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Meeresmüll in entlegensten Regionen

Plastikabfall bis zur Osterinsel

| Redakteur: Christian Lüttmann

Plastik-Teilchen aus dem Magen eines Weihnachts-Sturmtauchers (Puffinus nativitatis), der tot auf der Insel Salas y Gómez gefunden wurde.
Plastik-Teilchen aus dem Magen eines Weihnachts-Sturmtauchers (Puffinus nativitatis), der tot auf der Insel Salas y Gómez gefunden wurde. (Bild: Matías Portflitt Toro)

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Plastikmüll in den Ozeanen ist ein globales Problem, das ist längst bekannt. Welche Ausmaße die Verschmutzung der Meere hat, bleibt vom Festland aus oft verborgen. Ein chilenisch-deutsches Wissenschaftlerteam hat nun Proben in entlegenen Meeresregionen genommen und zeigt damit den Umfang der Verschmutzung und den Einfluss auf das marine Ökosystem.

Kiel – Seit vielen Jahrzehnten dominieren Kunststoffe viele Produkt- und Verpackungsbereiche. Zwar sind sie dank ihrer einfachen Verarbeitung und vielfältigen Materialeigenschaften ideal für diverse Anwendungsgebiete geeignet – von der Gummidichtung über die Handyhülle bis hin zur Lebensmittelverpackung. Doch ein scheinbarer Pluspunkt macht das Material mittlerweile zu einem großen Problem für die Umwelt: seine Langlebigkeit.

Unachtsamkeit oder Vorsatz sorgen dafür, dass immer mehr dieser sehr langlebigen Produkte in unsere Ozeane gelangen. Meeresströmungen treiben den Plastikmüll dann bis in die entlegensten Winkel unseres Planeten. Auf dem Weg durch das Meer zerlegen die Gezeiten das Plastik zu immer kleineren Partikeln, welche dann von vielen marinen Organismen aufgenommen werden.

Verfangen an den Küsten, verschluckt im offenen Meer

Die Forschenden vom Núcleo Milenio Esmoi (Ecology and Sustainable Management of Oceanic Islands) und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen in Chile sowie vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel haben das Phänomen der Plastikverschmutzung im Meer genauer untersucht. Auf mehreren Expeditionen im Südpazifik zwischen der Osterinsel und dem südamerikanischen Festland haben sie Wasserproben gewonnen und dokumentiert, dass fast 100 unterschiedliche Arten von der Verschmutzung mit Plastik betroffen sind.

„Besonders hohe (Mikro)-Plastikkonzentrationen haben wir rund um die Osterinsel und in bis zu 2000 Kilometern Entfernung vor der chilenischen Küste gefunden“, erläutert Dr. Martin Thiel, Hauptautor der Studie von der chilenischen Universidad Católica del Norte. Außerdem haben die Forscher Berichte über marine Organismen ausgewertet, die sich in größeren Plastikteilen wie beispielsweise alten Fischernetzen verfangen hatten. „Das kommt häufiger in den küstennahen, stark befischten Regionen des Humboldtstrom vor, während wir im offenen Ozean eher sehen, dass Organismen kleinere Plastikteile verschlucken“, schildert Thiel. Die Studie zeige sehr deutlich, dass sich die Partikel im Bereich der subtropischen Wirbel konzentrieren, sagt der deutsche Meeresbiologe, der schon seit vielen Jahren in Chile lebt und sich gegen die Verschmutzung der Ozeane engagiert.

Fast 100 betroffene Tierarten

Besonders deutlich wird die Belastung durch den Kunststoffabfall, wenn man sich anschaut, was marine Lebewesen davon aufnehmen. „Wir haben knapp 100 verschiedene Arten aus dem Bereich des Südostpazifiks untersucht. Darunter 20 Fischarten, mehr als 50 Seevögel und knapp 20 Meeressäuger“, erläutert Dr. Nicolas Ory, Ko-Autor der Studie vom Geomar. „In den Mägen finden sich alle möglichen Plastikfragmente, zum Teil in erschreckend hoher Konzentration“, so Ory weiter. Diese beeinträchtigen oder schwächen die Lebewesen zumindest und können langfristig zu einer erhöhten Mortalität führen.

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„Dies sind keine guten Nachrichten“, meint Thiel. „Das Müllproblem im Ozean ist global und es ist schon in den entlegensten Regionen der Erde angekommen.“ Vielleicht können die Ergebnisse der Forscher dazu beitragen, das Bewusstsein der Menschen für dieses globale Problem zu stärken. Schließlich landet all das Plastik irgendwann auch wieder bei uns auf dem Teller.

Originalpublikation: Thiel, M., G. Luna-Jorquera, R. Álvarez-Varas, C. Gallardo, I. A. Hinojosa, N. Luna, D. Miranda-Urbina, N.i Morales, N. Ory, A. S. Pacheco, M. Portflitt-Toro and C. Zavalaga: Impacts of Marine Plastic Pollution From Continental Coasts to Subtropical Gyres - Fish, Seabirds, and Other Vertebrates in the SE Pacific. Frontiers in Marine Science, 5 (2018); DOI: 10.3389/fmars.2018.00238

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