Suchen

Flussblindheit Neuer Vorstoß gegen die Flussblindheit mit einem Mittel aus der Tiermedizin

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die durch den Stich der Kriebelmücke übertragene Flussblindheit betrifft 25 Millionen Menschen in Afrika. Ein Medikament aus der Tiermedizin soll infizierten Menschen helfen und vor Blindheit bewahren.

Firmen zum Thema

Ein Wurmmittel für Hunde könnte als wertvolles Medikament gegen die Flussblindheit eine zweite Karriere starten.
Ein Wurmmittel für Hunde könnte als wertvolles Medikament gegen die Flussblindheit eine zweite Karriere starten.
(Bild: Bayer Healthcare)

Berlin/Genf - Bayer Healthcare und die Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi) wollen ein neues Medikament gegen die Flussblindheit (Onchozerkose) entwickeln. Emodepsid stammt ursprünglich von dem japanischen Unternehmen Astellas und wird von Bayer als Wirkstoff zur Entwurmung von Hunden und Katzen eingesetzt.

In präklinischen Studien hat man herausgefunden, dass der Wirkstoff auch erwachsene Fadenwürmer (Makrofilarien) abtötet und damit möglicherweise als Medikament gegen Fadenwürmer taugt.

Behandlungen müssen wiederholt werden

Seit mehr als 20 Jahren gibt es großangelegte Programme zur Behandlung und Kontrolle von Fadenwurmerkrankungen wie der Flussblindheit, bei denen ganze Bevölkerungsgruppen Medikamente erhalten. Diese sogenannten Massenbehandlungen sind zwar durchaus erfolgreich, müssen jedoch in regelmäßigen Abständen von sechs bis zwölf Monaten wiederholt werden, und dies für bis zu 17 Jahre (dies entspricht der Lebensdauer der erwachsenen Würmer).

Der Grund dafür: Bisher verfügbare Medikamente töten nur junge Würmer (Mikrofilarien) ab. Eine Behandlung mit einem Makrofilarizid wie Emodepsid, das die ausgewachsenen Würmer abtötet, könnte die Dauer der Massenbehandlungen dramatisch reduzieren und zudem in Regionen und unter Bedingungen eingesetzt werden, wo die Anwendung von Mikrofilariziden nur eingeschränkt möglich ist.

Im Rahmen der getroffenen Vereinbarung ist DNDi für die präklinische und klinische Entwicklung von Emodepsid verantwortlich und Bayer für die pharmazeutische Weiterentwicklung, die Herstellung, Zulassung und Lieferung des Medikaments. Sollte sich Emodepsid als erfolgreich erweisen, soll so sicher gestellt werden, dass das Medikament für die 31 Länder Afrikas, in denen die Krankheit endemisch ist, erschwinglich ist.

Die Rechte für die Nutzung von Technologien oder Daten, die während der Zusammenarbeit generiert werden, erlauben es beiden Partnern, das Projekt mit Dritten fortzuführen, sollte einer der Unterzeichner sich aus dem Projekt zurückziehen. So werden die Entwicklung und der Zugang zu Emodepsid zum Wohl der Patienten sichergestellt.

Die Onchozerkose oder Flussblindheit kommt in 36 Ländern in Afrika, der arabischen Halbinsel und in Zentral- und Südamerika vor. Mehr als 25 Millionen Menschen weltweit sind davon betroffen, mehr als sechs Millionen Menschen leiden an beträchtlichen Einschränkungen und 270.000 Menschen sind durch die Krankheit erblindet. Die Infektion behindert die wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Regionen.

Die Angst vor einer Ansteckung über infizierte Kriebelmücken führt dazu, dass fruchtbare Gegenden in der Nähe von Flüssen verlassen werden. Die ausgewachsenen parasitischen Fadenwürmer können mehr als 15 Jahre im menschlichen Körper überleben. Die erwachsenen weiblichen Würmer produzieren Millionen von Mikrofilarien, die zu ernsthaften Einschränkungen der Sehkraft bis hin zur Erblindung führen, sowie zu Läsionen und farblichen Veränderungen der Haut und starkem Juckreiz.

Weibliche Kriebelmücken nehmen junge Fadenwürmer auf, wenn sie infizierte Menschen stechen.

Einige dieser Mikrofilarien können zu infektiösen Larven heranwachsen und beim nächsten Stich dieser Kriebelmücke auf andere Menschen übertragen werden, wo sie dann weiter leben.

(ID:43118145)