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Use case einer LIMS-Einführung Mit LIMS und Chemie gegen Corona

Autor / Redakteur: Mark Schneider* / Christian Lüttmann

Mit virenabweisender Textilbeschichtung nimmt das ETH-Spin-Off HEIQ den Kampf gegen das Coronavirus auf. Die Entwicklung erforderte neben chemischer Finesse auch das nötige IT-Equipment – in Form eines Labor-Informations und Management-Systems (LIMS). Ein Mitarbeiter berichtet von der erfolgreichen LIMS-Einführung.

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Abb.1: Eine Tetxtilbeschichtung mit Silberionen und Liposomen soll effektiv Viren und Bakterien abtöten. Ihre Entwicklung gab dem Unternehmen HEIQ den Anstoß, ein LIMS zu beschaffen.
Abb.1: Eine Tetxtilbeschichtung mit Silberionen und Liposomen soll effektiv Viren und Bakterien abtöten. Ihre Entwicklung gab dem Unternehmen HEIQ den Anstoß, ein LIMS zu beschaffen.
(Bild: HeiQ)

In den Gebäuden von HEIQ bei Schlieren in der Schweiz herrscht Hochbetrieb. Während woanders mit Auftragseinbrüchen zu kämpfen ist, hat die Covid-19 Pandemie hier für einiges an Mehrarbeit gesorgt: Die Menschen verlangen nach Lösungen, um die Ausbreitung der Infektionskrankheit zu verlangsamen. Für die HEIQ-Belegschaft inklusive Produkt-Manager Helmut Sieber bedeutet dies kurze Nächte. Denn hier hat man sich vorgenommen, mit einer funktionalen Textilbeschichtung den Kampf gegen das Coronavirus aufzunehmen.

„Epidemien sind nichts Neues für uns. Schon seit Jahren befassen wir uns mit Bakterien und Viren, sie sind sozusagen unsere Laborratten“, sagt der Chemie-Ingenieur. „Schon bei der ersten SARS-Pandemie im Jahr 2003 haben wir intensiv mit virenabweisenden Substanzen experimentiert. Für uns war das ein warnendes Beispiel dafür, dass in einer globalisierten Welt die nächste Pandemie sicher einmal kommen würde. Für Covid-19 konnten wir die Entwürfe dann aus der Schublade nehmen und weiterentwickeln“, erklärt Sieber den Entwicklungsprozess. Aus diesen Entwürfen entstand der HEIQ Viroblock NPJ03, eine Mischung aus Vesikel- und Silbertechnologie, die einerseits die Replikation des Virus hemmt und darüber hinaus das Virus selbst zerstört (s. Abb. 1).

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Weg von „steinzeitlichen“ Exceltabellen…

Die Entwicklung spezialisierter Textilchemie ist allerdings viel mehr als eine rein chemische Herausforderung, sie stellt auch hohe Erwartungen an die IT-Systeme im Labor. HEIQ ist hier wohl einen ähnlichen Weg gegangen, wie ihn viele Labore gehen müssen, und kann von so manchen Erfahrungen berichten. „Früher hatten wir sämtliche Probedaten in Exceltabellen gepflegt, was die Nachvollziehbarkeit und Auswertbarkeit der Daten sehr erschwerte“, erinnert sich Sieber mit einem Schauern. „In einer Exceltabelle kann immer nur ein Mitarbeiter gleichzeitig arbeiten und es fehlt die Übersicht über die einzelnen Aktionen. Ein Zustand wie in der Steinzeit.“ Die Geschäftsleitung hat sich deshalb auf die Suche nach einem modernen LIMS gemacht und ist auf Limsophy LIMS gestoßen.

… hin zum modular anpassbaren LIMS

Die Laborsoftware Limsophy ist das Flaggschiff von AAC Infotray. Sie lässt sich optimal an die Bedürfnisse von Auftrags-, Forschungs- und Betriebslaboren anpassen. Mit Limsophy LIMS hat HEIQ einen großen Fortschritt bei der Digitalisierung seiner Laborprozesse gemacht. In den weltweit verteilten Labors von HEIQ arbeiten nun über 20 Personen mit der Laborsoftware. „Wenn wir uns auf den Weg von Labor 4.0 begeben wollen, brauchen wir ein starkes System, welches komplexe Sachverhalte abbilden kann“, sagt Sieber zufrieden. „Bei der Evaluation der neuen Software haben wir uns damals viel Zeit genommen.“ Die Softwarelösung von AAC Infotray stellte sich als am besten geeignet für die Prozesse von HEIQ heraus. Denn Limsophy LIMS lässt sich mit seinem modularen Ansatz sowohl an Forschungs- als auch an Auftragslabore anpassen. Beides betreibt HEIQ in den eigenen Gebäuden.

