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Know-how-Schutz Mittelständler auf illegaler Fachkräfte-Jagd

Umsatzstarke Vertriebsprofis oder Fachleute mit begehrten Nischenqualifikationen sind heiß begehrt. Wenn sie dann auch noch wertvolles Know-how vom Konkurrenten mitbringen, wird eine erfolgreiche Abwerbung zum Hauptgewinn. Entsprechend dreist gehen viele Firmen vor, um Fachkräfte mit Potenzial zum Wechsel zu bewegen.

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Im Innern einer Deckenlampe verbauter Sender bei einem namhaften Automobilzulieferer.
Im Innern einer Deckenlampe verbauter Sender bei einem namhaften Automobilzulieferer.
(Bild: Ultima Ratio)

Gernot Zehner, Experte für Lauschabwehr bei der Ultima Ratio GmbH in Hanau, ist überzeugt: „Die Abwerbung von Mitarbeitern mit illegalen Methoden ist inzwischen eine der größten Bedrohungen für die Wettbewerbsfähigkeit unserer mittelständischen Unternehmen.“

Fachkräftemangel setzt Hemmschwelle vieler Unternehmen drastisch herab

Fachkräftemangel ist ein ernst zu nehmendes Problem, das offenbar die Hemmschwelle vieler Unternehmen drastisch herabsetzt: Schon 2010 verlor der deutsche Mittelstand auf rund 29,4 Mrd. Euro Umsatz, weil wichtige Positionen unbesetzt waren. Eine starke Motivation, sich das dringend benötigte Personal mithilfe von Headhuntern oder auch gänzlich illegalen Methoden zu beschaffen – und nicht selten die Firmengeheimnisse der Konkurrenz gleich noch mit dazu.

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„Immer öfter werden wir von Firmen kontaktiert, die dramatische Abgänge aus Schlüsselpositionen verzeichnen und sich gar nicht erklären können, wie die Konkurrenz an die betreffenden Personen herangekommen ist. Häufig werden wir dann bei unserer Suche fündig“, berichtet Abhörexperte Gernot Zehner von Ultima Ratio.

Achtung: Die Konkurrenz hört mit

Was sich nach einem Agententhriller aus Hollywood anhört, ist nach der Erfahrung von Experten längst im deutschen Mittelstand angekommen: Branchen-Insider schätzen, dass rund 60 Prozent der deutschen Unternehmen schon einmal Opfer eines Lauschangriffs waren oder noch sind. Mit enormem Schadenspotenzial: 40 % der betroffenen Unternehmen verzeichnen anschließend gravierende Umsatzeinbußen und erhebliche Beeinträchtigungen ihrer Geschäftsbeziehungen.

Die „SiFo-Studie – Know-how-Schutz in Baden-Württemberg“ bezifferte bereits 2010 den finanziellen Schaden durch Verrat oder Ausspähung von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen im Einzelfall auf durchschnittlich 171.000 Euro. Trotzdem machen es die meisten Unternehmen ihren Gegnern leicht: Sie sind arglos und denken gar nicht daran, dass jemand in diesem Maße an ihren Interna interessiert sein könnte.

Dabei liefern Wanzen in Besprechungsräumen, Rauchmeldern oder Telefonhörern nicht nur Kunden-, sondern auch wertvolle Mitarbeiter-Informationen an dreiste Lauscher – und solche Informationen sind auch in kleinen Unternehmen mehr als schützenswert. Gut informierte Konkurrenten haben damit leichtes Spiel bei der Ansprache und Abwerbung der besten Kräfte. Die Folgen sind dramatisch und können für das betroffene Unternehmen sogar existenzbedrohend sein.

So können sich Unternehmen schützen

Dagegen halten sich die Kosten für den Lauscher im Rahmen der Portokasse, technisches Verständnis ist heutzutage dafür nicht mehr unbedingt erforderlich – und das Risiko, entdeckt und überführt zu werden, überschaubar, bedauert Lauschabwehr-Profi Gernot Zehner. Auch wenn seine überraschten Kunden sich nach einem Wanzenfund in ihrem Büro oft denken können, wer dahinter steckt, ist ein Nachweis oft schwierig – der Urheber kann dann nicht belangt werden.

Die Abhörtechnik wird in der Regel gut versteckt oder an unzugänglichen Stellen verbaut. Das ist in der Regel die größte Herausforderung für den Lauscher. „Nicht selten werden dazu unauffällige „Service-Kräfte“ ins Unternehmen geschickt – ein Techniker, der im Auftrag der Hausverwaltung die Brandmelder überprüfen soll, oder eine neue Putzfrau der Gebäudereinigungsfirma, die an einem anderen Tag für eine erkrankte Kollegin einspringt. Hier sollten Empfangsmitarbeiter und Unternehmensführung hellhörig werden und unbedingt die Herkunft der ungebetenen Besucher überprüfen!“ rät Lauschabwehr-Experte Zehner.

Gesundes Misstrauen und fachmännische Prüfung

Vorsicht ist auch bei einem Einbruch geboten, bei dem kaum etwas Wertvolles gestohlen wurde. „Auch wenn die Freude zunächst groß ist, dass die neuen Laptops auf dem Schreibtisch liegen gelassen wurden: Betroffene sollten misstrauisch sein, ob hinter dem Vorfall nicht etwas ganz anderes steckt und es nur wie ein Einbruch aussehen sollte“, warnt Zehner von Ultima Ratio.

Wer erst im Nachhinein Verdacht schöpft oder bereits mit den Folgen konfrontiert ist, sollte umgehend handeln: Wurden in Büros oder Besprechungsräumen Wanzen versteckt, sind entsprechende hochwertige Geräte, modernste Technik und vor allen Dingen Erfahrung nötig. Von eigenen Such-Anstrengungen rät der Lauschabwehr-Experte Gernot Zehner ab: Die im Handel angebotenen Geräte zum Abhörcheck in Eigenregie sind „praktisch durchwegs ihr Geld nicht wert. Unternehmer, die einen Lauschangriff befürchten und auf Nummer Sicher gehen wollen, sollten sich unbedingt professionelle Hilfe holen.“

Der Artikel ist zuerst auf unserem Schwesterportal MM Maschinenmarkt erschienen.

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