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Nahrungsersatz

Nie wieder essen

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Essen per Paketbestellung

Der Absatz ist reißend, Neubesteller müssen bis zu drei Monate auf ihr Soylent-Paket warten. Dafür bekommen sie einen Messlöffel und einen dicht schließenden Krug für die optimale Zubereitung und Aufbewahrung der Wundersuppe dazu. Im Abo geht es schneller und billiger: Dann kostet das Monatspaket Soylent 255 Dollar, was aktuell 187 Euro entspricht. Wer sich so lange nicht binden will, muss zwar mehr zahlen, kann sich aber damit trösten, dass es ein 30-Tage-Rückgaberecht gibt.

Die Kosten will Rhinehart bald auf 5 US-Dollar am Tag senken, was den tatsächlichen Minimalkosten durchschnittlicher US-Amerikaner für Lebensmittel entspricht, wenn sie Essen und Getränke ausschließlich zu Hause zubereiten. Das tun sie aber gewöhnlich nicht. Anders als die Deutschen geben Amerikaner noch einmal soviel Geld in Restaurants, Fastfood-Läden und beim Bestellservice aus. Das machte Soylent für Anspruchslose in Amerika also tatsächlich zur Spardiät.

Was ist DAS denn?

Soylent ist ein dickflüssiges Getränk, das von den meisten Menschen als Brühe oder Pampe bezeichnet wird. Für manche schmeckt es nach nichts, andere bezeichnen es als aufgeweichte Pappe und ganz wenige Einzelpersonen sind sogar der Meinung, es schmeckte gar nicht schlecht, zumindest nicht schlechter als viele handelsübliche Eiweißshakes. Ob’s an so geschmackvollen Inhaltsstoffen wie Molybdän oder Chrom liegt? Wohl kaum, denn auch die giftigsten Elemente braucht der Körper in Spuren. Die verwendeten Einzelzutaten für das kommerzielle Soylent sind jedenfalls von der FDA jeweils als unbedenklich eingestuft worden.

Die Zubereitung könnte nicht leichter sein: ein Messlöffel Wasser und ein Messlöffel Soylent-Pulver, dazu ein kleines Fläschchen Ölformel, 10 Minuten stehen lassen. Fertig. Weder müssen die Komponenten gekühlt, noch die Mischung erhitzt werden. Das angerührte Soylent ist im Kühlschrank bis zu zwei Tage haltbar. Die Ölbeimischung liefert vor allem Omega-3-Säuren und dient der Kalorienregulierung. Den aktuellen Ernährungsempfehlungen entsprechend kommen im Normalpaket zwei Drittel der zugeführten Energie aus dem Fett. Lässt man die Ampulle weg, spart man entsprechend Energie und sogar 100 Prozent Cholesterin. Vegetarier und Veganer können auch nur das Pulver bestellen, bekommen kein Fischöl und fügen stattdessen ein selbst gewähltes Fett hinzu.

Was gibt’s Neues?

Bei genauer Betrachtung ist das alles aber gar nicht so revolutionär. Ersatznahrung gibt es schon mindestens 100 Jahre. In der alltäglichsten Form wird sie in Familien per Flasche zugeführt. Babys, die nicht voll gestillt werden, können allein mit Pulvermilch über Wochen wachsen und gedeihen. Koma-Patienten werden flüssig IV ernährt, Sportler rühren sich bunte Proteinshakes an und selbst im All umkreisen extrem optimierte Lebensmittel die Erde – auch wenn die Astronauten jenseits von Tag- und Nachtgefühl demnächst Zugang zu echtem Koffein bekommen.

Experten sprechen bei Soylent allenfalls von einer Marketing-Revolution im Rausch der amerikanischen Start-up-Welle. Die erstaunlich hohe Nachfrage wird dazu führen, dass die Produktion optimiert und die Kosten gesenkt werden. Das würde sich zum Vorteil gegenüber medizinischen Präparaten und anderen frei verkäuflichen Nahrungsersatzsystemen entwickeln.

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