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Meilenstein Laboreinrichtung Nicht nur Laboreinrichtungen, sondern Laborraumlösungen

Autor / Redakteur: Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Das Unternehmen Waldner hat ein klares Statement für den Standort Wangen abgegeben. Warum das kein Widerspruch zu mehr Internationalität sein muss, erläutert Geschäftsführer Joerg Hoffmann im Meilenstein-Interview.

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Waldner-Laboreinrichtungen-Geschäftsführer Joerg Hoffmann (r.) im Gespräch mit LP-Chefredakteur Marc Platthaus
Waldner-Laboreinrichtungen-Geschäftsführer Joerg Hoffmann (r.) im Gespräch mit LP-Chefredakteur Marc Platthaus
(Bild: Stefan Holler/Waldner)

LABORPRAXIS: Herr Hoffmann, Ihr Unternehmen blickt auf eine fast 110-jährige Geschichte zurück. Mit welchen drei Attributen würden Sie Waldner im Jahr 2017 charakterisieren?

Joerg Hoffmann: Diese Attribute sind: Wandel, Lösungsorientierung und positive Aufbruchstimmung. – Wenn ich Waldner 2017 sehe, sehe ich ein Unternehmen im Wandel – vom handwerklich getriebenen, hin zu einem industriell getriebenen Unternehmen. Konkret heißt dies: lösungs- und nicht produktorientiert zu denken. Aber auch der Wandel von einem regional fokussierten zu einem global agierenden Unternehmen ist spürbar. Von außen vielleicht weniger zu erkennen, aber für mich in den letzten Monaten deutlich sichtbar, ist die positive Aufbruchstimmung in vielen Bereichen. Dies wird nicht nur durch die klar sichtbaren Aspekte, wie die gerade im März eingeweihten neuen Produktionsbereiche, deutlich, sondern auch durch die positive Aufbruchstimmung in den Köpfen unserer Mitarbeiter.

LABORPRAXIS: Der Weg zum Global Player geschieht aber nicht von heute auf morgen. Wie sieht Ihre Strategie hier aus?

Hoffmann: Wir haben schon seit mehreren Jahrzehnten Laboreinrichtungsprojekte in allen Teilen der Welt durchgeführt. Jetzt wollen wir die nächsten Schritte machen und durch strategische Kooperationen mit Planern, Architekten und anderen Experten unsere Marktstellung in verschiedenen Regionen weiter ausbauen.

LABORPRAXIS: Geht es gleich in die ganze Welt oder wird es Kernregionen geben?

Hoffmann: Wir werden da dem Weg unserer Kunden folgen. Für die großen Pharma- und Biotechnologie-Konzerne ist Asien eine Region, die von ganz besonderem Interesse ist. Ob das China, Malaysia oder Indien ist, mag da aber von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein. Der nahe Osten und Afrika sind weitere Märkte, die für Waldner in Zukunft noch spannender werden.

LABORPRAXIS: Werfen wir einen Blick ins Labor. Automatisierungslösungen sind in aller Munde. Was bedeutet das für die Laboreinrichtung?

Hoffmann: Zuerst einmal heißt das, dass wir uns auf veränderte Prozesse im Labor einstellen müssen. War das Labor in der Vergangenheit von zahlreichen manuellen Tätigkeiten geprägt, so wird es jetzt Bereiche geben, die quasi ohne menschliche Eingriffe auskommen werden. Das hat selbstverständlich auch Konsequenzen für die Laboreinrichtung. Denn an erster Stelle sollen unsere Produkte die optimale Sicherheit der Mitarbeiter im Labor gewährleisten. In Bereichen, wo sich nur noch selten ein Mensch aufhält und arbeitet, wird sich auch die Laboreinrichtung verändern.

LABORPRAXIS: Glauben Sie, dass es irgendwann das vollautomatisierte Labor geben wird?

Hoffmann: Denken Sie an klinische Laboratorien, dann gibt es dies sicherlich vereinzelt schon. In Analysestraßen, wo tausende Blut- oder Urinproben pro Tag analysiert werden, muss der Mitarbeiter nur noch eingreifen, wenn ein System nicht das tut, was es soll. Hier sind eher die Peripheriebereiche des Labors wie Auswerteplätze oder Schulungsräume interessant. In Forschungslaboratorien, deren Aufgabenstellungen sich in kürzerer Zeitspanne ändern, sehe ich eine Vollautomatisierung in den nächsten Jahren eher nicht.

LABORPRAXIS: Stichwort Veränderung und die Herausforderung, Laborumgebungen schnell an die Aufgaben anzupassen. Was heißt das für Ihre Produkte?

Hoffmann: Das bedeutet, dass wir flexibler und schneller in der Planung und auch der Produktentwicklung sein müssen. Aber auch die Tatsache, dass die Grenzen des Labors immer fließender werden, stellt eine Herausforderung dar. Wo endet das Labor – am Abzug oder erst am Auswerteplatz? Und viele Unternehmen wollen sich bei der Nutzung ihrer Gebäude nicht mehr kategorisch festlegen, was Labor und was Bürofläche sein soll. Um genau diese Bedürfnisse zu erfüllen, haben wir in den vergangenen Monaten unsere Raum-in-Raum-Lösung Dimensions erfolgreich eingeführt.

LABORPRAXIS: Was kann ich mir konkret darunter vorstellen?

Hoffmann: Dimensions konzipiert, entwirft und realisiert die komplette technische Raumausstattung als flexible Lösung und betrachtet, im Gegensatz zur konventionellen Planung, auch mögliche zukünftige Nutzungen der Räume. So kann beispielsweise ein Labor schnell für eine andere Forschungsanwendung, in einen Auswertebereich oder einen Schulungsraum umgestaltet werden. Laborplanern können wir für diese flexible, aber anspruchsvollere Planung entsprechende 3D-Modelle zur Verfügung stellen. Und für Labormanager heißt das eine deutlich höhere Flexibilität in der Nutzung ihrer Räumlichkeiten. Die ersten Projekte bei Nestlé oder L’Oreal waren extrem erfolgreich.

LABORPRAXIS: Mussten Sie für Dimensions neue Kompetenzen im Unternehmen aufbauen?

Hoffmann: Die Planungskompetenz war schon immer einer der Wettbewerbsvorteile von Waldner. Aber Sie haben Recht, für solche komplexen Projekte benötigen unsere Mitarbeiter immer weitergehende, modernste Fähigkeiten, die sie sich aber gerne aneignen, wobei wir sie selbst-
verständlich durch entsprechende Weiterbildung unterstützen. Zusätzlich stärken wir diesen strategisch wichtigen Teil durch qualifiziertes Know-How von außen. Dies alles spricht auch für die anfänglich genannte Aufbruchstimmung bei Waldner.

LABORPRAXIS: Wie wird Ihr Unternehmen in 20 Jahren aufgestellt sein?

Hoffmann: 2037 wird der Standort Wangen immer noch das technische Herz des Unternehmens sein – sozusagen das Center of Competence. Wir werden aber sicher einen deutlichen Schritt in Richtung Globalisierung und Digitalisierung gemacht haben. Ich gehe davon aus, dass es dann in verschiedenen Regionen der Welt deutlich stärkere Waldner-Standorte geben wird. Von der Produktseite.

Herr Hoffmann, vielen Dank für das Gespräch.

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