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Chemiepark Mikro- und Nanotechnologie als Wachstumsmotor

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Wie soll sich ein Chemieparkbetreiber heute im nationalen und internationalen Wettbewerb positionieren? Dr. Ernst Grigat, Leiter des Chemparks Leverkusen will über die klassische Chemie hinaus neue Themenfelder erschließen und setzt u. a. auf innovative Werkstoffe.

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Currenta stellt den Kunden umfassende, speziell auf ihren Bedarf hin zugeschnittene Analytik-Services zur Verfügung. (Bilder: Currenta)
Currenta stellt den Kunden umfassende, speziell auf ihren Bedarf hin zugeschnittene Analytik-Services zur Verfügung. (Bilder: Currenta)
( Archiv: Vogel Business Media )

LaborPraxis: Herr Dr. Grigat, seit November des vergangenen Jahres besteht eine Partnerschaft zwischen dem Nanjing Chemical Industry Park und dem Chempark. Welche Intention verfolgen Sie mit dieser Partnerschaft?

Grigat: Wir sehen diese Partnerschaft wie eine Brücke. Sie eröffnet uns Kontakte zu chinesischen Produktionsfirmen, die in Zukunft in Europa investieren möchten. In der Vergangenheit ist dieser Investitionswunsch eher der Ausnahmefall gewesen. Aber die chinesische Volkswirtschaft wächst seit Jahren so dynamisch wie keine zweite in der Welt. Führende chinesische Unternehmen wachsen mit. Und wir stellen fest, dass chinesische Unternehmen mittlerweile nicht nur über Vertriebsniederlassungen, sondern auch über die Produktion in Europa nachdenken. Darüber hinaus tauschen wir uns zu Sachfragen aus, und unterstützen einander bei Marketingaktivitäten. Das Ziel auf deutscher wie auf chinesischer Seite ist, den jeweiligen Markt und die Mentalität des Gegenübers noch besser kennenzulernen.

LaborPraxis: Können Sie bereits abschätzen, wie hoch das Interesse chinesischer Investoren am Chempark ist?

Grigat: Europa, insbesondere Deutschland, ist für China ein strategisch wichtiger Markt. Und vom Chempark aus können unsere Gesprächspartner diesen Markt sehr gut bedienen. Wir haben in den vergangenen Monaten spannende Kontakte knüpfen können, die ausbaufähig sind. Eine Produktion in Deutschland ist für die meisten chinesischen Firmen Neuland, an das sie sich erst herantasten müssen. Dazu ist ihnen ein Partner sehr willkommen, der bereits Verbindung zu China hat.

LaborPraxis: Der Chempark steht im Wettbewerb zu europäischen Standorten wie Antwerpen oder Rotterdam. Mit welchen Argumenten positionieren Sie sich gegenüber internationalen Kunden?

Grigat: Im Gegensatz zu den auf reine Großproduktionen ausgerichteten Standorten bietet der Chempark in Leverkusen die gesamte Kette von Forschung über Pilotierung bis zur Produktion. Das ist sowohl für Großunternehmen interessant als auch für innovative Unternehmen aus dem Mittelstand. Dazu kommt die einzigartige Lage in direkter Nähe zu den großen Ballungsgebieten. So sind rund 350 Millionen Verbraucher vom Chempark aus binnen einer LKW-Tagesreise erreichbar. Ebenso bieten wir einen kurzen Weg zu zahlreichen potenten Projekt- und Entwicklungspartnern. Wir sind gerade dabei, dies im „Netzwerk Innovative Werkstoffe“ aktiv zu bündeln und zu verstärken.

LaborPraxis: Currenta hat „Innovative Werkstoffe“ als Schlüsselthema des Chemparks ausersehen. Was hat Sie dazu bewegt, sich dieses Themas anzunehmen?

Grigat: Das Thema „Innovative Werkstoffe“ nimmt innerhalb unserer Zukunftsstrategie einen entscheidenden Stellenwert ein. Der Chempark möchte über die klassische Chemie hinaus neue zukunftsträchtige Themenfelder erschließen, Innovationspotenziale ausloten und für Neuansiedlungen attraktiver werden. Bio-, Mikro- und Nanotechnologie eröffnen neue Chancen für ein zukünftiges Wachstum. Zu diesem Zweck streben wir ein Netzwerk mit Unternehmen, Verbänden und Hochschulen an und haben hierzu bereits zahlrei-che Gespräche geführt. Unser Ziel ist eine breite interdisziplinäre Vernetzung der Firmen, sowohl innerhalb des Chempark als auch innerhalb der Region und eine daraus resultierende gesteigerte Attraktivität für Investoren.

LaborPraxis: Wie sieht derzeit die Wertschöpfungskette aus, und welche neuen Partner haben Sie mit dieser Fokussierung im Visier?

Grigat: Am Anfang der Wertschöpfungskette stehen die in Mikro- und Nanotechnologie forschenden Universitäten, Institute und Unternehmen. Ihre Ergebnisse ermöglichen es, neue Materialeigenschaften zu definieren. Rohstofferzeuger wie die Firmen im Chempark setzen diese Möglichkeiten um. Anschließend finden die von ihnen hergestellten neuen Materialien Eingang in Branchen wie Energieerzeugung, Automobilbau oder Medizintechnik. So verfügen wir heute über effizientere Windkraft-Rotoren, langlebigere Automobilbremsen oder schmutzabweisende Lacke. Wir befinden uns aber noch lange nicht am Ende dieser Entwicklung. Und um die herausragende Stellung des Chempark als Produktionsstandort für hochwertige Zwischenprodukte und Werkstoffe weiter zu festigen, bauen wir zusätzlich zum stofflichen Produktionsverbund den Wissensverbund über beispielsweise gezielte Kooperationen zu einzelnen Hochschulen in der Region aktiv aus. Wir sind damit nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für kleine und mittelständische innovative Firmen ein attraktiver Standort.

LaborPraxis: Welche konkreten Infrastrukturangebote können Sie ansiedlungswilligen Partnern machen?

Grigat: Für potenzielle Investoren stehen im Chempark Leverkusen voll erschlossene Freiflächen unterschiedlicher Größe zur Verfügung. Verkehrstechnisch ist der Chempark über Schiene, Straße, Wasser und auch Luft bestens zu erreichen. Die internationalen Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn liegen nur eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Und über den Schifffahrtsweg Rhein besteht eine direkte Anbindung an die internationalen Seehäfen Antwerpen und Rotterdam. Alle Partner können auf ein dichtes Netz aus rund 10 000 Stoffen und Produkten zugreifen. Currenta, der Manager und Betreiber des Chempark, versorgt seine Kunden zusätzlich mit bedarfsgerechter nachhaltiger Ver- und Entsorgung. Zahlreiche Unternehmen bieten ihre Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Bedingungen an unseren Standorten an.

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