English China
Suchen

Nachwachsende Rohstoffe Nachwachsende Rohstoffe: Fett- und Schmutzlöser biotechnologisch herstellen

Redakteur: Gabriele Ilg

Immer mehr Alltagsprodukte basieren auf nachwachsenden Rohstoffen. Auch in Putzmitteln finden sich waschaktive Substanzen aus pflanzlichen Ölen und Zucker. Besonders umweltschonend und effektiv sind diese Fett- und Schmutzlöser, wenn sie mithilfe von Pilzen und Bakterien biotechnologisch hergestellt werden. Das hat sich das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB nun zur Aufgabe gemacht.

Firmen zum Thema

Die Forscherin entnimmt Proben aus dem Bioreaktor. (Bild: Fraunhofer IGB)
Die Forscherin entnimmt Proben aus dem Bioreaktor. (Bild: Fraunhofer IGB)

München/Stuttgart – Das hat sich das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB nun zur Aufgabe gemacht. Waschpulver, Spülmittel, Haushaltsreiniger, Hautcremes, Duschgele, Shampoos – sie alle enthalten Tenside. Diese bewirken, dass Schmutz und Fett sich lösen, Haarwaschmittel schäumen und Cremes schnell einziehen. Ein Großteil der Tenside wurde bislang aus Erdöl hergestellt, einem begrenzten fossilen Rohstoff. Die Industrie sucht deshalb nach Alternativen und setzt verstärkt auf Tenside aus nachwachsenden Rohstoffen. Allerdings werden die oberflächenaktiven Substanzen meist chemisch hergestellt.

Das Problem: Die im chemischen Prozess erzeugten Stoffe eignen sich nur für wenige Anwendungen, da sie eine beschränkte Strukturvielfalt aufweisen, ihre Molekülstruktur also wenig komplex ist. Für ein anderes Verfahren haben sich daher die Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB entschieden: Sie stellen Tenside biotechnologisch mithilfe von Pilzen oder Bakterien her. „Wir produzieren Biotenside mikrobiell auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen wie Zucker und Pflanzenöl“, sagt Susanne Zibek, Technische Biologin und Ingenieurin am IGB in Stuttgart. Die Forscherin und ihr Team verwenden Cellobioselipide (CL) und Mannosylerythritollipide (MEL), da diese sich in Tests laut Aussagen des Unternehmens als vielversprechend für den industriellen Einsatz erwiesen haben.

Gegenüber ihren synthetischen Konkurrenten zeichnen sich Biotenside durch eine größere Strukturvielfalt aus. Darüber hinaus lassen sie sich besser abbauen und sind weniger toxisch. Fette lösen sie ebenso gut. Dennoch kommen sie bislang nur in wenigen Haushaltsmitteln und Kosmetika vor, denn die Fertigung ist aufwändig, und die Ausbeute fällt zu gering aus. Zur Marktreife gebracht hat es beispielsweise das Sophoroselipid aus Candida bombicola. Einige Hersteller verwenden es als Zusatz für Haushaltsreiniger.

„Damit die natürlichen Tenside den Massenmarkt erobern, müssen wir die Ausbeute bei der Fermentation verbessern“, sagt Zibek. Um die Produktionskosten zu senken, optimieren die Wissenschaftler den Herstellungsprozess. In einem Bioreaktor kultivieren sie unter ständigem Rühren die Mikroorganismen in einem Nährmedium, das unter anderem aus Zucker, Öl, Vitaminen und Mineralsalzen besteht. Ziel ist es, innerhalb kürzester Zeit hohe Konzentrationen zu erzielen – möglichst viele Mikroorganismen müssen anwachsen. Über den Erfolg entscheiden zahlreiche Faktoren, wie die Sauerstoffzufuhr, der pH-Wert, die Beschaffenheit der Zellen, die Temperatur und die Zusammensetzung der Nährlösung.

Im nächsten Schritt werden die Biotenside von der Fermentationsbrühe getrennt und in Zusammenarbeit mit Projektpartnern aus der Industrie charakterisiert: Welches Biotensid eignet sich für Spülmittel, welches für Ofenreiniger, welches taugt für Kosmetika? Abschließend können die Substanzen enzymatisch verändert und verbessert werden. Sogar aus Abfallprodukten haben die Experten inzwischen Biotenside hergestellt: Der für das Nährsubstrat verwendete Zucker wurde aus Stroh gewonnen.

(ID:32298940)