde durch stark positive Währungseffekte unterstützt, so das Unternehmen.

In Summe geht Merck von einem Anstieg der Umsatzerlöse auf 12,3 bis 12,5 Milliarden Euro im Jahr 2015 aus. Für das EBITDA vor Sondereinflüssen will das Unternehmen zwischen 3,45 und 3,55 Milliarden erreichen, trotz erhöhter Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen im Unternehmensbereich Healthcare, der rückläufigen Entwicklung von Rebif in den USA und Europa sowie dem Wegfall von Lizenzeinnahmen.

Der Business Free Cash Flow wird Merck zufolge voraussichtlich zwischen 2,4 und 2,5 Milliarden Euro liegen.

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