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Laborfachhändler-Verbund LLG Neues Logistikkonzept bei Laborfachhändler-Verbund

Autor / Redakteur: André Meise* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Das Netz der Laborfachhändler in Deutschland – vom kleinen Spezialisten bis zum globalen Konzern – ist engmaschig. Lesen Sie, wie ein Laborfachhändler-Verbund ein neues Logistikkonzept implementiert und damit bei den Anwendern punkten will.

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Abb.1: Die Kommissionierzüge ermöglichen eine deutlich einfachere Logistik.
Abb.1: Die Kommissionierzüge ermöglichen eine deutlich einfachere Logistik.
(Bild: LLG)

Die Lab Logistics Group, kurz LLG, wurde 1999 in Köln von sieben deutschen Laborfachhändlern gegründet. Das Ziel war die Schaffung einer Verbundgruppe mittelständischer Laborfachhändler, um sich im Wettbewerb mit internationalen Konzernen besser behaupten zu können. Nach 17 Jahren positiver Entwicklung hat die LLG heute 31 Gesellschafter in Europa, Asien und sogar Australien.

Für diese erbringt sie Dienstleistungen in den Bereichen: Produktmanagement, Einkauf, Eigenmarken, Logistik, Marketing und IT/eCommerce. Erst das gemeinsame Handeln mittelständischer Fachhändler in einer genossenschaftlichen Struktur ermöglicht es diesen, eine Sortimentsbreite und Service-Vielfalt anzubieten, die für den einzelnen Händler nur schwer ökonomisch darstellbar wäre. Ein gutes Beispiel dafür ist die Eigenmarke der Verbundgruppe – die „LLG-Labware“. Dem Labor-Kunden kann damit ein breites Sortiment, von mehr als 2000 Verbrauchsartikeln und Geräten, zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis angeboten werden.

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Am Firmensitz in Meckenheim bei Bonn verfügt die LLG über eine Betriebsfläche von etwa 17 000 m2. Das dort befindliche Zentrallager bevorratete bis Ende 2015 ständig über 10 000 Laborartikel auf ca. 5500 m2 Lagerfläche. Diese werden entweder an die Läger der Gesellschafter oder direkt an die Laborkunden geliefert. Die Lagerinfrastruktur wurde mehrfach erweitert und 2011 mit dem Kauf eines benachbarten Areals die Voraussetzungen für einen Standort-Ausbau geschaffen.

Wachsende Anforderungen an die Logistik

Aufgrund des anhaltenden Wachstums der Gruppe waren eine Auslastung der Logistikkapazitäten und ein daraus resultierender Handlungsbedarf absehbar. Zudem steigen die Kundenanforderungen hinsichtlich der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Warenlieferung im Laborfachhandel. Bei Online-Einkäufen wird eine Lieferung am Folgetag, genau wie beim privaten Konsumverhalten, vorausgesetzt.

Damit erhöhen sich die Anforderungen an das vom Laborfachhandel ständig vorzuhaltende Sortiment und die Schnelligkeit der Lieferung erheblich. Es müssen mehr Artikel bevorratet und immer häufiger in kleineren Mengen verschickt werden. Die Bevorratungsstrategie ist dabei im Hinblick auf die spezifische Struktur des Laborsortiments eine besondere He­rausforderung. Es steht den relativ wenigen „A“-Artikeln eine Vielzahl von langsam und unregelmäßig laufenden „B“- und „C“-Artikeln gegenüber. Die Lösung dieser Aufgabe ist eine Kernfunktion der LLG. Die Bündelung der Logistik der einzelnen lokalen Händler über das Zentrallager der LLG schafft die Möglichkeit, in ökonomischen Losgrößen einzukaufen, eine Vielzahl von Artikeln zu bevorraten und diese schnell und rationell in Kleinmengen auszuliefern. Aufgrund dieser Entwicklung wurde 2014 beschlossen, das bestehende Lager zu erweitern und die noch weitgehend manuellen Lagerabläufe zu optimieren.

Wesentliche Ziele des Lagerprojektes zur Verbesserung des Lieferservices, waren die Erhöhung der Lagerkapazität um mehr als 50 Prozent, die Erweiterung des Lagersortimentes von ca. 10 000 auf bis zu mehr als 15 000 ständig bevorratete Artikel, sowie die Rationalisierung und Beschleunigung der Lagerprozesse. Bei einem Servicegrad von 85 Prozent sollen alle bis 14:00 Uhr eingehenden Aufträge noch am selben Tag verschickt werden.

