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Tierversuche Neue Augenmedikamente – Alternative für Tierversuche

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Gesetzliche Vorgaben aber auch der eigene ethische Anspruch treibt Wissenschaftler an, nach Alternativen zu Tierversuchen in der Medikamenten- und Kosmetikbranche zu suchen. Ein Saarländisches Unternehmen züchtet beispielsweise Zellkulturen zur Simulation der Augenhornhaut, um hiermit neue Augenmedikamente zu testen.

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Querschnitt eines 3D-Augenmodells (Zellkultur)
Querschnitt eines 3D-Augenmodells (Zellkultur)
(Bild: Across Barriers)

Saarbrücken – Eine Million Tierversuche wurden jährlich in der EU zur Sicherheitsüberprüfung von Substanzen in der Chemie-, Pharma- und Kosmetikbranche durchgeführt. Vor allem die Versuche für die Kosmetikindustrie standen dabei in der Kritik. Die EU reagierte: Seit 1. Januar 2012 dürfen keine Kosmetika mehr auf Tierversuchsbasis entwickelt werden. Und ab 2013 gibt es ein Vermarktungsverbot für alle mithilfe von Tierversuchen entwickelten Kosmetikprodukte und deren Inhaltsstoffe. Die Zeit, Alternativen zu finden drängt. Denn laut Experten ist es mit den bisherigen Ansätzen schwer möglich, das hochgesteckte Ziel kurzfristig zu erreichen.

Zellkulturen als Lösungsansatz

Wie weit sind die Wissenschaftler? Lösungen sind in Sicht: Unterschiedliche Methoden auf Basis von Zellkulturen konnten bereits als erfolgreiche Alternativen zu Tierversuchen identifiziert werden. Basis sind Zelllinien, oder primäre Zellen die den Versuchstieren schonend entnommen und dann im Labor gezüchtet werden. An diesen können die dann folgenden, auch für die offizielle Zulassung notwendigen Laborversuche unternommen werden.

Das saarländische Unternehmen Across Barriers entwickelte ein neues Modell, das bei der Zulassung von Augenmedikamenten eine wichtige Rolle einnehmen kann: „Wir züchten Zellen und simulieren mit diesen die Augenhornhaut. Neue Medikamente werden überprüft und getestet, in dem sie auf das 3D-Modell der Augenhornhaut gegeben werden und Reaktionen beobachtet werden“, sagt Geschäftsführerin Dr. Eleonore Haltner. Auch Untersuchungen von Toxizität bzw. Verträglichkeiten seien möglich: Was passiert beispielsweise, wenn versehentlich Chemikalien ins Auge gelangen. Das von dem pharmazeutischen Forschungsunternehmen entwickelte Modell wurde bereits prevalidiert und die neuesten Ergebnisse werden während einer Konferenz im September 2012 Wissenschaftlern und Behördenvertretern vorgestellt.

Konferenz über Alternativen zu Tierversuchen

Seit 1998 entwickelt das Saarbrücker Unternehmen Across Barriers alternative Methoden um Tierversuche zu vermeiden und gleichzeitig Konsumenten zu schützen. Zukunftsweisend und gesellschaftspolitisch wichtig sei diese Herausforderung, ist sich Across-Barriers-Geshäftsführerin Haltner sicher. Alternativen im medizinischen und kosmetischen Bereich sowie in der chemischen Industrie müssten baldmöglichst gefunden werden, um langfristig die Sicherheit der Verbraucher bei dessen zunehmendem Gebrauch von Kosmetika zu gewährleisten. Haltner ist Vizepräsidentin der European Society for Alternatives to Animal Testing. Jährlich treffen sich dort Wissenschaftler und Behörden, um Forschungsentwicklungen, die Alternativen zu Tierversuchen bieten, weiter voranzubringen um diese von Gesetzesseite offiziell zuzulassen. Across Barriers ist dieses Jahr Mitveranstalter der Konferenz, die vom 4. bis 9. September 2012 im österreichischen Linz stattfindet.

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