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Krankhausinfektionen Neue Sterilisationstechnologien – Keime im Krankenhaus sicher und schnell abtöten

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Todesfälle durch Krankhausinfektionen – wie eine schnelle Sterilisation dies verhindert, beschreibt Dr. Axel Wibbertmann im Interview. Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus

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Dr. Axel Wibbertmann, Leiter des Projekts SteriHealth, Fraunhofer ITEM, im Gespräch mit einer Mitarbeiterin. (Bild: Fraunhofer ITEM)
Dr. Axel Wibbertmann, Leiter des Projekts SteriHealth, Fraunhofer ITEM, im Gespräch mit einer Mitarbeiterin. (Bild: Fraunhofer ITEM)

LP: Herr Dr. Wibbertmann, Hygiene sollte in Krankenhäusern oberstes Gebot sein. Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Patienten im Krankenhaus mit Keimen infizieren, mit zum Teil tödlichen Konsequenzen. Woran liegt das?

Dr. Axel Wibbertmann: Als wesentliche Punkte werden hier immer wieder ein übermäßiger Einsatz von Antibiotika (Zunahme der Resistenzentwicklung) und mangelnde Hygiene in Krankenhäusern, Altersheimen und Arztpraxen diskutiert. Besondere Risikogruppen sind dabei ältere Personen, Kleinkinder und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. Daher werden augenblicklich neue Hygienestandards entwickelt und in der Praxis etabliert.

LP: Sie arbeiten im Projekt „SteriHealth“, bei welchem neue Sterilisationstechnologien effektiv und bezahlbar das Infektionsrisiko senken sollen. Bitte beschreiben Sie das Projekt und die geplanten Verbesserungen genauer.

Dr. Wibbertmann: Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung eines hocheffektiven Hygienesicherungsprozesses, um damit keimfrei verpackte Medizinprodukte für Krankenhäuser, Arztpraxen und Altenpflege bereitzustellen. Die zentrale Herausforderung ist die Entwicklung eines Mini-Sterilisators auf Basis schonender, jedoch hochwirksamer physikalischer Sterilisationstechnologien, um eine Vor-Ort-Sterilisation insbesondere bisher nicht sterilisierbarer Medizinprodukte (z.B. thermolabile Mikrosysteme und zelltherapeutische Präparate) innerhalb weniger Sekunden zu ermöglichen. Augenblicklich lassen sich auch viele bereits verwendete Materialien mit dem derzeit in der Krankenhauspraxis eingesetzten Heißdampf-Sterilisationsverfahren aufgrund der über einen langen Zeitraum auftretenden hohen Temperaturen nicht sterilisieren. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber bisherigen Verfahren ist die schnelle und sichere Sterilisation, die zudem eine sehr kurzfristige Wiederverwendung insbesondere teurer Instrumente erlaubt. In diesem Projekt werden weiterhin entsprechende Verpackungen für die Produkte während der Sterilisation inklusive Kontrolle der Keimfreiheit über die gesamte Lagerzeit entwickelt. Ein Schwerpunkt wird auf der einfachen Bedienbarkeit des Systems für Ärzte/Personal liegen.

LP: Welchen Schwierigkeiten müssen Sie sich hierbei stellen?

Dr. Wibbertmann: Bei der hier zu entwickelnden Sterilisations-Technologie handelt es sich um ein neues, vom Robert-Koch-Institut (RKI) noch nicht zugelassenes Verfahren, d.h. alle Teilprozesse innerhalb des Projektes müssen noch getestet und validiert werden. Dieses beinhaltet z.B. den Nachweis der Wirksamkeit (sichere und reproduzierbare Sterilisation) und der sicherheitstechnischen Unbedenklichkeit, die Auswahl und Testung relevanter Keime, keine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit sterilisierter Medizinprodukte und die Auswahl der optimalen Verpackung inklusive Monitoring der Keimfreiheit über den gesamten Lagerzeitraum.

LP: Bis wann sollen die neuen Technologien umgesetzt werden?

Dr. Wibbertmann: Das Projekt wird von der Fraunhofer-Gesellschaft über drei Jahre gefördert, mit ersten Ergebnissen ist aber bereits im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen.

LP: Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Dr. Wibbertmann: Wir erwarten von diesem Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Minimierung des Infektionsrisikos, da der zu entwickelnde Hygienesicherungsprozess ein hocheffektives Sterilisationsverfahren für medizinisch eingesetzte Materialien preiswert und vor Ort möglich macht. Er wird die gesamte Prozesskette von der Herstellung des Produkts bis zum Monitoring seiner Funktion und Keimfreiheit umfassen. Dieses Projekt führt zu nicht allein auf den Bereich Medizintechnik beschränkten Lösungen, da alle Zweige der hygienerelevanten Produktion z.B. im Pharma- und Lebensmittelbereich auf sichere Technologien zur Keimreduktion angewiesen sind.

LP: Welche Partner sind an dem Projekt „SteriHealth“ beteiligt?

Dr. Wibbertmann: Projektpartner sind die Fraunhofer-Institute IBMT, IZI, FEP, IVV/AVV und IZFP. Die Federführung liegt beim Fraunhofer ITEM. Das Projekt wird zusätzlich von externen Beratern z.B. aus dem Bereich Krankenhaushygiene begleitet.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Wibbertmann.

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