Die Planung des neuen Logistikkonzeptes erfolgte zusammen mit einem Logistikplaner sowie einem Ingenieurbüro für Industriebauten. Das Ziel war es, zuerst die Abläufe und das Regalsystem zu definieren, um das neue Gebäude „von innen nach außen“ planen zu können, damit eine möglichst hohe Effektivität erreicht wird.

Kernelemente des neuen Logistikkonzeptes waren:

  • der Bau eines Hochregallagers mit 3500 m2 Grundfläche und einer Kapazität von etwa 6000 Palettenplätzen,
  • die Umstellung der bisher manuellen Kommissionierung auf angetriebene Kommissionierzüge,
  • ergonomische Entlastung der Mitarbeiter durch Einsatz geeigneter Technik,
  • die Einführung eines „Multi-Order-Picking“,
  • die Erweiterung der Wareneingangs- und Versandflächen,
  • der Ersatz der papiergestützen Abwicklung im Lager durch moderne IT und beleglose mobile Datenterminals- und Scannertechnik sowie
  • die Renovierung und thermische Sanierung der Bestandsflächen und der Austausch alter Regaltechnik um Platz für mehr Artikel zu schaffen.

Nach Abschluss der Planungs- und Genehmigungsphase wurde im Februar 2015 mit den Bauarbeiten begonnen. Das neue Lager wurde in sechs Monaten als Betonfertigteilkonstruktion errichtet. Dabei wurden sowohl ökonomische als auch ökologische Kriterien berücksichtigt. So wird das Lager über eine Fußbodenheizung mit der „Abwärme“ der Bestandsgebäude beheizt. Eine deutlich bessere Energienutzung und niedrigere Kosten sind die Folge. Die Beleuchtung erfolgt über LED-Systeme mit Bewegungsmeldern für jeden Lagergang. Um Fahrzeiten zu reduzieren wurden die neuen Lagerplätze, mithilfe einer Simulationssoftware, wegeoptimiert geplant.

Neue Logistik seit Anfang 2016 in Betrieb

Nach Einbau der Regalanlage, Elektro, Sicherheits- und Informationstechnik konnte der Neubau im Januar 2016 in Betrieb genommen werden. Aktuell ist die neue Infrastruktur voll in Betrieb und die alten Lagerflächen werden bis Mitte des Jahres saniert und umgebaut.

Um möglichst viele Artikel auf möglichst wenig Fläche bereitzustellen, wird bis zu einer Höhe von 3,20 m kommissioniert. Die Kommissionierung erfolgt dabei auf einem Gerät mit integrierter Leiter und bis zu drei anhängenden Etagenwagen (s. Abb. 1). Damit können bis zu 36 Kundenaufträge auf einer Rundfahrt zusammengestellt werden. Die Geräte fahren mit 8 km/h. Damit sind die Mitarbeiter wesentlich schneller als im Fußgängerbetrieb und das bei geringerer körperlicher Belastung.

Die Kommissionier-Etiketten werden bereits wegeoptimiert gedruckt und leiten die Mitarbeiter auf dem kürzesten Weg zu den Lagerplätzen. Diese Technik wird auch für die Einlagerung der Waren genutzt. Die Zusammenführung und Verpackung der Kundensendungen erfolgt heute an einer modernen Paketstraße mit ergonomisch gestalteten Arbeitsplätzen.

Zur versandgerechten Verpackung der für den Laborfachhandel typischen Glasbauteile wird relativ viel Füllmaterial benötigt. Hierzu wurden mehrere Maschinen zur Herstellung von Papierpolstern angeschafft und direkt an den Packplätzen installiert. Die Verwendung von Kunststoff-Polstern, und die daraus folgenden Entsorgungsprobleme im Labor, konnten damit deutlich reduziert und den ökologischen Anforderungen der Kunden entsprochen werden.

Aktuell werden bis zu 900 Sendungen pro Tag abgewickelt und mit unterschiedlichen Systemdiensten in 24/48 Stunden an die Händler oder deren Kunden in ganz Europa zugestellt. Im 2. Quartal erfolgt die Sanierung der alten Bestandsflächen mit der Erneuerung der Böden und der Modernisierung der Regalanlagen. Ab dem 3. Quartal erfolgt die Einführung der MDE- und Scannertechnologie. Mit dem Abschluss des Gesamtprojektes wird Ende 2016 gerechnet.

* A. Meise: Lab Logistics Group GmbH, 53340 Meckenheim

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