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Mögliche Zoonose Neues Bornavirus aus Bunthörnchen auf Menschen übertragbar?

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Möglicherweise gibt es eine neue Zoonose - also eine Erkrankung, die von Tieren auf Menschen übergeht: Forscher am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Standort Insel Riems haben ein neues Bornavirus in einem Bunthörnchen entdeckt und den Erreger auch bei drei verstorbenen Bunthörnchen-Züchtern nachgewiesen.

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Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) haben ein neues Bornavirus bei Bunthörnchen entdeckt, das möglicherweise auf Menschen übertragbar ist.
Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) haben ein neues Bornavirus bei Bunthörnchen entdeckt, das möglicherweise auf Menschen übertragbar ist.
(Bild: dpa / Jerry Oldenettel/Flickr/dpa )

Greifswald/Insel Riems – Nach dem Auftreten von tödlich verlaufenden Gehirnentzündungen (Encephalitis) bei drei Züchtern von Bunthörnchen in Sachsen-Anhalt zwischen 2011 und 2013 wurden umfangreiche Untersuchungen zu einer möglichen infektiösen Ursache am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) durchgeführt. Hierbei konnte zunächst kein Hinweis auf die Krankheitsursache gefunden werden.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Standort Insel Riems untersuchte daraufhin Proben eines Bunthörnchens aus der Zucht eines der Verstorbenen. Erst die genetische Analyse von Organproben des Hörnchens lieferte Sequenzinformationen, die auf das Vorkommen eines neuartigen Bornavirus hindeuteten. In weiteren Untersuchungen konnte dieser Nachweis auch in Gehirnproben der verstorbenen Patienten durch molekularbiologische und immunhistologische Untersuchungen erbracht werden. Nach den bisherigen Erkenntnissen unterscheidet sich das neue Virus deutlich von bisher bekannten Bornaviren. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht bekannt, ob es sich dabei um Einzelfälle handelt.

Neues Bornavirus – Tier-zu-Mensch-Übertragung nicht auszuschließen

Es ist nicht auszuschließen, dass die Erkrankungen der drei Bunthörnchen‐Züchter durch Übertragungen des neuartigen Bornavirus von infizierten Tieren verursacht sein könnten. Der Übertragungsweg ist bisher unbekannt, allerdings erscheinen Biss‐ oder Kratzverletzungen als wahrscheinliche Möglichkeit. Testverfahren zum Virusnachweis wurden am FLI entwickelt und validiert und stehen für weitere Untersuchungen zur Verfügung. Berhard-Nocht-Institut, Friedrich-Loeffler-Institut und Robert Koch-Institut arbeiten mit den Veterinär- und Gesundheitsbehörden in Bund und Ländern zusammen, um den Sachverhalt weiter aufzuklären. Untersuchungen zur Verbreitung dieses Virus im Tier werden vom FLI auf der Insel Riems durchgeführt.

Weiterhin wird unter Personen, die Bunthörnchen halten, nach möglichen weiteren Infektionsfällen gesucht. Das BNITM in Hamburg führt analoge Analysen in Nervenwasser- und Gewebeproben von Patienten mit Gehirnentzündungen ungeklärter Ursache durch. Bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse sollte vorbeugend der direkte Kontakt zu Bunthörnchen vermieden werden. Bei kranken oder mit unklarer Ursache verstorbenen Bunthörnchen sollten Tierhalter ihren Tierarzt informieren, der gegebenenfalls weitere Untersuchungen einleiten kann.

Im Zusammenhang mit der Entdeckung dieses neuen, möglicherweise zoonotischen Bornavirus durch das FLI und BNITM ist weiterhin zu klären, ob das Virus mit infizierten Hörnchen importiert wurde oder ob sich das Hörnchen bei anderen Tierarten angesteckt hat.

Bisher bekannte Bornaviren sind keine Zoonose-Erreger

Bornaviren sind seit Langem als Infektionserreger bei Tieren, insbesondere bei Pferden, Schafen und Ziegen, bekannt. Die bisher bekannten Erreger waren jedoch nicht auf den Menschen übertragbar – es erkrankten nur Tiere. Dass sich das jetzt in Bunthörnchen nachgewiesene Virus nach bisherigen Erkenntnissen deutlich von bisher bekannten Bornaviren unterscheidet, könnte eine Erklärung für das möglicherweise zoonotische Potenzial dieses Virus bergen. Weitere Erkenntnisse soll die genetische Analyse des neu entdeckten Bornavirus liefern.

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