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Mobiles Labor Mobiles Labor im Kampf gegen Aids in Südafrika

| Redakteur: Doris Popp

Ein weißer Truck mit der Aufschrift „mobile lab“ ist seit Mai 2011 in der Provinz Westkap in Südafrika unterwegs. Das mobile Sicherheitslabor ist eine gemeinsame Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT und Bischoff und Scheck Fahrzeugtechnik, einem Unternehmen für Spezialfahrzeuge.

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Seit Mai 2011 ist das mobile Diagnostiklabor in Südafrika unterwegs. (Bild: Bernd Müller/Fraunhofer)
Seit Mai 2011 ist das mobile Diagnostiklabor in Südafrika unterwegs. (Bild: Bernd Müller/Fraunhofer)

St. Ingbert – Das rollende Sicherheitslabor der biologischen Sicherheitsstufe 3 ist für den Umgang mit hochinfektiösen Erregern sowie modernste Kryotechnologie zum Einfrieren von Blutproben geeignet. Infektionskrankheiten wie Aids und Tuberkulose sollen somit dort bekämpft werden, wo die Ausbreitung dieser Krankheiten am größten, aber die medizinische Infrastruktur nicht oder nur unzureichend vorhanden ist. Für die betroffenen Patienten bedeutet der Kampf gegen die Krankheit auch ein Kampf gegen die Zeit. Wenn die Diagnose „HIV positiv“ lautet, muss die Therapie so schnell wie möglich beginnen. Das mobile Labor bringt die Technik zu den Menschen auf dem Land, die ansonsten keine Möglichkeit haben, sich in das nächste weit entfernte Krankenhaus zu begeben, um sich testen und behandeln zu lassen. Im mobilen Labor können die Testergebnisse vor Ort innerhalb weniger Stunden abgelesen werden.

Die Herausforderung bei der Konzeption des mobilen Labors bestand darin, die hochsensible Technik so zu integrieren, dass diese auch bei schlechten Straßenverhältnissen und extremen klimatischen Bedingungen einwandfrei funktioniert. Das Labor kommt ohne Versorgungsleitungen für Strom, Wasser oder Abwasser aus und kann auf freiem Feld autark betrieben werden. Für die elektrische Energie sorgt ein 65 kW Dieselaggregat mit einem 1000 Liter Dieseltank. Damit nichts in Schieflage gerät, sorgen hydraulische Hubstützen für eine horizontale Ausrichtung des Fahrzeugs. Gefäße mit Zellkulturen werden in einem speziellen Brutschrank kultiviert, der an der Labordecke befestigt ist, um diesen auch in Kurven und auf Steigungen, beim Bremsen und Anfahren immer in einer waagerechten Position zu halten.

Im Sicherheitslabor, der S3-Einheit, darf mit Proben gearbeitet werden, die hochgefährliche Erreger wie HIV und TB enthalten. Der Zugang von Behandlungsraum zum Sicherheitsbereich führt durch eine Personenschleuse. Ultrafeine Luftfilter und ein Durchreiche-Autoklav mit eigenem Wasserkreislauf sorgen dafür, dass keine Viren oder Bakterien im Umlauf gebracht werden. Das Sicherheitslabor ist mit zwei Sterilwerkbänken und einem Sterilisator mit Vakuumdampfsterilisation für kontaminierte Gegenstände ausgestattet. Mit an Bord ist auch eine Kryobank mit bis zu 300 Liter Flüssigstickstoff-gekühlten Behältern zum Einfrieren infektiöser Blutproben. Diese sind mit einem elektronischen Chip versehen, um Verwechslungen auszuschließen, bevor sie bei -195 Grad Celsius tiefgefroren in den Kühlbehältern gelagert werden.

Das rollende Labor ist mit Internetanschluss ausgestattet, auf die gewonnenen Daten kann online zugegriffen werden, eine Fernüberwachung und Steuerung ist per Satellitentelefon möglich. Die Fraunhofer-Forscher wollen den Truck weiterentwickeln, zum Beispiel eine geländegängige Off-Road-Version konzipieren, mit dem auch schwer zugängliche Gebiete erreichbar werden.

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