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Forschungsstandort Österreich

Österreich als Innovationsstandort für Life Sciences

| Autor/ Redakteur: Friedrich Schmidl* / Dr. Ilka Ottleben

„Wir Wiener blicken vertrauensvoll in unsere Vergangenheit“, sagte der Kabarettist Karl Farkas einst über seine Heimatstadt. Für das heutige Wien und für Österreich im Allgemeinen trifft allerdings Zukunftsgewandtheit besser zu. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Life-Sciences-Branche.

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Abb. 2: Entwicklung der F&E-Ausgaben
Abb. 2: Entwicklung der F&E-Ausgaben
(Quelle: Eurostat, Statistik Austria, Österreich ab 2012 vorläufiger Wert)

Wien – zum sechsten Mal in Folge lebenswerteste Stadt der Welt (Mercer Studie 2015), Sprungbrett zahlreicher internationaler Unternehmen für ein lukratives Business in Osteuropa sowie Start-up- und Forschungs-Hub Österreichs. Die Bundeshauptstadt gilt inzwischen als eine der drei innovativsten Städte Europas und steigerte die Zahl der Forschungsunternehmen vor Ort binnen 15 Jahren um das Dreifache. Maßgeblich dazu beigetragen haben die Branchen Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik.

Vernetzte Forschungsszene

Doch die Hauptstadt ist keine einsame Insel innerhalb der österreichischen Forschungslandschaft. Vielmehr spannt sich über die gesamte Alpenrepublik ein dichtes Netzwerk an wissenschaftlichen Institutionen, Branchenclustern, Kompetenzzentren, heimischen Unternehmen und Niederlassungen führender internationaler Pharmakonzerne. Die F&E-Ausgaben des Landes lagen Schätzungen des Informationsdienstleisters Statistik Austria zufolge im Jahr 2014 bei etwa 9,3 Milliarden Euro, was einem Anteil von 2,88 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) entspricht (s. Abb. 2). Mit diesem Wert liegt Österreich, wie bereits in den vergangenen zehn Jahren, über dem EU-Durchschnitt. Dabei ist der Life-Sciences-Sektor ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Land: Mehr als 720 Unternehmen aus den Bereichen Biotech, Pharma und Medizintechnik erwirtschaften 5,4 Prozent des BIP und beschäftigen rund 50 000 Mitarbeiter.

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In Österreich fest verwurzelt

Unter anderem engagiert sich das größte forschende deutsche Pharmaunternehmen, Boehringer Ingelheim, seit Jahren intensiv in Österreich. Der Konzern steuert das Geschäft in über 30 Ländern Zentral- und Osteuropas vom 2004 gegründeten ‚Regional Center Vienna‘ aus, an dem inzwischen über 1400 Mitarbeiter beschäftigt sind. Das Center ist zugleich eines von weltweit nur drei F&E-Zentren des Unternehmens, in dem insbesondere in den Feldern Krebsforschung und Biopharmazie gearbeitet wird. Bereits 1985 gründete Boehringer Ingelheim gemeinsam mit Genentech (USA) das Institute for Molecular Pathology in der Hauptstadt und übernahm es vor 21 Jahren vollständig. Dort wird Grundlagenforschung in den Gebieten der Zellbiologie, der Neurowissenschaften und der molekularen Medizin betrieben. Boehringer Ingelheim setzt in Österreich weiterhin auf Expansion: Mitte März erfolgte der Spatenstich für den Neubau des IMP-Institutsgebäudes mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Millionen Euro. Der Bau soll ab Ende 2016 Platz für etwa 250 Forscher bieten.

Qualifizierte Mitarbeiter und attraktive Rahmenbedingungen

Dass Boehringer Ingelheim mit der Wahl Österreichs als Forschungsstandort nicht alleine steht beweisen die Engagements weiterer internationaler Branchengrößen wie Novartis (Schweiz), Baxter und Eli Lilly (beide USA), GSK (Großbritannien) sowie Merck (Deutschland). Treiber sind die vielfältigen Fördermöglichkeiten für anwendungsnahe F&E und Grundlagenforschung. Weitere Dynamik soll von der auf 12 Prozent angehobenen Forschungsprämie für eigenbetriebliche F&E und Auftragsforschung ausgehen, die ab 2016 gilt. Für forschende Unternehmen stehen zudem F&E-Förderprogramme der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, des Austria Wirtschaftsservice (aws) und des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) zur Verfügung. Diese Möglichkeiten werden ergänzt durch eine einheitliche Körperschaftssteuer von 25 Prozent und der Gruppenbesteuerung.

Nicht nur an der monetären Unterstützung ist zu sehen, dass Österreich der wissenschaftlichen Forschung und der technologischen Entwicklung einen besonderen Stellenwert einräumt. So hat der Gesetzgeber per 11. Juli 2000 einen neuen, unabhängigen Rat für Forschung und Technologieentwicklung eingerichtet, der die Bundes- und Landesregierung in allen Fragen betreffend Forschung, Technologie und Innovation berät. Darüber hinaus werden in diesem Rat Vorschläge für eine langfristige österreichische Strategie für nationale Forschungs- und Technologieprogramme sowie eine Verbesserung der Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft ausgearbeitet.

Eine zentrale Frage für jedes Unternehmen, speziell aber für forschungsaktive, ist der Zugang zu gut ausgebildeten Mitarbeitern. Das duale Ausbildungssystem sowie die anwendungsorientierte universitäre und berufliche Weiterbildung brachten Österreich im globalen Ranking zuletzt den fünften Platz ein (World Competitiveness Yearbook 2014). Zudem tragen die hohe Lebensqualität und die zentrale Lage der Alpenrepublik dazu bei, dass gerade auch internationale, hochmotivierte High Potenzials sich bei der Arbeitsplatzwahl gerne für Österreich entscheiden.

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