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Dynamik eines Familienunternehmens

„Mit Temperaturen begeistern“

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LABORPRAXIS: Ist das Thema Produktpiraterie für Ihre Produkte akut?

Dr. Wobser: Wir haben bereits Produkte gesehen, die optisch deutliche Ähnlichkeiten mit den unsrigen aufweisen. Sicher haben wir Patente und Gebrauchsmuster, aber die Abwägung ist letztendlich eine wirtschaftliche. Wenn wir unser Innovationstempo weiter erhöhen, können Wettbewerber insbesondere aus dem asiatischen Raum nicht mehr mithalten. Insofern ist das Problem für mich beherrschbar.

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LABORPRAXIS: Gute Nachwuchs- und Fachkräfte sind heiß umworben. Wie gelingt es Ihnen, neue Fachkräfte für Ihr Unternehmen zu begeistern, und wie halten Sie die guten Mitarbeiter?

Dr. Wobser: Viele Mitarbeiter arbeiten gerne bei einem familiengeführten Weltmarktführer. Die Region ist attraktiv und durch unsere drei weiteren Entwicklungs- und Produktionsstandorte sowie unsere Vertriebsgesellschaften bieten wir weltweit Karrierechancen. Außerdem verkaufen wir Premiumgeräte und unsere Mitarbeiter sind durch attraktive Gehälter und sehr gute Arbeitsbedingungen Bestandteil des Erfolgs.

LABORPRAXIS: Wie beurteilen Sie die Ausbildung, insbesondere an Hochschulen und Universitäten? Passt die noch zum Bedarf? Bekommen Sie den Fachkräftemangel zu spüren?

Dr. Wobser: Obwohl die Bewerber weniger werden, bekommen wir im Prinzip die Fachkräfte, die wir brauchen. Die akademische Ausbildung darf nicht verflachen. Ein Bachelor muss eigenständig anspruchsvolle Arbeiten bewältigen können und darf nicht der „Azubi von morgen“ werden.

LABORPRAXIS: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittelfristig in Ihrer Branche positioniert?

Dr. Wobser: Wir haben in unserem Leitbild unseren Nummer-Eins-Anspruch festgeschrieben: Wir wollen mit Temperaturen begeistern. Daran müssen wir uns und unser Handeln messen lassen. Insgesamt bewegen wir uns in einem faszinierenden Markt, der noch viele neue Produkte und Anwendungen zulässt.

LABORPRAXIS: Gibt es Anwender-Branchen, die künftig eine stärkere Rolle für Ihr Unternehmen spielen werden?

Dr. Wobser: Wir konzentrieren uns auf die Medizintechnik und sehen große Chancen in der Automobilindustrie, gerade durch alternative Antriebe. Aber auch die klassischen Kunden in Chemie/Pharmazie und Halbleiter bieten große Potenziale und stehen weiterhin im Mittelpunkt.

LABORPRAXIS: Wird Ihr bisheriges Geschäftsmodell Bestand haben? Oder welche neuen Geschäftschancen sehen Sie?

Dr. Wobser: Unser Geschäftsmodell ist solide. Dennoch: Als über 60-jähriges Unternehmen muss man sich regelmäßig neu erfinden. Aktuell sehe ich eine stärkere Bedeutung von Software und Datenanalyse. Auf deren Basis können neue Verkaufsmodelle entwickelt werden, zum Beispiel die Berechnung pro Nutzungsstunde oder Bezahlung über Energieeinsparung.

LABORPRAXIS: Wie sehen Sie Lauda in 20 Jahren aufgestellt?

Dr. Wobser: Im Wesentlichen so wie heute, aber deutlich digitaler, internationaler und mit einem erweiterten Produktprogramm rund ums Temperieren.

LABORPRAXIS: Und wie wollen Sie die weitere Entwicklung vorantreiben? Präferieren Sie internes Wachstum oder Wachstum durch Akquise?

Dr. Wobser: Da ist tatsächlich eine Balance notwendig. Wir wachsen vorrangig aus uns selbst heraus, konnten aber in den letzten fünf Jahren unser Leistungsangebot durch zwei sehr erfolgreiche Akquisitionen systematisch erweitern.

LABORPRAXIS: Wird der Stellenwert des europäischen Marktes künftig sinken?

Dr. Wobser: Wie oft wurden Wachstumsmärkte außerhalb Europas beschworen und wie oft wurden wir eines Besseren belehrt? Der deutsche Markt ist stark und es sind nicht nur die Anwendungen dort. Zusammen mit der deutschen Industrie gehen unsere Geräte in alle Welt. Die engen Patenschaften mit unseren OEM-Kunden erschließen uns nicht nur neue Anwendungsgruppen, sondern sind für uns ein wichtiger Exportkanal. Ich glaube, der Heimatmarkt Europa wird auch zukünftig die Basis unseres Erfolgs bleiben, auch wenn Märkte wie Asien und Nordamerika kontinuierlich wachsen.

Herr Dr. Wobser, vielen Dank für das Gespräch.

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