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Biopharmazeutika

Optimierte Biopharmazeutika aus Mooszellen

01.07.2008 | Autor / Redakteur: Ilka Ottleben* / Ilka Ottleben

1 Filamentöses Protonema von Physcomitrella patens: Das Moos ist nach der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana, Reis und der Pappel die vierte Pflanze, deren Genom vollständig sequenziert vorliegt.
1 Filamentöses Protonema von Physcomitrella patens: Das Moos ist nach der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana, Reis und der Pappel die vierte Pflanze, deren Genom vollständig sequenziert vorliegt.

Greenovation im Interview: Moose – „Lebende Fossilien“

Dr. Gilbert Gorr, Forschungsleiter bei Greenovation, beschreibt im LP-Interview, wodurch sich Mooszellen als Produktionssystem für die biopharmazeutische Herstellung auszeichnen.

LaborPraxis: Herr Dr. Gorr, Sie sagen ein wesentlicher Vorteil von Mooszellen liege in ihrer hohen genetischen Stabilität. Worauf lässt sich diese zurückführen?

Dr. Gorr: Im Prinzip nutzen wir für unsere Technologie das Ergebnis der Evolution von Moosen. Moose sind als frühe Landpflanzen unserer Erde etwa 450 Millionen Jahre alt, haben sich seither genetisch kaum verändert und besitzen zudem in der vegetativen Generation nur einen einfachen Chromosomensatz – Moose sind also haploid. Jede Veränderung in einem essenziellen Gen hätte unweigerlich zu ihrem Tod geführt. Daher gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Schlüssel zu ihrer außerordentlichen genetischen Stabilität in besonders wirksamen DNA-Reparaturmechanismen liegen muss. Zusammen mit einer sehr effizienten homologen Rekombination zeichnet das Mooszellen als Produktionssystem für die biopharmazeutische Herstellung aus.

LaborPraxis: Worin genau liegt der Vorteil, der sich daraus für die Verwendung von Mooszellen als Expressionssystem ergibt?

Dr. Gorr: Moose lassen sich leicht transformieren und sind anschließend für das eingebrachte Transgen sehr stabil. So können die Zellen über Monate und Jahre zur Produktion genutzt werden. Mit den üblicherweise verwendeten CHO-Zellen hingegen sind maximal 50 Passagen möglich. Dann muss die Kultur neu gestartet werden, um genetische Variationen zu vermeiden.

LaborPraxis: ... und was die Kernkompetenz Ihres Unternehmens – die Glykooptimierung von Proteinen in Mooszellen – angeht?

Dr. Gorr: Mooszellen haben aufgrund der beschriebenen Besonderheiten diesbezüglich einen wesentlichen Vorteil: Das Glykosylierungsmuster eines biopharmazeutischen Proteins kann recht einfach optimiert und dem humanen Muster angepasst werden, indem pflanzenspezifische Glykosylierungsenzyme durch Knock-out entfernt beziehungsweise humanspezifische Enzyme als Transgen eingebracht werden. Wirksamkeit und Verträglichkeit der Proteine lassen sich so häufig steigern. Säugetierzelllinien wie CHO-Zellen erzeugen zwar ein dem menschlichen sehr ähnliches Glykosylierungsmuster, eine Glykooptimierung wie in den Mooszellen ist jedoch um ein Vielfaches aufwändiger und daher unwirtschaftlich.

*Dr. I. Ottleben, Redaktion LaborPraxis, E-Mail: ilka_ottleben@laborpraxis.de

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