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Zecken Neue Zeckenerkrankung in der Schweiz

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Mikrobiologen der Universität Zürich haben eine neue Erkrankung nachgewiesen, die durch Zeckenstiche übertragen worden ist. Die Patienten litten an hohem Fieber, Gewichtsverlust und Unwohlsein, konnten jedoch mit einer Antibiotikatherapie vollständig geheilt werden. Dank eines neu entwickelten Tests lässt sich die bakterielle Infektion innerhalb eines Tages nachweisen.

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Makroaufnahme der Mundwerkzeuge einer Zecke - gemeiner Holzbock
Makroaufnahme der Mundwerkzeuge einer Zecke - gemeiner Holzbock
(Bild: Richard Bartz, Wikimedia)

Zürich/Schweiz – Bisher war nur bekannt, dass Zecken vornehmlich zwei Krankheitserreger auf den Menschen übertragen: das Bakterium Borrelia burgdorferi – Verursacher der Borreliose – und das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus, welches eine Gehirnentzündung auslösen kann. Nun bestätigen Mikrobiologen der Universität Zürich eine weitere Zeckenerkrankung in der Schweiz – die Neoehrlichiose.

Neues Krankheitsbild erstmals 2010 diagnostiziert

Das pathogene Bakterium Candidatus Neoehrlichia mikurensis wurde 1999 zuerst in Zecken und Nagetieren in Europa und Asien entdeckt. Im Jahr 2010 diagnostizierte Guido Bloemberg, Leiter molekulare Diagnostik am Institut für Medizinische Mikrobiologie, gleichzeitig mit Kollegen aus Schweden und Deutschland die weltweit ersten Infektionen beim Menschen und nannte das Krankheitsbild „Neoehrlichiose“. Zwei weitere Fälle sind zwischen Oktober 2011 und Januar 2012 am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich identifiziert worden – durch Nachweis des Bakteriums im Patientenblut. Bis heute sind in Europa insgesamt acht Patienten beschrieben. Drei davon stammen aus dem Großraum Zürich. Sie litten an Rückfallfieber von bis zu 40°C, Gewichtsverlust und allgemeinem Unwohlsein.

Großraum Zürich ist Risikogebiet

Das Team um Bloemberg untersuchte rund 2000 Zecken aus der unmittelbaren Wohnumgebung der drei Schweizer Patienten, die sich häufig in Wäldern und Wiesen aufhielten. Das Resultat: Im Großraum Zürich trägt eine große Zahl an Zecken, fünf bis zehn Prozent, Candidatus Neoehrlichia mikurensis in sich. „Unsere Untersuchung legt nahe, dass der Grossraum Zürich ein Risikogebiet für Neoehrlichiose ist, insbesondere für immungeschwächte Menschen“, erklärt Florian Maurer vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich. Fast alle der bisher in Europa erkrankten Personen hatten ein geschwächtes Abwehrsystem, allerdings erkrankten in China kürzlich auch immungesunde Patienten nach einem Zeckenbiss an Neoehrlichiose.

Neuer Test weist Infektion schnell nach

„Weil die Bakterien, die die Neoehrlichiose verursachen, bislang nicht im Labor gezüchtet werden konnten und dementsprechend keine Schnelltests vorhanden waren, blieben womöglich viele Infektionen bis anhin unerkannt“, sagt Guido Bloemberg. Abhilfe schafft nun der von den Forschenden neu entwickelte DNA-Test. Dieser kann eine Infektion innerhalb eines Arbeitstages eindeutig nachweisen und auch für größere Reihenuntersuchungen eingesetzt werden.

Die Schweizer Patienten konnten durch eine Antibiotikatherapie vollständig geheilt werden. Bereits einige Wochen nach Beginn der Behandlung war der verursachende Mikroorganismus nicht mehr nachweisbar. „Wie gut das Bakterium jedoch bei einem Stich durch eine infizierte Zecke auf den Mensch übertragen wird, muss noch erforscht werden“, schließt Bloemberg.

Originalpublikation: Florian Maurer, Peter Keller, Christian Beuret, Cornelia Joha, Yvonne Achermann, Jaques Gubler, Daniele Bircher, Urs Karrer, Jan Fehr, Lukas Zimmerli, Guido Bloemberg. Close geographic association of human neoehrlichiosis and tick populations carrying Candidatus Neoehrlichia mikurensis in Eastern Switzerland. Journal of Clinical Microbiology, 31 October, 2012. Doi: 10.1128/JCM.01955-12

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