Modulweise zum ideal ausgelegten System

Limsophy LIMS besteht aus einer Basissoftware, die modular erweitert und exakt an das jeweilige Labor angepasst wird. Wenn man mit Sieber durch die Labore von HEIQ geht, erkennt man die Zufriedenheit der Mitarbeiter, die sich nun stärker auf die eigentliche Laborarbeit fokussieren können. „Hier in Schlieren arbeiten wir stärker mit den Modulen Probenaufträge, Ergebnisse, Projekte, Substanzverwaltung und Prüfmethoden, während in anderen Büros die Rechnungsstellung oder Adressverwaltung im Zentrum stehen“, erklärt der Produkt-Manager. Sehr wichtig für das international ausgelegte Unternehmen ist die Mehrsprachigkeit des Systems. Wie Sieber erklärt, müssen er und seine Kollegen einen Prozess nur in einer Sprache definieren und das System übersetzt die Definitionen umgehend in die gewünschte Sprache. Auftraggeber aus verschiedenen Teilen der Welt lassen sich einfach Über den Webzugang von Limsophy in die Laborabläufe integrieren. „Sie können u.a. Aufträge erfassen, den Fortschritt der Probenbearbeitung verfolgen und Prüfberichte abholen“, sagt Sieber.

Signifikant gesteigerte Effizienz durch LIMS

Der Chemie-Ingenieur fühlt sich wohl auf der Schnittstelle zwischen Produktentwicklung, Auftragsanalytik und anderen Businessapplikationen. Er nennt seinen Arbeitsplatz ein „digitales Ökosystem“. Als verantwortlicher LIMS-Systembetreuer unterstützt und fördert er die Digitalisierung der Laborprozesse bei HEIQ: „Seit der Einführung von Limsophy LIMS erleben wir eine signifikante Effizienzsteigerung in unseren Labors. Die Automatisierung des Datenmanagements wird laufend ausgebaut. Standardaufgaben werden schneller, qualitativ besser und sicherer erledigt.“ Auf immer noch bestehende Hindernisse angesprochen, lacht er verschmitzt: „Gerade vorher hat das System einen Fehler generiert, da musste ich mich hineindenken. Das System stellt hohe Anforderungen an die Logik der Anwender.“ Wenn man solchen Fehlern in den Prozessen aber auf den Grund geht und sie behebt, belohnt einen das LIMS langfristig gesehen mit effizienteren Arbeitsabläufen, schnelleren Probendurchsätzen und zuverlässigeren Daten.

Enge Zusammenarbeit ist entscheidend

Wie bei der Einführung eines LIMS üblich, ist die Arbeit auch nach dem offiziellen Start im Betrieb nicht abgeschlossen. HEIQ entwickelt seine Produkte gegen Covid-19 in enger Zusammenarbeit mit den Entwicklern von Limsophy LIMS weiter. „Wir sind schon fast eine Familie geworden“, sagt Sieber mit einem Lachen. „Das Team von AAC Infotray ist hochprofessionell, jeder Supporter oder Projektleiter verfügt über eine naturwissenschaftliche Ausbildung und versteht unsere Bedürfnisse auf Anhieb.“

Dieser intensive Austausch habe schon zu so mancher guten Idee geführt und viele Prozesse seien bereits deutlich effizienter als vor der LIMS-Einführung. Sieber schätzt vor allem die starken Parametrierungsmöglichkeiten von Limsophy und den guten Support von AAC Infotray: „Das ist das Digitalisierungsfundament, welches wir für unsere tägliche Arbeit brauchen.“

Beim Blick in die Zukunft sieht Sieber sich in seinem Unternehmen auch in Krisenzeiten gut aufgestellt: „Der Bedarf an virenabweisenden Textilien wird garantiert ansteigen, sei dies bei Masken, Handtüchern, Kleidung, bis hin zur Flugzeugbestuhlung. Aber ich will kein Prophet sein, ich will einfach, dass meine Daten stimmen.“

Ergänzendes zum Thema
Textilindustrie in der Schweiz

HEIQ wurde 2005 als Spin-Off-Unternehmen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) gegründet und hat sich seither einen Namen in der Textilveredelungsbranche gemacht. Damit führt es indirekt eine in der Schweiz schon lange ansässige Branche fort. Denn vor kaum 100 Jahren war die Schweiz noch ein wichtiger Produzent von Baumwoll- und Seidenstoffen und weltweit führend im Baumwollhandel. Die wasserreichen Voralpenregionen mit ihren Flüssen und Seen haben der Textilindustrie, mit ihrem Bedarf an Wasser und Energie, optimale Bedingungen geboten. Heutzutage hat sich der Fokus auf Grundlagenforschung und Dienstleistungen verschoben, wie sie auch HEIQ mit den Funktionstextilien anbietet.

* M. Schneider, AAC Infotray AG, 8400 Winterthur/Schweiz

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