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Laborinformationssystem Neuropathologie und Labormedizin vereint in einem LIMS

Autor / Redakteur: Harald Zenz*, Andreas Jurkowitsch** und Heike Hering-Haas*** / Dr. Ilka Ottleben

Das Klinische Institut für Neurologie in Wien (KIN) untersucht zur Krankheits­diagnostik sowohl neuropathologische als auch neurochemische Proben. Seit 2000 setzt das KIN hierbei auf eine personalisierte Filemaker-Datenbank, die beide Laborbereiche in einem Laborinformationssystem (LIMS) abbildet.

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1 Das Klinische Institut für Neurologie in Wien (KIN) untersucht sowohl Proben aus dem Bereich der Neuropathologie als auch aus dem Bereich der Neurochemie/Labormedizin.
1 Das Klinische Institut für Neurologie in Wien (KIN) untersucht sowohl Proben aus dem Bereich der Neuropathologie als auch aus dem Bereich der Neurochemie/Labormedizin.
(Bild: © WavebreakMediaMicro - Fotolia)

Das Klinische Institut für Neurologie (KIN) ist ein Zentrum für translationale Forschung und postgraduelle Lehre im nationalen und internationalen Verbund. Es ist eine eigenständige Organisationseinheit der Medizinischen Universität Wien (Meduni Wien), die seit 1993 im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien – Universitätskliniken (AKH Wien) untergebracht ist. Das Institut beschäftigt heute rund 40 Mitarbeiter.

Dem Wachstum Stand gehalten

Das Zusammenlegen des AKH Wien und der Medizinischen Universität Wien bedeuteten für das Klinische Institut für Neurologie einen enormen Zuwachs an Proben- und Datenaufkommen. Schnell war klar, dass man diesem mit dem gegebenen Personalschlüssel nur durch ein geeignetes LIMS gerecht werden konnte. Das Institut sah sich hierbei einer besonderen Problematik gegenüber gestellt: Laborinformationssysteme decken entweder die Anforderungen der Neuropathologie, also der Erkrankungen des Zentralnervensystems oder die der Neurochemie/Labormedizin, also der Erforschung chemischer Vorgänge im Nervengewebe ab. Kombinierte Systeme gibt es nicht. Zweigleisig zu fahren, war keine gangbare Option, wollte man doch keine doppelte Datenvorhaltung und -administration. Auch wären Schulungen des Personals, Wartung und Pflege des Systems unverhältnismäßig aufwändig und die Akzeptanz durch die Mitarbeiter nicht gegeben.

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Anlässlich eines Kongresses lernte Laborleiterin Sylvia Zimmermann, CTA (Chemisch Technische Assistentin), 1993 das Datenbanksystem Filemaker kennen. Innerhalb kurzer Zeit arbeitete sich Zimmermann in das System ein und setzte schnell eine kleine Filemaker-Applikation zur Probenverwaltung auf, die sich gleich hoher Akzeptanz erfreute und der Vorläufer des heutigen umfassenden LIMS Kinnet ist. „Wir haben rasch erkannt, dass wir in Filemaker über ein Datenbank-Tool verfügen, mit dem wir sämtliche Prozesse des Labors exakt abbilden können. Angefangen von den Abläufen der Probenuntersuchungen, über die Befunderstellung bis hin zum Austausch der abrechnungsrelevanten Daten über entsprechende Schnittstellen mit dem Klinikinformationssystem“, erinnert sich Zimmermann.

Vor etwa zehn Jahren holte sich das KIN Expertise in Sachen Filemaker-Datenbanken im Klinikumfeld ins Haus: Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Harald Zenz ist Assistenz-Professor an der Meduni Graz und entwickelte dort das Filemaker-basierte Klinik-Informationssystem Eyemed. Für das KIN setzte er die Patientendatenbank und das Laborinformationssystem Kinnet auf.

Big Data zentral verfügbar

Der Vorteil eines zentralen Datenpools liegt auf der Hand. Patientendaten müssen nur einmal vorgehalten werden, es können deutlich mehr Analysen gefahren werden und Informationen miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ganz wesentlich ist darüber hinaus, dass nur eine Schnittstelle zum Krankenhausinformationssystem notwendig ist. Das für das KIN entwickelte Kinnet begleitet die Mitarbeiter des Instituts durch sämtliche, sehr unterschiedliche Analyseprozesse der Neuropathologie bei der Tumor- und Liquordiagnostik sowie der Neurochemie, also der Erforschung chemischer Vorgänge im Nervengewebe zur Diagnostik von Erbkrankheiten oder erworbener Krankheiten und ist genau an die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter angepasst. Dieses prozessorientierte System sorgt einerseits für reibungslose Abläufe, andererseits dient es der Qualitätssicherung. Befunde können beispielsweise erst frei gegeben werden, wenn bestimmte kombinierte Untersuchungen erfolgt sind.

Von der Probe zum Befund

Beispielhaft sei hier der datenbankgestützte Analyseprozess einer Gewebeprobe aus dem Bereich der Neuropathologie geschildert.

Zunächst werden die Patientendaten der zugewiesenen Proben im zentralen Krankenhausinformationssystem des Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKIM) erfasst und anschließend über eine sichere HL7-Schittstelle in das LIMS importiert.

Die Probe wird mit einer Probennummer versehen und aufgeteilt, sodass die verschiedenen angeordneten Untersuchungen an der Probe durchgeführt werden können. Die jeweiligen Mitarbeiter führen die angefragten Untersuchungen an „ihrer“ Probe durch und tragen die jeweiligen Ergebnisse in die Datenbank ein. Sobald diese eingetragen sind, erstellt die Datenbank automatisch einen Befund. Das Besondere an Kinnet ist, dass sich nun unterschiedliche Gruppen von Analyseaspekten kombinieren lassen.

Doch nicht nur die labororganisatorischen Aspekte werden im System berücksichtigt. Auch Qualitätssicherung und Administration werden durch das System abgebildet. Im Hintergrund der Analyseschritte werden automatisch die abrechnungsrelevanten Leistungscodes erfasst: Jede Fragestellung – pro Probe können zehn Bestimmungen gewählt werden – ist automatisch mit der Leistungscode-Abrechnungstabelle verknüpft, die die Grundlage für die Abrechnung mit den Kostenträgern bildet. Sobald diese von der Leitstelle geprüft sind, wird der Befund markiert, freigegeben und die Leistungs- und Befund-Daten über HL7-Schnittstelle an das KIS übertragen. Zettelwirtschaft gehört definitiv der Vergangenheit an.

* Prof. Dr. H. Zenz: Meduni Graz, 8036 Graz/Österreich

* *A. Jurkowitsch: Klinisches Institut für Neurologie Wien, Med. Universität Wien, 1090 Wien/Österreich

* **H. Hering-Haas: Essential Media München, 80336 München

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