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Sartorius bietet Lösungen für Labor und Bioprozess Partner von Gewicht

Autor / Redakteur: Das Gespräch führte LP-Chefredakteur  Marc Platthaus / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Im Interview erklären Karen Storm, Vice President Marketing Lab Products & Services bei Sartorius und Dirk Ahlbrecht, Director Marketing Lab Weighing, nicht nur, welche Anforderungen heute an moderne Wägetechnik gestellt werden, sie informieren angesichts jüngster Zukäufe auch über die aktuelle Entwicklung der Laborsparte.

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Karen Storm und Dirk Ahlbrecht im Gespräch mit LP-Chefredakteur Marc Platthaus.
Karen Storm und Dirk Ahlbrecht im Gespräch mit LP-Chefredakteur Marc Platthaus.
(Bild: Sartorius AG)

LABORPRAXIS: Herr Ahlbrecht, die Laborwaagen-Geschichte reicht bei Sartorius fast 150 Jahre zurück. Vor welchen technologischen Herausforderungen stehen Sie heute und was will der Anwender?

Dirk Ahlbrecht: In der Wägetechnik ist der Trend der vergangenen Jahrzehnte unter dem Motto „Höher, schneller, weiter“ im Wesentlichen vorbei. Heute reden wir insbesondere über Themen wie Datenintegrität, Konnektivität und Workflow- Integration.

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LABORPRAXIS: Was muss ich mir denn darunter vorstellen?

Ahlbrecht: Vor einigen Jahren ging es dem Anwender vor allem um mehr Ablesbarkeit und einen größeren Wägebereich. Hier haben wir mittlerweile technologisch das Optimum dessen erreicht, was der Markt benötigt. Heute wollen die Anwender vor allem regulatorische Anforderungen mit höchstauflösender Wägetechnik erfüllen. Das bringt eine Anzahl spezieller Herausforderungen mit sich.

LABORPRAXIS: ...und welche sind das?

Karen Storm: In vielen Bereichen sind die Zeiten des klassischen Wägeraums vorbei. Waagen sollen heute nah am Laborprozess sein. Diese Forderung bringt natürlich verschiedene Einflussfaktoren mit sich, wie z.B. Temperaturschwankungen oder kritische Luftbewegungen. Uns geht es darum, dem Anwender Assistenzsysteme anzubieten, die es trotz dieser Einflüsse ermöglichen, verlässliche und schnelle Wägeergebnisse zu produzieren. Wir müssen mit unseren Lösungen sich stetig ändernde Realitäten im Labor abbilden und dabei immer den Anwender im Blick haben.

Ahlbrecht: Uns treibt die Tatsache, dass oft die Realität im Labor deutlich von in Datenblättern spezifizierten Voraussetzungen abweicht. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass es einen großen Unterschied macht, ob man ein Prüfgewicht auf eine Waage stellt oder Probenmaterial einwiegt. Dieses ist oft flüssig oder pulverförmig. Man denke da nur an Effekte wie Elektrostatik oder Hygroskopie, die einen sehr großen Einfluss auf das Wägeergebnis haben können bzw. die Einwaage erschweren.

LABORPRAXIS: Anwender wollen sicher auch Hilfestellungen bei ihrer täglichen Arbeit. Wie bilden Sie das in Ihren Produkten ab?

Ahlbrecht: Das ist absolut richtig, denn der universelle Messprozess ist nicht mehr das alleinige Ziel. Die Individualisierung ist ein großer Trend im Labor. Der Anwender will genau die für ihn optimale Waage. Bei unserer Cubis-Waagen-Serie kann der Kunde durch individuell erstellte Q-Apps Schritt für Schritt durch seinen Wägeprozess geführt werden, gemäß seiner spezifischen SOP.

LABORPRAXIS: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Ahlbrecht: In der Pharmaindustrie muss aufgrund von regulatorischen Vorgaben in definierten Zeitabständen eine Kalibrierung der Waage durchgeführt werden. Unsere SOP führt den Anwender durch diesen Prozess. Sie gibt ihm beispielsweise die Gewichte vor, die er verwenden muss und überprüft gleichzeitig, ob sich die Ergebnisse in den geforderten Bereichen befinden. Dies bedeutet zusätzliche Sicherheit für den Prozess und ermöglicht es dem Anwender, sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren.

LABORPRAXIS: Apropos Prozesssicherheit – dafür stehen sicher auch die neuen hochlastigen Mikrowaagen um die gerade Ihre Cubis-Reihe erweitert wurde?

Ahlbrecht: Ja, unter anderem mit der neuen Pharmawaage. Dabei handelt es sich um Modelle, die exakt die soeben erwähnten Anforderungen erfüllen. Mit einer höchsten Ablesbarkeit von 1 oder 2 µg und Wägebereichen von 30, 60 und 110 g ermöglichen sie es, kleinste Einwaagen direkt in großvolumige Einwägegefäße von bis zu 250 ml zu tätigen. Diese High-end-Modelle zeigen unter realen Anwendungsbedingungen eine einzigartige Performance. Sie sind zudem kompatibel mit allen verfügbaren Q-Apps zur lückenlosen Integration in Laborprozesse.

LABORPRAXIS: Ein weiterer Trend im Labor ist die Automatisierung. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Ahlbrecht: Die Automatisierung muss immer Mittel zum Zweck sein. Für mich sind automatisierte Hilfestellungen im Labor sinnvoll, in vielen Bereichen ist Vollautomatisierung aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Automatisierung verschiedener Teilschritte macht da aus meiner Sicht mehr Sinn.

LABORPRAXIS: Frau Storm, in den vergangenen Jahren ist Sartorius stark gewachsen und hat sich dabei auch im Labor deutlich breiter aufgestellt. Welche Strategie verfolgen Sie hiermit?

Storm: Sartorius will zukunfts- und kundenorientiert wachsen. Dabei möchten wir neue Märkte erschließen, und in bestehenden Märkten mit innovativen Technologien erfolgreich sein. Einen starken Fokus legen wir dabei auf Kunden in Entwicklungslaboren der biopharmazeutischen Industrie und der öffentlichen Forschung. Diese unterstützen wir dabei, ihre Forschungsergebnisse schneller und sicherer in den klinischen Einsatz zu überführen.

LABORPRAXIS: Haben Sie deshalb auch die beiden US-Unternehmen IntelliCyt und Essen BioScience zugekauft?

Storm: Korrekt. Nachdem wir im letzten Jahr bereits durch den Erwerb von IntelliCyt in das Arbeitsgebiet Bioanalytik eingestiegen sind, haben wir mit der diesjährigen Übernahme von Essen das Portfolio unserer Laborsparte um eine weitere und einzigartige Technologie ausgebaut. Mit dem IncuCyte S3 von Essen BioScience bieten wir eine neuartige kamerabasierte Lösung, mit der über längere Zeiträume hinweg lebende Zellen visualisiert und analysiert werden können, ohne diese einem Inkubator entnehmen zu müssen.

LABORPRAXIS: Überschneiden sich die Systeme zur Zellanalytik von IntelliCyt und Essen eigentlich nicht?

Storm: Nein, ganz im Gegenteil. Aufgrund komplementärer Anwendungsgebiete stellen beide Systeme vielmehr eine perfekte Passung dar. Mit den Hochdurchsatzanalysen des IQue-Screeners von IntelliCyt einerseits sowie den bildgebenden Verfahren von Essen andererseits bieten wir der Industrie das breiteste und zugleich innovativste Zellanalytik-Portfolio für die Erforschung neuer medizinischer Wirkstoffe.

LABORPRAXIS: Diese Akquisen scheinen perfekte Bindeglieder zwischen Ihrer Labor- und Bioprozess-Sparte zu sein.

Storm: In der Tat. Mit den letzten Akquisitionen haben wir die Position beider Konzernsparten deutlich stärken können und schaffen zugleich Synergien – sowohl intern als auch für unsere Kunden. Denen wollen wir Lösungen entlang der gesamten biopharmazeutischen Prozesskette bieten und das schließt insbesondere auch den Bereich Drug Discovery ein – hier sind wir durch die Akquisitionen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen.

LABORPRAXIS: Mit dem starken Wachstum und dem erweiterten Produktportfolio gehen sicher auch hohe Anforderungen an Ihre Mitarbeiter einher. Wie reagieren Sie darauf?

Storm: Hohe Anforderungen, ja, aber auch große Chancen. Um Technologieführer zu sein, fordert Sartorius seine Mitarbeiter, unterstützt sie jedoch durch Weiterbildungen und Forschungskooperationen dabei, mit technologischen und organisatorischen Veränderungen Schritt zu halten. Gerade weil wir wachsen und uns dynamisch entwickeln, sind wir ein besonders attraktiver Arbeitgeber, der Mitarbeitern berufliche Perspektiven auf internationaler Ebene, spannende Aufgaben und Sicherheit bietet.

LABORPRAXIS: Am Unternehmenssitz in Göttingen werden derzeit viele Bauprojekte sowohl für die Produktion als auch Verwaltung durchgeführt. Was bedeuten diese für den Standort?

Storm: Der rasch wachsende Sartorius Campus ist ein starkes Signal für Göttingen und die Region Süd-Niedersachsen, gleichermaßen aber auch für unsere Mitarbeiter und Kunden. Die neue Konzernzentrale vereint zwei Göttinger Standorte und bietet ein neues, tolles Arbeitsumfeld, mehr Kapazitäten für Produktion und Administration, die wir für unser künftiges Wachstum benötigen.


Vielen Dank für das Gespräch.

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